US Open - Willkommen im Corona-Show-Palast

Das Arthur Ashe Stadium in New York

Grand Slam in New York

US Open - Willkommen im Corona-Show-Palast

Von Jörg Strohschein

Die US Open sollen stattfinden - egal um welchen Preis. Dabei sind die Voraussetzungen für eine konkrete Austragung in der Pandemie noch nicht einmal geklärt. Aber das scheint die Veranstalter kaum zu interessieren. Hauptsache, das Geld fließt. Ein Kommentar.

"The show will go on this summer in New York". So verkünden die Veranstalter der US Open mit nicht überhörbarem Stolz, dass das Grand-Slam-Turnier im "Big Apple" auch in diesem Jahr stattfinden wird. Wo sonst als in den USA könnte diese Maxime verfangen. Das Leben ist eine Show, die nicht aufhören darf. Da kann und darf auch so eine weltweite Pandemie nicht stören.

Und deshalb gibt es auch gleich noch ein eigentlich nicht auszuschlagendes Doppelangebot: Vorweg werden an selber Stelle auch noch die Western & Southern Open, die eigentlich in Cincinnati ausgetragen werden, gespielt. Frei nach dem weit verbreiteten US-Verkaufsmotto: "Buy one, get one free" ("Kaufe eins, bekomme eines umsonst").

Eine "Bubble" für die Spieler

Es muss weitergehen, um jeden Preis. Auch ohne Zuschauer im Stadion. Der Druck der Sponsoren und Fernsehanstalten ist offenbar groß - zu groß, um Vernunft walten zu lassen. Selbst das Tennis-Mekka Wimbledon hatte in diesem Jahr auf eine Austragung wegen der Pandemie verzichtet. Aber die finanzielle Not bei der USTA (United States Tennis Association) scheint groß.

Anders ist das Beharren auf die Austragung dieser Turniere durch den amerikanischen Tennisverband kaum zu erklären. Das Grand-Slam-Turnier im Corona-Hotspot New York City (229.834 Infizierte, 23.002 Todesfälle; Stand Samstag: 01.08.2020) muss stattfinden. Auch wenn die Tendenz der Neuerkrankungen in den USA unverändert hoch ist.

Dabei erscheint es gleichgültig, ob die Sportler gesundheitliche Bedenken haben. Die Nummer eins der Damen-Welt, Ashleigh Barthy, hat deshalb ihre Teilnahme schon abgesagt. Viele andere Top-Spieler sowohl bei den Damen als auch bei den Herren hegen weiterhin große Zweifel. Auch die USTA will eine "Bubble", ähnlich der in der US-Basketball-Liga NBA schaffen. Vom abgeschirmten Hotel am Flughafen soll es auf die Tennis-Anlage in Flushing Meadows gehen, danach direkt wieder zurück.

Einreise und Quarantäne

Allerdings gilt das Anfang März ausgerufene Einreiseverbot für Nicht-US-Bürger in die USA noch immer. Auch wenn sich diese Angelegenheit mit den örtlichen Behörden womöglich mit Sondererlaubnissen für die Sportler regeln ließe: Wie steht es um eine Quarantäne, wenn die Spieler aus Risiko-Ländern, etwa aus Südamerika, kommen?

Und sollten die Tennisprofis nach dem Turnier nach Europa wollen, um vor allem an den French Open in Paris (27. September - 11. Oktober) teilzunehmen, müssen sie dann in Frankreich, Spanien, Italien oder wo auch immer in Europa erst einmal in eine 14-tägige Quarantäne?

Zu viele Fragen nicht beantwortet

Das würde in der Konsequenz bedeuten, dass die Athleten sich nicht auf dieses nächste Groß-Event mit Turnierteilnahmen auf Asche vorbereiten könnten. "Wenn sie nicht in Madrid und Rom spielen können und stattdessen in Quarantäne müssen, würde dies bedeuten, dass sie zwei Wochen in einem Appartement sitzen, bevor sie dann einen Grand Slam auf Sand spielen. Das klingt etwas verrückt", sagt Patrick Mouratoglou, langjähriger Trainer von Tennisstar Serena Williams, die in New York antreten will.

All diese Fragen sind noch nicht geklärt. Und es erscheint fraglich, ob es bis zum Turnierbeginn auf alle Problematiken eindeutige Antworten gibt. Es spricht deshalb eigentlich alles gegen eine Austragung der US Open - vor allem, weil die Pandemie-Bedingungen vor Ort denkbar schlecht sind.

Aber das ficht die Veranstalter nicht an, die für sich in Anspruch nehmen, alles für die Gesundheit der Spieler zu tun. "Während wir gemeinsam diese globale Krise meistern, versprechen die US Open 2020 ein einmaliges Ereignis zu werden. Die alljährliche Tennisfeier wird beim amerikanischen Grand Slam nicht gedämpft sein", verkündet die USTA.

Das Geld muss fließen. Und man muss sein Event einfach nur zu verkaufen wissen. Wo gelingt das besser als im Show-Palast USA?

Stand: 01.08.2020, 09:00

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