Tennis in Berlin - Vorbild für die Profi-Tour

Der ehemalige Tennisprofi Tommy Haas bei der Pressekonferenz anlässlich der Einladungsturniere in Berlin

Tennis in Berlin

Tennis in Berlin - Vorbild für die Profi-Tour

Die Einladungsturniere in Berlin sind auch der Versuch, dem Tennis wieder etwas Normalität zurückzugeben. Nach wie vor gibt es viele Zweifel an der für August geplanten Fortsetzung der Profi-Tour.

"Tennis is back" - mit diesem Slogan hatte das wiederbelebte WTA-Turnier in Berlin im Frühjahr Werbung für sich gemacht. Zwölf Jahre, nachdem letztmals die German Open in der Hauptstadt stattfanden, sollten sich im Juni im Steffi-Graf-Stadion wieder die besten Spielerinnen der Welt duellieren. Bis die Corona-Pandemie auch den Spielbetrieb im internationalen Tennis lahmlegte.

Nun kehrt ab Montag (13.07.2020) zumindest wieder ein Stück von der großen Tennis-Welt zurück an die Spree: mit zwei Einladungsturnieren, im Rasenstadion am Grunewald und im Anschluss auf einem Hartplatz in einem ehemaligen Flugzeughangar in Tempelhof.

Görges, Petkovic - und Tommy Haas in Berlin

Zwar hat der als Hauptattraktion vorgesehene Alexander Zverev kurzfristig abgesagt, mit allerhand Nebengeräuschen. Doch mit Deutschlands Nummer zwei Jan-Lennard Struff, Melbourne-Finalist Dominic Thiem und den drei Top-15-Spielern Matteo Berrettini, Roberto Bautista Agut sowie Karen Khachanov sind die Turniere auch so namhaft besetzt. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Tommy Haas, der drei Jahre nach seinem Rücktritt ein Kurz-Comeback geben wird.

Bei den Damen wird das Feld von Julia Görges und Andrea Petkovic angeführt. Außerdem gehen mit der Weltranglistenfünften Elina Svitolina und Kiki Bertens (Nummer sieben) zwei Top-Ten-Spielerinnen an den Start, und mit Petra Kvitova eine zweifache Wimbledonsiegerin.

Julia Görges: "Guter Schritt in die richtige Richtung" Sportschau 13.07.2020 01:09 Min. Verfügbar bis 13.07.2021 Das Erste

Start von WTA- und ATP-Tour ab August

Erstmals ist bei einem Tennis-Turnier in Deutschland wieder eine größere Menge Zuschauer zugelassen, bis zu 800 Fans pro Tag dürfen auf die Freiluftanlage des Steffi-Graf-Stadions. Mit strengen Abstandskontrollen, Maskenpflicht bis zum Erreichen des Sitzplatzes und einer Hygieneschleuse inklusive Fiebermessen beim Betreten der Anlage. Die Organisatoren haben schon im Vorfeld viel Wert auf ihr eigens entwickeltes Hygienekonzept gelegt, das nach dem Willen von Turnierdirektorin Barbara Rittner auch als Vorbild für die gesamte Tennis-Szene dienen soll. Auch Vertreter von ATP und WTA sind in Berlin angekündigt. Denn ab August soll auch wieder um echte Weltranglistenpunkte gespielt werden, mit Turnieren auf der Profi-Tour.

Den Anfang machen die Damen mit dem ab 3. August angesetzten WTA-Turnier in Palermo. Ab dem 10. August geht es mit Turnieren in Prag und in Lexington/Kentucky weiter - letzteres soll zugleich der Auftakt sein für eine Serie von Veranstaltungen in den USA, die als Vorbereitung für die US Open ab Ende August angesetzt sind.

Djokovic, Halep, jetzt auch Kerber: Kritik an US Open

Doch dass der Profizirkus tatsächlich bald in den von der Pandemie besonders stark heimgesuchten USA einziehen soll, übersteigt nach wie vor die Vorstellungskraft vieler Profis. Mit Angelique Kerber meldete sich am Wochenende eine weitere Top-Spielerin zu Wort, die vor allem einen Start bei den US Open kritisch sieht: "Stand heute kann ich es mir nicht vorstellen", sagte Kerber und gab zugleich das Stimmungsbild in der Szene wieder: "Ich glaube, niemand will sich jetzt in den Flieger setzen und nach New York fliegen."

Auch der Weltranglistenzweiten Simona Halep bereitet ein Start bei den US Open nach wie vor "etwas Kopfzerbrechen", so Halep gegenüber der BBC. Sie will ihre Teilnahme von den genauen Restriktionen abhängig machen, und auch von der Entscheidung der anderen Spielerinnen. Bei den Herren stellte der prominenteste Kritiker Novak Djokovic, der zwischenzeitlich Bereitschaft signalisiert hatte, seine Teilnahme an den US Open doch wieder in Frage. Bei den Generalproben in Washington und Cincinnati werde er "sicher nicht antreten" so der Weltranglistenerste.

Bei Rafael Nadal deutet bereits jetzt sehr viel auf einen Verzicht der US-Tour hin. Der Spanier hat, ebenso wie Djokovic, für die Madrid Open im September zugesagt und wird sich wohl komplett auf die French Open konzentrieren.

Die deutschen Teamchefs Michael Kohlmann und Rainer Schüttler haben den kompletten Zeitplan der Profi-Tour in Frage gestellt, angesichts der Reisebeschränkungen und Risiken wegen der nach wie vor grassierenden Corona-Pandemie: "Es stehen noch so viele Fragen im Raum, die noch nicht beantwortet wurden", sagte Davis-Cup-Kapitän Kohlmann. Für Fed-Cup-Teamchef Schüttler sind die geplanten Turniere im August "sehr früh" angesetzt. Auch Deutschlands Top-Spielerin Kerber glaubt, dass Turniere in Europa derzeit eher machbar seien als im Corona-Hotspot USA.

Roland Garros plant mit 20.000 Zuschauern pro Tag

Gerade einmal zwei Wochen nach dem Finale in Flushing Meadows sind die French Open in Paris angesetzt. Die Organisatoren planen sogar mit bis zu 20.000 Zuschauern pro Tag - und haben in der vergangenen Woche den Ticketverkaufsstart bekannt gegeben. Verbunden mit der Meldung, dass auf dem Court Philippe-Chatrier, dem größten Stadion in Roland Garros, erstmals auch unter dem neuen Dach gespielt werden kann. Darauf hatten Spieler und Zuschauer eigentlich lange gewartet, im oft von Regen und Wind geplagten Pariser Frühling. Jetzt aber, wo die Corona-Pandemie vor allem den Indoorsport vor große Herausforderungen stellt, dürfte die Vorstellung, Spiele in einer großen Tennis-Halle zu verfolgen, wohl eher mulmige Gefühle auslösen.

mixa/dpa/sid | Stand: 12.07.2020, 14:45

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