Australian Open - das sind die Favoriten bei den Männern

Novak Djokovic hält den Pokal der Australian Open

Tennis

Australian Open - das sind die Favoriten bei den Männern

Von Jörg Strohschein

In Melbourne starten am Montag die Australian Open. Angesichts der wütenden Buschfeuer ist es schon jetzt ein außergewöhnliches Turnier. Sportlich gibt es bei den Männern einige Favoriten.

Der Top-Favorit

Novak Djokovic: Eigentlich könnte Novak Djokovic die Australian Open entspannt angehen. Schließlich hat er sich den Titel bereits sieben Mal gesichert und ist jetzt auch Titelverteidiger. Aber der 32-Jährige hat sich ein besonderes Ziel gesetzt - er will noch mehr (Tennis-)Geschichte schreiben und an Rafael Nadal (19 Titel) und Roger Federer (20) in Sachen Grand-Slam-Titel vorbeiziehen. "Das ist ein Ziel. Ich bin motiviert, meine eigenen Rekorde zu brechen und meine Grenzen zu verschieben", sagte Djokovic zum Auftakt der Saison. 16 Grand-Slam-Titel hat er schon gewonnen.

Novak Djokovic beim Training

Novak Djokovic beim Training

Beim ATP-Cup-Sieg in der Vorwoche zeigte der Serbe, wie gut er in Form ist - er besiegte Nadal mit 6:2 und 7:6. Und der schnelle Hartplatz ist sein Lieblingsbelag. Dem deutschen Tennisprofi Jan-Lennard Struff, der in der ersten Runde Gegner des Serben sein wird, müsste eine echte Sensation gelingen, will er Djokovic aufhalten.

Die Mitfavoriten

Roger Federer beim Training

Roger Federer beim Training

Roger Federer: Viele Möglichkeiten dürfte Roger Federer nicht mehr erhalten, mit Djokovic in Australien gleichzuziehen. Sechs Mal konnte sich der Schweizer den Titel schon sichern. Aber Federer ist 38 Jahre alt, er muss sich seine Kräfte gut einteilen.

Die vergangenen Wochen nutzte Federer zur intensiven Trainingsarbeit, um sich optimal vorzubereiten. Wolhwissend, dass es vielleicht die letzte große Chance für den Tennis-Ästheten ist, den Silberpokal nochmal in die Höhe zu recken. Sollte Federer die ersten Runden überstehen, könnte es im Halbfinale zum Gipfeltreffen mit Novak Djokovic kommen.

Rafael Nadal beim Training

Rafael Nadal beim Training

Rafael Nadal: Der Spanier konnte sich den Titel in Melbourne erst einmal sichern. Für einen im übrigen ATP-Kalenderjahr derart erfolgreichen Ausnahmeprofi eine ungewöhnlich magere Ausbeute. Aber der australische Kontinent, der stets zum Saisonbeginn bereist werden muss, scheint nicht das ideale Terrain für den 33-Jährigen zu sein. Auch in diesem Jahr scheint Nadal wieder ein wenig zu fremdeln: Denn auch seine Auftritte zuletzt beim ATP-Cup waren schwankend.

Gegen Djokovic unterlag er deutlich, auch zuvor gegen den Belgier David Goffin verlor er in zwei Sätzen (4:6; 6:7). Anders als der serbische Topfavorit dürfte Nadal zu Beginn des Turniers seinen Leistungshöhepunkt noch nicht erreicht haben. Sollte er sich mit seinem druckvollen Spiel allerdings durch die ersten Runden kämpfen, ist für den Fighter Nadal alles möglich. Schließlich könnte er seinen 20. Grand-Slam-Titel erspielen und dann mit Rekordhalter Federer gleichziehen.

Die Außenseiter:

Stefanos Tsitsipas bei einem Turnier in Melbourne

Stefanos Tsitsipas bei einem Turnier in Melbourne

Stefanos Tsitsipas: Aufgefallen war Tsitsipas zuletzt beim ATP-Cup - zum einen durch gute Leistungen. Zum anderen aber auch mit einem außergewöhnlichen Ausraster, als er vor Wut seinen Schläger zerstörte, indem er diesen immer wieder auf den Boden schlug - und versehentlich seinen Vater und Trainer Apstolos verletzte. Der junge Grieche hat viel Temperament und mag es nicht sonderlich, zu verlieren.

