US Open - Zverev und Görges sind ausgeschieden

Der Deutsche Alexander Zverev während der Partie gegen den Argentinier Diego Schwartzman.

US Open in New York

US Open - Zverev und Görges sind ausgeschieden

Alexander Zverev ging beim nächsten Abnutzungskampf die Puste aus, Julia Görges zitterte mit dem Sieg vor Augen das Händchen: Die Viertelfinals bei den US Open finden ohne deutsche Beteiligung statt.

Während Görges im Achtelfinale trotz eines Matchballs gegen die Kroatin Donna Vekic 7:6 (7:5), 5:7, 3:6 verlor, musste sich Zverev dem giftigen Argentinier Diego Schwartzman nach einer zu fehlerbehafteten Vorstellung verdient 6:3, 2:6, 4:6, 3:6 geschlagen geben.

Doppelfehler ohne Ende

Nach einem starken ersten Satz verfiel der Weltranglisten-Sechste aus Hamburg in alte Muster: Zverev zeigte wie schon in den schwachen Spielen im Vorfeld des Turniers enorme Probleme beim zweiten Aufschlag und reihte Doppelfehler an Doppelfehler - 17 waren es insgesamt gegen Schwartzman. Dazu verschlug er zu viele einfache Bälle und leistete sich 65 "unforced errors".

Zverev wirkte nach dem verlorenen dritten Satz müde, gleich zweimal ließ er sich vom 1,70 Meter kleinen Schwartzman im vierten Durchgang den Aufschlag abnehmen. Das 0:4 servierte er dem Argentinier standesgemäß mit einem Doppelfehler - die Geschwindigkeit des zweiten Aufschlags von 106 km/h demonstrierte Zverevs Verunsicherung.

In seinen ersten drei Partien in Flushing Meadows hatte Zverev jeweils über drei Stunden auf dem Platz gestanden. Auch diesmal entwickelte sich aufgrund vieler langer Ballwechsel ein kräftezehrendes Spiel, das der Argentinier nach 3:08 Stunden mit dem zweiten Matchball trotz eines letzten Aufbäumens Zverevs für sich entschied. Zuvor hatte der Deutsche wegen eines Kraftausdrucks sogar einen Punktabzug bekommen.

Görges hatte sogar Matchball

Die deutsche Tennisspielerin Julia Görges verliert gegen die Kroatin Donna Vekic bei den US Open.

Frust pur: Julia Görges verliert gegen die Kroatin Donna Vekic

Viel näher am Sieg war zuvor Görges, nur ein Punkt fehlte zu ihrem ersten Viertelfinale bei einem Hartplatz-Grand-Slam. "Ich bin natürlich enttäuscht, dass ich das Match verloren habe" sagte Görges, meinte aber: "Das ist Sport. Mal gewinnt man mit Matchball gegen sich, mal verliert man trotz Matchball."

Görges nach US Open- Aus: "Natürlich möchte man am Ende gewinnen"

Sportschau 02.09.2019 01:27 Min. Verfügbar bis 02.09.2020 ARD Von HR-Reporter Tim Brockmeier

"Spiel von hoher Qualität"

Dennoch sei es ein "Spiel von hoher Qualität" gewesen. Wie schon beim überzeugenden Drittrunden-Sieg über die Weltranglisten-Siebte Kiki Bertens begann Görges äußerst aggressiv und servierte stark, Vekic sah kaum Land. Schnell führte sie völlig verdient 4:1, nach einem kleinen Durchhänger holte sie sich nach 54 Minuten den ersten Satz. Görges konnte sich auch danach auf ihren bärenstarken Aufschlag verlassen, servierte insgesamt 21 Asse - alleine vier am Stück zum 2:0.

Erst als es bei 5:4 darum ging, das Spiel zu beenden, wackelte sie, schenkte Vekic gleich drei Doppelfehler und gab trotz eines Matchballs ihren Aufschlag ab. Vekic breakte Görges danach erneut und rettete sich in den Entscheidungssatz, nach 2:42 Stunden verwandelte die Kroatin dort ihren ersten Matchball und feierte den Einzug in ihr erstes Viertelfinale bei einem Grand Slam.

Auch Koepfer ist draußen

Dominik Koepfer

Enttäuschung: Dominik Koepfer fehlte nicht viel bis in die Top Acht

Vorbei ist auch die Erfolgsstory von Dominik Koepfer. Der 25 Jahre alte Qualifikant aus Furtwangen musste sich im Achtelfinale trotz einer erneut couragierten Leistung dem russischen Weltranglisten-Fünften Daniil Medwedew 6:3, 3:6, 2:6, 6:7 (2:7) geschlagen geben. "Ich habe immer daran geglaubt, dass ich gewinnen kann", sagte Koepfer: "Ich glaube, ich habe ziemlich gutes Tennis gespielt und um jeden Punkt gekämpft."

