Vom atmosphärischen Hoch zum Stimmungskiller in Madrid

Andreas Mies

Tennis - Davis-Cup

Vom atmosphärischen Hoch zum Stimmungskiller in Madrid

Von Jörg Strohschein

Die Davis-Cup-Tage von Düsseldorf erzeugten eine Atmosphäre, wie sie in früheren Zeiten von diesem Wettbewerb ausging. Das deutsche Team überlegt, wie es die beeindruckende Stimmung zur Endrunde nach Madrid übertragen kann. Vielleicht sogar mit Freiflügen für die Fans?

Kevin Krawietz und Andreas Mies wollten den Court gar nicht mehr verlassen. Sie ließen sich von den Zuschauern feiern, gaben Autogramme und genossen die besondere Atmosphäre in der Sporthalle. "Das war einfach nur fantastisch. Es war eine unglaubliche Stimmung, die beste, die wir bisher bei einem Spiel erlebt haben", sagten beide Spieler des deutschen Doppels unisono nach ihrem Erfolg gegen das weißrussische Duo Ilja Iwaschka und Andrej Wassilewski (6:4, 7:6 (7:5)).

Und auch Jan-Lennard Struff kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Der 29-Jährige bedankte sich gleich nach seinem erneut souveränen Sieg gegen Egor Gerassimow (6:3, 6:2) und dem damit dritten Punkt zum Gesamtsieg geradezu überschwänglich bei den rund 3000 Zuschauern im Castello per Hallenmikrofon. Später erneuerte er seine Begeisterung über dieses Düsseldorfer Wochenende gegenüber der Sportschau. "Es war unglaublich, was für eine gute Stimmung hier war. Das hat richtig viel Spaß gemacht, auch wenn man bei einem Heimspiel natürlich immer ein wenig Druck hat", sagte Struff. Rund 5.500 Zuschauer waren an beiden Tagen in die Düsseldorfer Sporthalle gekommen und sorgten für eine beeindruckende Atmosphäre.

Davis Cup: Deutschland besiegt Weißrussland

Sportschau 07.03.2020 00:45 Min. Verfügbar bis 07.03.2021 ARD Von Mara Thellmann

Gefühlt nur Auswärtsspiele in Madrid

Das deutsche Davis-Cup-Team ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden, der Deutsche Tennis Bund kann nach dem 4:1 gegen Weißrussland (Dominik Koepfer gewann das Abschluss-Einzel) wie erwartet die Flugtickets für die Endrunde in Madrid (23. - 29. November) buchen.

Allerdings sind die Erwartungen der Spieler mit Blick auf Madrid eher gedämpft. Nicht, was die sportlichen Herausforderungen angeht. In der spanischen Hauptstadt treten schließlich immer noch die meisten Top-Spieler der Welt an. Allerdings hatten die deutschen Spieler bei der Premierenveranstaltung im vergangenen November in Sachen Atmosphäre doch einige Defizite ausgemacht. Spiele bis in die späte Nacht, kurzfristige Terminansetzungen, kaum Unterstützung durch deutsche Fans. "Vielleicht waren 50 Zuschauer aus Deutschland da, das war eher nicht so schön", sagte Andreas Mies: "Wir hatten gefühlt nur Auswärtsspiele."

Tickets verschenken oder Freiflüge

Während bei den Spielen der Spanier der Centre Court stets gut gefüllt war und die Zuschauer ihr Team frenetisch anfeuerten, herrschte auf den Rängen der Nebencourts zumeist gähnende Leere. Die französischen Fans, sonst immer begeisterte Mitreisende mit ihrem Team, streikten sogar ob des neuen Austragungsmodus’.

Wie wichtig und nötig die Unterstützung von den Rängen für die Sportler tatsächlich ist, verriet Struff in Düsseldorf "Wir haben uns schon als Mannschaft zusammengesetzt und darüber gesprochen, was wir da machen können. Aber mal eben im November nach Madrid zu kommen, ist natürlich für die meisten Leute nicht ganz leicht", sagte die deutsche Nummer eins.

Andreas Mies hatte schon einmal einen außergewöhnlichen Vorschlag. "Vielleicht können wir noch mehr Tickets verschenken oder die Flüge bezahlen", sagte der Doppelspezialist: "Oder der DTB macht das oder wir finden einen Sponsor." Ob der Deutsche Tennis Bund dafür allerdings Geld im Budget bereithält, ist fraglich.

Struff würde Geld für mehr Unterstützung investieren

Struff selbst würde auch eigenes Geld investieren wollen: "Warum nicht, das wäre es mir wert." Abschreiben will weder Struff ("Das war eigentlich ein gutes Event") noch Teamchef Michael Kohlmann die Endrunde in Spanien. "Jetzt liegt es auch an uns, dass wir mehr Werbung dafür machen, damit mehr Leute mitkommen und uns unterstützen. Das haben wir bei der ersten Veranstaltung nicht getan", so Kohlmann. 

Nach dem Samstag in Düsseldorf machten sich die Spieler wieder auf den Weg zu ihren Einzelturnieren. Jan-Lennard Struff hatte aber noch eine Botschaft parat: "Wir sind ein echt gutes Team. Hier entwickelt sich etwas Besonderes", sagte er über das Davis-Cup-Team. Im November in Madrid wollen die deutschen Spieler das unter Beweis stellen - wenn möglich unter den Augen von vielen deutschen Tennisfans.

Stand: 07.03.2020, 19:03

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