Naomi Osaka bei den US Open - Große Erwartungen

Naomi Osaka

Japanerin steht im Halbfinale

Naomi Osaka bei den US Open - Große Erwartungen

Naomi Osaka steht bei den US Open in New York im Halbfinale. Dabei hat die 20-Jährige jede Menge Druck. Die Erwartungen in der Heimat sind riesig.

Naomi Osaka weiß in diesen Tagen nicht genau wie sie umgehen soll mit ihrem Erfolg. "Nach dem Achtelfinale hab ich ein bisschen geweint, da haben sich die Leute über mich lustig gemacht. Deshalb bin ich jetzt einfach ans Netz gegangen. Aber innerlich bin ich ausgerastet", sagte die Japanerin nach ihrem klaren Viertelfinal-Erfolg gegen die Ukrainerin Lessia Zurenko bei den US Open in New York.

Zum ersten Mal steht die 20-Jährige im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers. Im März hatte sie in Indian Wells ihr erstes und bislang einziges WTA-Turnier überhaupt gewonnen. In Flushing Meadows trifft sie jetzt auf die Amerikanerin Madison Keys. Die Nummer 20 der Setzliste steht als erste Japanerin seit 22 Jahren im Halbfinale eines Majors. Damals stand Kimiko Date in Wimbledon unter den letzten vier Spielerinnen.

Nervige Fragen

Auf einer Pressekonferenz gab sie zuletzt einen Einblick in ihr Seelenleben. "Jedes Mal bei einem Grand Slam bin ich gefragt worden, ob ich die dritte Runde überstehe. Als ich in Australien in der vierten Runde stand, haben die Leute gefragt: Kommst du noch weiter, oder war es das jetzt?", erklärte Osaka ihren emotionalen Ausbruch. Jetzt kann man ein wenig erahnen, welch gewaltigem Druck die junge Frau ausgesetzt ist. Und die Tränen nach dem Achtelfinale waren wohl eher der Erleichterung geschuldet, endlich den Erwartungen gerecht zu werden.

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Wie die Williams-Schwestern

Denn die sind riesig. Naomi Osaka wurde in der gleichnamigen Stadt in Japan als Tochter einer Japanerin und eines New Yorkers mit Wurzeln in Haiti geboren. Früh zog die Familie in die USA. Osakas Vater Leonard Francois setzte sich in den Kopf, sie und die zwei Jahre ältere Schwester Mari zu Tennisstars zu machen. Seine Töchter sollen aufwachsen wie die Williams-Schwestern, so der Plan. "Die Blaupause war da. Ich musste ihr nur folgen", sagte er mal der New York Times über sein Vorbild Richard Williams. Der hatte Serena und Venus von klein auf zu Tennisstars erzogen.

Trainer sieht Riesen-Potenzial

Und tatsächlich sind Naomi und Mari Osaka Tennisprofis geworden, das größere Potenzial besitzt die Jüngere. Ihr Münchner Trainer Sascha Bajin, lange Zeit im Team von Serena Williams angestellt, sagt über seinen Schützling: "Ich habe fast acht Jahre lang mit Serena gespielt, und Naomis Waffen sind genauso groß wie ihre. Sie hat keine Angst vor der großen Bühne, darum glaube ich, dass sie etwas Großes in sich trägt."

Das bewies Naomi Osaka bereits im vergangenen Jahr, als sie bei den US Open Titelverteidigerin Angelique Kerber deklassierte. In Indian Wells im März holte sie ihren ersten Titel, wenig später gewann sie in Miami gegen ihr großes Idol Serena Williams, die sie im Finale von New York wiedersehen könnte.

Japaner aus dem Häuschen

Über die großen Erwartungen in der Heimat denkt sie nicht besonders nach. "Ich bin einfach nur glücklich, dass mich so viele Menschen unterstützen", sagt Osaka. Dabei sind die Tennisfans in Japan zurzeit komplett aus dem Häuschen. Denn bei den Männern hat auch Kei Nishikori in New York das Halbfinale erreicht. Damit stehen erstmals zwei Profis aus Japan unter den letzten Vier bei einem Grand-Slam-Turnier.

Dabei hat sie ganz nebenbei auch noch eine politische Mission. Da ihr Vater kein Japaner ist, gilt Osaka in traditionelle Kreisen nur als eine "Hafu", eine Halbjapanerin. Ihr Agent Stuart Duguid hofft nun, dass Osaka "die Wahrnehmung" der "Hafu" in Japan zum Positiven verändert. "Sie kann eine Botschafterin des Wandels sein", sagt Duguid.

Gegen Keys Außenseiterin

Gegen Madison Keys ist Osaka Außenseiterin. Die 23-Jährige Amerikanerin stand im vergangenen Jahr bei den US Open schließlich im Finale und weiß das heimische Publikum hinter sich. Chancenlos ist Osaka freilich nicht. Und vielleicht hat sie sich auch schon überlegt, wie sie im Falle eines Sieges umgeht mit diesem Erfolg.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 22:50 Uhr

vdv/sid/dpa | Stand: 06.09.2018, 10:35

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