Angelique Kerber und Co. bekommen Extra-Turnier

Kerber in ihrem Hotelzimmer

Vor den Australian Open

Angelique Kerber und Co. bekommen Extra-Turnier

Von Jörg Strohschein

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen den Veranstaltern der Australian Open schwer zu schaffen. Vor allem diejenigen Profis, die wie Angelique Kerber vollständig isoliert sind, haben Wettbewerbsnachteile. Nun soll ein eiligst auf die Beine gestelltes Turnier Linderung schaffen.

So viel Aufwand wurde wohl noch nie für ein Tennis-Turnier betrieben: In Sachen Logistik und Kosten dürften die anstehenden, bereits drei Wochen nach hinten verschobenen Australian Open (8. - 21. Februar) eine neue, durchaus diskussionswürdige Bestmarke setzen.

Schließlich hatten die Veranstalter bereits mehr als 1.200 Profis und Teammitglieder aus sieben Städten in 17 eigens gebuchten Charterflügen nach Melbourne transportiert - um das Infektionsrisiko zu minimieren und die strengen Corona-Auflagen in Down Under erfüllen zu können. Mehr als 25 Millionen Euro kostet die Veranstalter allein das gesamte Bubble-Konzept.

Doch trotz des ganzen Aufwands mussten 72 Spielerinnen und Spieler - darunter Deutschlands Spitzenspielerin Angelique Kerber - in einen harten Lockdown und dürfen ihr Hotelzimmer 14 Tage lang nicht verlassen. Der Grund: Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen waren Covid-19-Infizierte auf ihren Flügen.

Thiem: "Es herrscht komplette Chancen-Ungleichheit"

Während alle anderen Profis während ihrer Quarantäne immerhin fünf Stunden am Tag trainieren konnten, müssen die vollständig Isolierten auf ihren Zimmern irgendwie zusehen, dass sie ihren in der Vorbereitung hat erarbeiteten Fitnessstand erhalten können.

Nach Ende der strikten Quarantäne bleibt ihnen damit nur noch eine Woche Zeit, sich auf das erste Grand-Slam-Turnier vorzubereiten. "Dass da eine komplette Chancen-Ungleichheit herrscht, ist glaube ich klar", sagte der Weltranglisten-Dritte Dominic Thiem der Sportschau.

Thiem vor den Australian Open: "Ich will das Turnier unbedingt gewinnen" Sportschau 20.01.2021 09:35 Min. Verfügbar bis 20.01.2022 Das Erste

Die Veranstalter der Australian Open und die Women's Tennis Association (WTA) haben nun auf diese äußerst misslichen Umstände reagiert und haben mit der "Grampians Trophy" (3. - 7. Februar) eigens und sehr kurzfristig ein Damen-Turnier der 500er Serie für die isolierten Spielerinnen zur "Melborne Summer Series" hinzugefügt. An diesem Event werden 28 Einzelspielerinnen teilnehmen.

DTB-Sportdirektor Eberhard: Training unter Match-Bedingungen

"Matches sind immer gut. Und ich glaube, das ist dann Training unter Match-Bedingungen", sagt Klaus Eberhard, Sportdirektor des Deutschen Tennis Bundes (DTB) der Sportschau. "Wenn man ein paar Runden gewinnt, ist das umso besser für die Spielerinnen. Und wenn nicht, kann man weiter trainieren. Das dürften die Spielerinnen auch so sehen." Zudem sieht Eberhard einen weiteren Vorteil: "Eine Teilnahme ist nicht mit Reisen für die Spielerinnen verbunden."

Damit werden auf der Grand-Slam-Anlage in Melbourne mit der "Gippsland Trophy", der "Yarra Valley Classic" (beide vom 31. Januar bis 6. Februar mit jeweils 54 Einzel-Teilnehmern und 28 Doppel-Teams) und der "Grampians Trophy" drei hochkarätig besetzte Damen-Turniere im Vorfeld der Australian Open stattfinden. "Unser wichtigstes Ziel bei Tennis Australia und der WTA war es, zu den Spielern, die aus einer harten Quarantäne kommen, so fair wie möglich zu sein", sagte ATP-Chef Andrea Gaudenzi.

Bei den Herren ändert sich weniger

Bei den Herren bleibt dagegen (fast) alles beim Alten. Die Teilnehmerzahl der beiden geplanten 250er-Turniere "Murray River Open", die "Great Ocean Road Open" werden jeweils auf 56 Einzel-Teilnehmer erhöht und um 24 Stunden nach hinten verschoben (jeweils vom 1. - 7. Februar). Auch der ATP Cup (2. - 6. Februar) findet einen Tag später statt.

Damit bekommen auch bei den Männern mehr Profis die Gelegenheit, sich besser auf das Grand-Slam-Turnier vorzubereiten. Auch diese Wettbewerbe werden auf der Anlage in Melbourne ausgetragen.

"Dies war eine besonders herausfordernde Zeit für die Athleten, die sich in einem harten Lockdown befinden, und wir wollen zusammen mit WTA und ATP alles tun, um zu helfen", sagte Craig Tiley, Direktor des Australian Open Tournament.

Stand: 25.01.2021, 19:54

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