Der 21-Jährige gilt als einer der Nachfolger der großen Drei (Djokovic, Nadal, Federer) und hat dies zuletzt beim ATP-Finale in Paris nachgewiesen, das er für sich entscheiden konnte. Ob er schon die Konstanz hat, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, muss er aber erst noch unter Beweis stellen. Den Ehrgeiz, die technischen Möglichkeiten und die Variabilität in seinem Spiel besitzt er allemal.

Daniil Medwedew beim ATP Cup

Daniil Medwedew beim ATP Cup

Daniil Medvedev: Begonnen hatte der Russe die Vorsaison auf Weltranglistenplatz 16, derzeit ist Medvedev die Nummer vier der Welt. 2019 dürfte als das Jahr des Durchbruchs für Medvedev durchgehen. Der 1,98 Meter große Spieler ist beweglich, laufstark und spielintelligent. Mit seinen 23 Jahren wirkt Medvedev vor allem in engen Spielsituationen häufig sehr routiniert und abgeklärt.

Vier Turniersiege konnte Medvedev 2019 feiern, stand im Finale der US Open und unterlag Rafael Nadal nur denkbar knapp in fünf Sätzen. Medvedev ist ein Allrounder, der sowohl defensiv als auch offensiv agieren kann und dadurch kaum ausrechenbar. Das Durchhaltevermögen, das ein Grand-Slam-Turnier nötig macht, hat Medvedev bereits unter Beweis gestellt.

Dominic Thiem beim ATP Cup

Dominic Thiem beim ATP Cup

Dominic Thiem: Der Österreicher setzt große Hoffnungen auf die Australian Open. "Die oberste Priorität sind natürlich die Grand-Slam-Turniere, vor allem nach dem letzten Jahr, wo alle außer Paris bei weitem nicht nach Wunsch verlaufen sind. Das habe ich gleich nach den US Open gesagt, dass ich das dieses Jahr ändern muss. Da will ich gleich in Melbourne damit anfangen", sagt Thiem.

Im Vorjahr scheiterte Thiem bereits in der zweiten Runde, das soll ihm nicht nochmal passieren. Als Unterstützung hat der 26-Jährige nun auch den Ex-Weltklassespieler und Landsmann Thomas Muster in seinen Trainerstab aufgenommen. Thiem gilt seit längerer Zeit als potenzieller Grand-Slam-Sieger - auch im eigenen Selbstverständnis. Unter Beweis stellen muss er das aber noch.

Alexander Zverev beim ATP Cup

Alexander Zverev beim ATP Cup

Alexander Zverev: Nach den jüngsten Ergebnissen beim ATP-Cup (drei Spiele, drei Niederlagen) ist es nur sehr schwer vorstellbar, dass Zverev tatsächlich eine gewichtige Rolle in Melbourne spielen könnte. Aber der 22-Jährige ist eine Wundertüte. Das nötige technische Potenzial spricht ihm wohl niemand ab, allerdings ist die psychologische Komponente bei Zverev nicht zu vernachlässigen.

An guten Tagen ist der Deutsche in der Lage, jeden Gegner zu schlagen. An schlechten kann er aber auch gegen jeden Gegner verlieren. Viel hängt vom Aufschlag des Hamburgers ab. In diesem Jahr stehen 14 Assen bereits 31 Doppelfehler gegenüber. Und nur 57 Prozent seiner ersten Aufschläge fanden den Weg ins Feld (Djokovic 65 Prozent, Nadal 66 Prozent).

Für einen Weltklassespieler geradezu bedenkliche Quoten. Sollte er allerdings endlich eine zuletzt so schmerzlich vermisste Konstanz in seinen Service bekommen, ist für Zverev sogar der Titel drin - auch wenn ihm derzeit kaum jemand einen solchen Coup zutraut.

sid/dpa | Stand: 17.01.2020, 10:09

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