Australian Open - Djokovics Dynastie verlängert

Tennis-Star Novak Djokovic lächelt auf der Pressekonferenz nach seinem Australian-Open-Sieg

Achter Australian-Open-Sieg des Serben

Australian Open - Djokovics Dynastie verlängert

Von Jannik Schneider (Melbourne)

Im Australian-Open-Finale gegen Dominic Thiem dreht Novak Djokovic erstmals in einem großen Endspiel einen 1:2-Satzrückstand und sichert sich seinen achten Titel in Melbourne. Dank dieser Energieleistung verzögert sich ein Machtwechsel im Tennis auf unbestimmte Zeit.

Novak Djokovic ließ sich nicht stressen. Da konnten die Verantwortlichen um Turnierdirektor Craig Tiley und der ATP noch so gestenreich einwirken. Das sollte ihr Moment sein - und den genoss der Serbe mit seinem Team im Inneren der Rod Laver Arena ausgiebig. Seine beiden Trainer, Marian Vajda und Goran Ivanisevic, sein Bruder Marko sowie weitere Familienmitglieder standen im Halbkreis und flachsten miteinander.

Der 6:4. 4:6, 2:6, 6:3 und 6:4 Erfolg nach 3:59 Stunden gegen einen tapfer kämpfenden Dominic Thiem bei den 108. Australian Open am Sonntagabend (02.02.2020/Ortszeit) war da keine halbe Stunde vorbei. Der 32-jährige Serbe versuchte, den Moment mit seinen Vertrauten zu genießen. Später, am Ende eines fast zweistündigen Medienmarathons entlang der weitläufigen Anlage gab er bei der abschließenden Pressekonferenz an, dass ihm das dennoch nicht so gut gelungen war. "Diese Momente will man mit seinen Liebsten genießen. Aber ich befürchte, dass ich die Ausmaße meiner sportlichen Erfolge erst nach dem Ende der Karriere realisieren werde und so richtig mit ihnen teilen können werde."

Dominanz der "Drei" geht weiter

Die Ausmaße seines Erfolgs nehmen tatsächlich immer historischere Züge an. Der knappe Erfolg finalisierte seinen 17. Grand-Slam-Sieg insgesamt. Zwei, beziehungsweise drei Titel mehr haben seine Dauerrivalen Rafael Nadal und Roger Federer auf der Habenseite. Die großen Drei haben als eine Art Tennis-Dynastie seit 2017 die Turnierentscheidungen bei den vier größten Events allesamt untereinander aufgeteilt. Seit Federers erstem Titel in Wimbledon 2003 gab es nur sieben andere Grand-Slam-Sieger. Djokovic sorgte mit einer erneuten Energieleistung dafür, dass diese sportartübergreifend einzigartige Dominanz auf höchstem Niveau weiter bestehen bleibt. Tendenzen, dass diese Phalanx bald andere Akteure durchbrechen können, gibt es dennoch einige.

Für die eindeutigste sorgte Thiem, der 26-jährige Österreicher, der sich im alterstechnischen Niemandsland zwischen den jungen Wilden um Alexander Zverev, Stefanos Tsitsipas und Daniil Medvedev und eben Djokovic und den anderen beiden befindet. Björn Borg etwa beendete seine illustre Karriere nach elf Majorsiegen einst in Thiems Alter. Am Sonntag hätte Thiems Geburtsdatum dafür gesorgt, dass er der jüngste Grand-Slam-Sieger seit fast sieben Jahren geworden wäre.

Thiem der Nachfolger?

Thiem ist nahe dran. In den vergangenen zwölf Monaten konnte er als einziger Akteur eine positive Bilanz gegen alle drei Topspieler vorweisen. In Melbourne hatte er mit einer vorzüglichen Leistung Rafael Nadal im Viertelfinale ausgeschaltet. Die wenigen Akteure, die sich gegen den so kraftvoll spielenden Spanier durchsetzen können, aktivieren aber selten die nötigen Kraftreserven, die es bedarf, um dann den nächsten Schritt zu gehen. Thiem aber servierte, returnierte und volleyierte auch im Halbfinale gegen Zverev fast vier Stunden auf außergewöhnlich hohem Niveau. Zverev erklärte anschließend tief beeindruckt: "Dominic hat definitiv eine Chance im Finale."