Wie schon in den vorangegangenen Spielen startete Koepfer gegen Medwedew, der im Vorfeld des Turniers das Masters in Cincinnati gewonnen hatte, stark. Mit viel Power dominierte der Schwarzwälder die Duelle von der Grundlinie. Wann immer Medwedew ans Netz ging, packte Koepfer herrliche Passierschläge aus. Nach 31 Minuten und zwei Breaks holte sich der deutsche Underdog unter dem Jubel der Fans den ersten Satz. Gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs nahm er dem Russen erneut den Aufschlag ab, nach und nach kam Medwedew dann aber besser ins Spiel. War dem 23-Jährigen im ersten Satz noch kaum etwas gelungen, gewann er nun mehr Sicherheit in den Grundschlägen, während Koepfer mehr Fehler einstreute.

Sprung in die Top100

Im dritten Satz vergab Koepfer beim Stand von 2:1 drei Breakbälle, im Tiebreak setzte sich dann Medwedews Klasse durch. Nach 2:32 Stunden nutzte er seinen zweiten Matchball. Trotz der Niederlage wird Koepfer, der bereits bei seinem Grand-Slam-Debüt in Wimbledon die zweite Runde erreicht hatte, nach den US Open erstmals in seiner Karriere in die Top-100 der Weltrangliste klettern.

In New York war Koepfer der erste deutsche Qualifikant seit Benjamin Beckers spektakulärem Drittrundensieg über Andre Agassi 2006, der sich in Flushing Meadows bis ins Achtelfinale gespielt hatte. Für seinen Einzug unter die besten 16 erhielt Koepfer 280.000 Dollar (rund 250.000 Euro) - sein bisheriges Karriere-Preisgeld belief sich auf 332.732 Dollar.

Die Schulter - Djokovic gibt auf

Titelverteidiger Novak Djokovic ist bei den US Open im Achtelfinale ausgeschieden. Der Wimbledonsieger aus Serbien gab in der Neuauflage des Endspiels von 2016 gegen den Schweizer Ex-Champion Stan Wawrinka beim Stand von 4:6, 5:7, 1:2 auf. "Ja, es war die linke Schulter", sagte der Weltranglistenerste zum Grund seiner Aufgabe: "Es ist frustrierend, sehr frustrierend."

Schon nach seinem Auftaktsieg in New York hatte der 16-malige Grand-Slam-Sieger über Schmerzen in der Schulter geklagt. Diese seien bereits "seit Wochen" dagewesen, sagte Djokovic. "So will man ein Spiel nie beenden", sagte Wawrinka im Anschluss an die Partie. Schon im Endspiel vor drei Jahren hatte er gegen Djokovic gewonnen und seinen dritten Grand-Slam-Titel geholt.

Im Viertelfinale trifft Wawrinka auf den Russen Daniil Medwedew. Djokovic hatte den Court im Arthur-Ashe-Stadium unter Pfiffen der Zuschauer sofort nach seiner Aufgabe verlassen. "Es tut mir leid für das Publikum", sagte er. Bereits während des Spiels war er vom Physiotherapeuten an seiner linken Schulter behandelt worden. Bei den vorangegangenen fünf Grand-Slam-Turnieren hatte Djokovic vier Titel gewonnen, zuletzt im Juli im epischen Wimbledon-Finale gegen Roger Federer. Letztmals war Djokovic auf Major-Ebene bei den Australian Open 2018 in der Runde der besten 16 gescheitert, damals musste er sich dem Südkoreaner Hyeon Chung geschlagen geben.

Federer im Schnelldurchgang weiter

Roger Federer bei den US Open

Roger Federer bei den US Open

Der 38 Jahre alte Schweizer Roger Federer deklassierte am Sonntag (01.09.2019) den Belgier David Goffin mit 6:2, 6:2, 6:0. Federer benötigte gerade einmal 79 Minuten für seinen Erfolg und steht beim letzten Grand-Slam-Turnier der Tennis-Saison insgesamt zum 13. Mal im Viertelfinale.

"Es war großartig, ich hatte heute wieder ein gutes Gefühl. Ich bin mit dem Niveau meines Spiels sehr zufrieden", sagte Federer, der auch tröstende Worte für Goffin fand: "Man muss sagen, dass er auch nicht seinen besten Tag hatte."

Auch Nadal im Viertelfinale

Rafael Nadal hat seinen ersten Härtetest bestanden und das Viertelfinale erreicht. Im Duell der ehemaligen New Yorker Champions gab der Spanier gegen Marin Cilic zwar seinen ersten Satz im Turnier ab, bezwang den Kroaten aber letztlich souverän in 2:49 Stunden mit 6:3, 3:6, 6:1, 6:2. Im neunten Aufeinandertreffen mit Cilic, der 2014 in Flushing Meadows triumphiert hatte, war es für den French-Open-Sieger der siebte Erfolg. Der 18-malige Grand-Slam-Sieger Nadal trifft in der Runde der letzten Acht auf den Argentinier Diego Schwartzman. Bei den US Open hat Nadal bereits dreimal den Titel gewonnen.

dpa/sid | Stand: 02.09.2019, 07:40

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