Tennis - Kyrgios sagt US Open ab, Zverev zweifelt

Nick Kyrgios (links) und Alex Zverev (rechts) am Netz zum Handschlag

Grand Slam in New York

Tennis - Kyrgios sagt US Open ab, Zverev zweifelt

Von Jörg Strohschein

Nick Kyrgios hat eine Teilnahme an den US Open abgesagt, aus Rücksicht auf die Corona-Erkrankten. Alexander Zverev hat noch keine Entscheidung getroffen, will aber keinesfalls Weltranglistenpunkte verlieren.

Wer Nick Kyrgios in den vergangenen Jahren auf dem Tennisplatz erlebt hat, der dürfte sich seit ein paar Wochen über ihn wundern. Der 25-Jährige galt schließlich als der neue Tennisrüpel, ganz in der Tradition vom einstigen Enfant terrible John McEnroe, der wie der Australier weder sich noch seine Gegner mit seinen Wutausbrüchen schonte.

So manch unvermittelte verbale Attacke und einige zerbrochene Tennisschläger sind bei beiden zu beklagen. Zudem verbindet sie das außergewöhnliche Talent, das der US-Amerikaner allerdings besser für sich zu nutzen wusste.

Aber noch eine Gemeinsamkeit eint die beiden, die wohl niemand so vorausgesagt hätte. McEnroe und Kyrgios haben sich zu einer Art moralischer Instanz in diesem Sport entwickelt.

Laute Kritik an den Kollegen

John Mcenroe bei den Australian Open

Als selbsternannter "Commissoner of Tennis" bespricht der 61 Jahre alte McEnroe in einem für ihn geschaffenen Fernsehformat seit einigen Jahren ganz offensiv Fehlentwicklungen im Profitennis. Kyrgios dagegen nutzt seit Beginn der Corona-Pandemie die sozialen Medien, um vor allem seine Profi-Kollegen darauf hinzuweisen, dass sie sich in diesen schwierigen Zeiten weniger egoistisch verhalten sollten.

Dabei schreckte der Australier auch nicht davor zurück, den Branchenprimus Nowak Djokovic und seine Entourage um Alexander Zverev und Domink Thiem für die ausschweifenden und alles andere als Corona-konformen Feierlichkeiten bei der Adria Tour scharf zu kritisieren und zurechtzuweisen - was ihm wenig Beifall von den Kollegen einbrachte.

Nun erteilte Kyrgios auch seiner Teilnahme an den US Open mit einer klaren Haltung eine Absage. Es schmerze ihn "im Innersten", dass er nicht teilnehmen könnte. Er verzichte allerdings für seine australischen Mitmenschen und für "die Hunderttausenden Amerikaner, die ihr Leben verloren haben, für euch alle", sagte er.

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Zverev will Weltranglistenpunkte sammeln

Auch Alexander Zverev scheint Zweifel zu haben, dass eine Teilnahme in New York derzeit sinnvoll wäre. Allerdings führte der 23-Jährige am Samstagabend bei einem Show-Turnier in Südfrankreich ganz andere Gründe als Kyrgios an, der seine Egoismus-Vorwürfe auch an den Deutschen damit wieder einmal bestätigt sehen dürfte.

Es sei "nicht die richtige Zeit, jetzt nach Amerika zu fliegen. Wenn die US Open stattfinden, was sollen wir Spieler machen? Gerade wenn alle spielen, es geht ja auch um Ranglistenpunkte." Über eine Absage für das Grand-Slam-Turnier, das am 31. August in New York beginnen soll, habe er "momentan noch nicht nachgedacht", sagte er, ohne eine eindeutige Haltung zu präsentieren.

Weiter mit Ferrer

Es kommt also wie es kommt. "Es ist ein bisschen verrückt, jetzt die US Open zu spielen. Ich würde es lieber haben, wenn die US Open nicht stattfinden würden und wir in Europa anfangen."

Immerhin, in Sachen sportlicher Zukunft hat Zverev eine klare Position bezogen. "Die Testphase ist vorbei. Wir sind zusammen, ein Paar. Wir verstehen uns unglaublich. Wir sind jetzt eine Mannschaft", sagte der Weltranglistensiebte über seine weitere Zusammenarbeit mit dem Spanier David Ferrer, der erst im vergangenen Jahr seine aktive Karriere auf der ATP-Tour beendet hatte. "David und mein Vater sind jetzt beide meine Haupttrainer, mein Papa wird ja auch nicht jünger. Beide sind extrem wichtig in der Mannschaft", sagte Zverev in Nizza.

Stand: 02.08.2020, 09:49

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