Nishikori geht auch den nächsten Schritt

Kei Nishikori nach dem Sieg gegen Kohlschreiber bei den US Open

Halbfinaleinzug bei den US Open

Nishikori geht auch den nächsten Schritt

Von Jörg Strohschein

Kei Nishikori hat den nächsten großen Schritt zurück in die Tennis-Weltspitze gemacht. Der japanische Volksheld steht bei den US Open nach einem Fünfsatz-Krimi gegen Marin Cilic im Halbfinale.

Nishikori hat es zum dritten Mal in die Top Vier bei den US Open geschafft. Der Japaner schlug in New York nach mehr als vier Stunden Spielzeit Marin Cilic und revanchierte sich damit für die Endspiel-Niederlage gegen den Kroaten vor vier Jahren an gleicher Stelle. Nach 4:08 Stunden siegte Nishikori 2:6, 6:4, 7:6 (7:5), 4:6, 6:4. Dabei vergab er zunächst eine 4:1-Führung im letzten Satz, behielt dann aber die Nerven.

Kohlschreiber weh getan

Das war ihm zuvor auch gegen Philipp Kohlschreiber gelungen, der aber gar nicht sehr verärgert darüber klang, als er über die Gründe für seine Dreisatz-Niederlage gegen Nishikori im Achtelfinale Auskunft geben sollte. "Er kann mir mit seinem Spiel einfach weh tun, das wusste ich. Das hat er auch getan", sagte der 34-Jährige. Der 28 Jahre alte Japaner ist tatsächlich einer der unangenehmsten Gegenspieler auf der Tour - wenn er verletzungsfrei ist.

Nishikori steht eng an der Grundlinie, nimmt die Bälle früh, übt dauerhaft Druck auf den Gegner aus. Seine Laufstärke und seine Schnelligkeit sind beachtlich, sein Return-Spiel und seine harte Vorhand sowie sein ausgeprägter Wille nicht minder außergewöhnlich. Das macht ihn zu einem der besten Tennisspieler der Welt, auch wenn er lediglich 1,78 Meter misst.

Mit 13 Jahren in die USA

Allerdings ist Nishikori auch immer wieder schwer verletzt. Im vergangenen Jahr hatte er sich im August beim Training für das Turnier in Cincinnati einen Sehnenriss im Handgelenk zugezogen, der ihn ein halbes Jahr außer Gefecht setzte. "Ich habe noch nie zuvor solch einen Schmerz empfunden", erzählte Nishikori dem Sender Nikkan Sports. Die Verletzung ist nun ausgeheilt. Er arbeitet sich wieder Schritt für Schritt heran, so wie er es seit seiner Kindheit bereits getan hat.

Nishikori lebt seit 15 Jahren in den USA. Der Sony-Gründer Masaaki Morita hatte ihn damals in ein Förderprogramm für japanische Talente aufgenommen. Nishikori musste aus dem japanischen Provinzort Shimane in die berühmte Tennisakademie zu Nick Bollettieri in Bradenton/Florida ziehen. Den jungen Mann plagten die ersten zwei Jahre zwar Heimweh und die Distanz zu seinen Eltern. Doch sein Ehrgeiz überwog den Schmerz. Er biss sich gegen Gleichaltrige aus mehr als 130 Ländern durch.

In Europa recht unbekannt

Die Fans von Kei Nishikori bei den French Open

Bollettieri überließ bei Nishikori nichts dem Zufall, weil er etwas Besonderes in dem Japaner sah. Bei Ernährung, Training, Management, Yoga, Medienschulung wurde er von vielen Experten betreut. "Ich habe tausende Tennisspieler in den vergangenen 60 Jahren gesehen. Und ich kann mich nur an insgesamt drei Spieler erinnern, die das Geschenk einer magischen Hand hatten. Einer davon ist Kei Nishikori", schrieb der Tenniscoach in seiner Biografie "Changing the Game". Seit einigen Jahren arbeitet Nishikori mit dem ehemaligen French-Open-Sieger Michael Chang zusammen.

Während er in Europa nur dem Fachpublikum ein Begriff ist, ist Nishikori In Japan ein Superstar. Wenn er seiner Heimat einen seiner seltenen Besuche abstattet, muss schon mal der halbe Flughafen in Tokio aufgrund der Fanbegeisterung gesperrt werden. Allein an Werbeeinnahmen soll Nishikori im Jahr 2017 laut dem US-amerikanischen Forbes Magazine 33 Millionen US-Dollar verdient haben. Der Tennisprofi ist mittlerweile sogar auf Nudelpackungen abgebildet.

Ums Geld geht es schon lange nicht mehr

In seiner Karriere auf der ATP-Tour, die er im Jahr 2007 startete, hat er bislang gerade mal rund 19,3 Millionen US-Dollar verdient. Nishikoris Vermögen schätzt Forbes aber auf rund 215 Millionen Dollar. Ums Geld geht es Nishikori also schon lange nicht mehr. Vielmehr will er zurück in die Weltspitze.

Nishikori war mal die Nummer vier, ist nach seiner langen Verletzungspause mittlerweile aber auf Platz 19 abgerutscht. Gegen Cilic im Viertelfinale hat er nun den nächsten Schritt gemacht und jede Menge Bonuspunkte gesammelt - zumal er vergangenes Jahr nicht bei den US Open am Start war.

Stand: 06.09.2018, 00:57

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