Nick Kyrgios - plötzlich die moralische Instanz im Tennis

Nick Kyrgios bei einer Pressekonferenz im Januar

Deutscher Tennis-Profi

Nick Kyrgios - plötzlich die moralische Instanz im Tennis

Von Anne van Eickels

Erst kritisierte er die bevorstehende Austragung der US Open, jetzt schießt Nick Kyrgios gegen Alexander Zverev. Ausgerechnet der "Bad Boy" der Tennis-Szene mahnt in Zeiten von Corona zur Vorsicht - und wird damit zur moralischen Istanz.

Nick Kyrgios ist gerade vielleicht so etwas wie der schwarze Ritter der Tenniswelt. Eigentlich ist der Australier das schwarze Schaf, der "Bad Boy" auf der ATP-Tour.

Der 25-Jährige fällt immer wieder auf mit vielen Ausrastern, Beleidigungen und kaputten Schlägern. Bei einem ATP-Turnier zertrümmerte er zwei Rackets wütend im Kabinengang.

Kyrgios ist auf Bewährung

Die Folge: Kyrgios spielt gerade sechs Monate lang auf Bewährung. Sollte er wieder auffallen, sperrt die ATP den Tennis-Rüpel für 16 Wochen. Im Moment kann sich der australische Tennisprofi wegen der Corona-Pause gerade allerdings nicht danebenbenehmen. Kein ATP-Turnier, keine Ausraster, keine Strafe.

Und in dieser Tennis-Auszeit kämpft Kyrgios geradezu "ritterlich" – für die Mitsprache der Profis beim Re-Start der ATP-Tour inklusive Kritik an der Austragung der US-Open und für das Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln.

Kyrgios kritisiert Zverev

Da hat Kyrgios gerade den deutschen Tennis-Profi Alexander Zverev vor der Lanze. Der Grund: Zverevs Party-Egoismus. "Sascha Zverev, immer wieder, immer wieder. Wie egoistisch kann man sein", postete Kyrgios wütend per Social-Media-Video.

Denn: Eigentlich hatte sich Zverev in Selbst-Quarantäne begeben, wegen der heftigen Kritik nach einer wilden Party beim Adria-Turnier in Serbien. Vier Profis waren danach positiv getestet worden, zwar nicht Zverev selbst, aber zum Beispiel Novak Djokovic. Seitenlang erklärte Zverev danach, es tue ihm leid und er gehe in Selbstisolation.

Party-Video von Zverev aus Monaco

Mit dieser Isolation nahm es Zverev aber wohl nicht so genau. Die Party eines Mode-Designers in Monaco wollte er nicht verpassen. Die Reaktion von Corona-Regel-Ritter Kyrgios ist deutlich. Wenn Zverev die Dreistigkeit habe, dass sein Management eine Entschuldigung poste und er ankündige, 14 Tag zu Hause zu bleiben, dann solle Zverev verdammt nochmal zu Hause bleiben, so Kyrgios.

Er, das schwarze Schaf, als moralische Instanz, aber einer mit Defizit. Das Video zum Zverev-Rüffel nahm Nick Kyrgios nämlich am Steuer eines Autos auf. Nicht gerade ritterlich vorbildlich. Genau wie seine Wortwahl zum Schluss des Videos. "Mich kotzt diese Tennis-Welt an", pestet der Australier. Der Corona-Regel-Ritter Kyrgios bleibt dann trotzdem eben auch das schwarze Schaf der Tennis-Welt.

Grand Slam in New York: Tennisszene ist gespalten Sportschau 21.06.2020 03:51 Min. Verfügbar bis 21.06.2021 Das Erste

Stand: 29.06.2020, 16:30

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