Und die deutsche Nummer eins, die zum ersten Mal ein Grand-Slam-Halbfinale erreichte, sollte recht behalten. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und einem 1:4-Spätstart erspielte sich Thiem gegen Djokovic noch einen engen ersten Durchgang, den er knapp verlor. Knapp zwei Stunden später sah sich Thiem in seinem dritten Grand-Slam-Finale erstmals mit 2:1-Sätzen in Front.

Schwächephase von Djokovic

Djokovic hatte zunächst mit seiner Aufschlaggeschwindigkeit zu kämpfen. Dann brummte ihm der Unparteiische gleich zwei Zeitstrafen auf. Der serbische Superstar hatte die 24 Sekunden überschritten, die man für den Aufschlag Zeit hat. Völlig von der Rolle und mit sich und dem Schiedsrichter hadernd, verlor Djokovic das Momentum. "Dann habe ich auch noch meine Energie verloren. Der Arzt sagte auf dem Platz, ich sei dehydriert. Aber eigentlich habe ich mich vorbereitet wie immer", erklärte Djokovic in der Pressekonferenz noch immer leicht verunsichert.

Sein Team braute derweil auf der Tribüne für jeden Satz ein Getränk zusammen, das Djokovic mit einem extra dafür angereichten Strohhalm zog. Ob es ein Pulver oder ein Getränkemix gewesen sei, wollte Djokovic vor rund 100 Medienvertretern auf Anfrage von sportschau.de nicht beantworten, parierte die Frage stattdessen mit einer Portion Ironie: "Es war ein magisches Gemisch, das mir mein Physiotherapeut in seinem Labor zubereitet hat."

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Thiem nutzt Breakbälle nicht

Djokovic kam zurück und ließ sich von dem 1:2-Satzrückstand und den körperlichen Schwierigkeiten nicht beirren. Erstmals in seiner Karriere drehte er diesen Rückstand in einem Grand-Slam-Finale. Siebenmal hatte er die Centre Courts als Verlierer verlassen. "Die Statistik hatte ich während des Matches nicht im Kopf", meinte er hinterher.

Mit positiven Gedanken überstand Djokovic in Satz vier mehrere Breakbälle und übertrumpfte dann einen etwas unkonstanter und müder werdenden Thiem. "Ich habe mir bis auf diese Breakbälle nichts vorzuwerfen", sagte Thiem, als er von den Medienvertretern bombardiert wurde mit Fragen zur Herrschaft der großen Drei. "Ich habe jetzt wieder mehr Erfahrung und ich möchte einen großen Titel unbedingt noch gewinnen, so lange diese Spieler aktiv sind. Denn jetzt sind sie noch mehr Wert."

Alles wie immer 2020?

Djokovic dagegen lobte Thiem in den höchsten Tönen und war froh, einer Wachablösung nochmal entkommen zu sein. "In dieser Phase meiner Karriere haben Grand-Slam-Titel die größte Bedeutung. Dieser Jahresstart gibt die Richtung vor."

Das Jahr 2020 - es steht tennistechnisch weiter für den Kampf der großen Drei um den ewigen Grand-Slam-Rekord. Oder kann doch einer der nächsten Generation dazwischenfunken? Am wahrscheinlichsten ist das auf Hardcourt – also im August in New York. Bei den French Open auf Sand ist Rafael Nadal wohl zu dominant. In Wimbledon gilt das Gleiche für Federer und Djokovic.

Thema in: Sportschau, Das Erste, Sonntag, 02.02.2020, 18 Uhr.

red/dpa/sid | Stand: 02.02.2020, 19:26

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