36 Jahre - Kohlschreiber denkt ans Aufhören

Philipp Kohlschreiber

Tennis-Routinier musste bei Australian Open aufgeben

36 Jahre - Kohlschreiber denkt ans Aufhören

Das Aus in Melbourne bestimmte sein Körper: Philipp Kohlschreiber musste bei den Australian Open wegen einer Verletzung aufgeben. Jetzt denkt der deutsche Routinier sogar ans Ende seiner Karriere.

Wenn der Körper streikt, hat jeder Profisportler ein Problem. Die Konkurrenten ziehen davon, während man selbst zur Untätigkeit gezwungen ist. Vor allem psychisch sind diese Situationen nur schwer zu ertragen. Das geht offenbar auch Philipp Kohlschreiber nichts anders.

Die aktuelle Nummer drei der deutschen Rangliste musste in der zweiten Runde der Australian Open wegen einer Bauchmuskelverletzung passen. Und der 36-Jährige überraschte seine Zuhörer anschließend mit einer generellen Ansage: Ambitionen, sagte er, "habe ich eigentlich keine mehr, ich weiß, dass das Ende naht."

Kohlschreiber: "Viele Schmerzen in der Bauchgegend"

Sportschau 22.01.2020 02:12 Min. Verfügbar bis 22.01.2021 ARD Von Thomas Perlebach

"Außer Federer ist jeder machbar"

Nun ist Kohlschreiber als Freund klarer und gelegentlich auch provozierender Worte bekannt. Das war schon immer so. Gerade zu Beginn seiner Karriere, die ja eigentlich vor 15 Jahren ebenfalls in Australien so richtig in Fahrt kam. Damals erreichte er erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier das Achtelfinale. Und er war auf einmal das ganz große deutsche Tennistalent.

Doch der selbstbewusste Augsburger ließ anschließend eher große Worte denn Taten folgen. "Außer Roger Federer ist jeder machbar", sagte der damals 20-Jährige nach seinem Viertelfinaleinzug in Melbourne. Vor dem Duell mit dem damals an Position zwei gesetzten Andy Roddick erklärte Kohlschreiber, nun zu den Besten der Welt zu gehören. Bei der Drei-Satz-Niederlage war er aber chancenlos. Zwar gewann Kohlschreiber 2007 und 2008 seine ersten beiden Turniere und ließ sein Können vor allem in Davis-Cup-Partien aufblitzen, doch mangelte es ihm meist an Konstanz in seinem Spiel.

Für viele ein Querkopf und ein Querulant

Nachdem er über Jahre regelmäßig bei Grand-Slam-Turnieren spätestens in der dritten Runde gescheitert war, gelang ihm 2012 endlich der Viertelfinaleinzug in Wimbledon und anschließend erstmals der Sprung unter die Top 20 der Welt.

Als Querkopf betitelt, avancierte Kohlschreiber nach mehreren Davis-Cup-Absagen zwischenzeitlich allerdings zum regelrechten Buhmann. Obwohl er unbestritten erfolgreicher denn je spielte, wurde 2012 durch einen nahezu das ganze Jahr über währenden Zwist mit Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen überschattet.

Nachdem Kohlschreiber die Partie im Februar gegen Argentinien krankheitsbedingt verpasst hatte, entbrannte ein öffentlich geführter Streit darüber, ob Kohlschreiber der Mannschaft per SMS Glück gewünscht hatte oder nicht.

Streit mit Patrick Kühnen

Daviscup-Team 2006

Daviscup-Team 2006: Kohlschreiber, Kühnen, Mayer, Waske, Haas und Kohlmann (v.l.).

Nach verschiedenen Vorwürfen, Aussprachen und Beschuldigungen goss Kohlschreiber während der US Open Öl ins Feuer, als er erklärte: "Wir sind kein Team, das durch Freundschaft glänzt". Kühnen verzichtete daraufhin auf eine Nominierung Kohlschreibers für das Relegationsspiel gegen Australien.

Kritik erntete Kohlschreiber 2012 zudem für seine Absage des Olympia-Turniers in London. Er begründete dies mit einer Verletzung, wurde daraufhin aber vonseiten ehemaliger Größen wie Boris Becker und Michael Stich ebenso gescholten wie von den Medien. Kohlschreiber wurde als "Anti-Teamspieler und Olympia-Verweiger" bezeichnet.

Hinter Becker und Haas erfolgreichster Deutscher

Kohlschreibers Erfolge waren aber nie wegzudiskutieren: 2017 gelang ihm der 400. Sieg auf der ATP-Tour, womit er hinter Boris Becker und Tommy Haas die meisten Erfolge eines Deutschen verbuchen konnte. Besonders stark spielte "Kohli" dabei stets bei seinen Heimturnieren in München und Kitzbühel auf, die er drei- bzw. zweimal für sich entscheiden konnte.

Nun also spricht er offen vom Karriereende, die Verletzung in Melbourne wertet er auch als Zeichen. Ein Jahr mit vielen Verletzungen wie das vergangene will der Routinier sich "eigentlich nicht mehr" antun. Allerdings: Bis Ende 2021 würde Kohlschreiber gerne noch spielen. Er sei "guter Dinge, dass das auch klappt." Es sei denn, relativierte Kohlschreiber, dass sich die Verletzungen häufen. Dann könne es gut sein, dass er eines Tages aufwache und sage: Das war es.

Australian Open: Görges kommt weiter, Kohlschreiber gibt auf

Sportschau 22.01.2020 00:39 Min. Verfügbar bis 22.01.2021 ARD Von Thomas Perlebach

red/sid/dpa | Stand: 22.01.2020, 11:30

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