US Open - "Dominik Koepfer kann man quälen bis zum Anschlag"

Dominik Köpfer jubelt

Interview mit Dominik Koepfers Jugendtrainer

US Open - "Dominik Koepfer kann man quälen bis zum Anschlag"

Dominik Koepfer ist als Tennisprofi wie Phönix aus der Asche gestiegen. Der 25-Jährige hat einen Werdegang, der deutlich von den gängigen Fördermaßnahmen hierzulande abweicht. Koepfers Jugendtrainer Oliver Heuft erklärt im Interview, welchen besonderen Weg der deutsche Shootingstar eingeschlagen hat.

Herr Heuft, wundern Sie sich eigentlich noch, wenn Sie ihren ehemaligen Jugendspieler Dominik Koepfer bei den US Open so aufspielen sehen?

Oliver Heuft: Ja, das kann man so sagen. Vor vier, fünf Monaten hatte Dominik ein Leistungsloch, hat ein paar nicht so gute Turniere gespielt. Dann kam er in die Heimat, ins Trainingslager nach Italien, um ein wenig den Kopf freizukriegen.

Auf uns kommt er aber nur zu, wenn er ein paar Fragen hat, wir haben eher noch privaten Kontakt. Er hat mit Ryan Williams einen hervorragenden Trainer. Da mischen wir uns auch nicht ein. Er hat ja auch wieder die Kurve gekriegt.    

Der Weg von Dominik Koepfer zum Tennisprofi ist sehr ungewöhnlich. Er hat sich nicht über das deutsche Fördersystem des Deutschen Tennis Bundes (DTB), sondern über ein US-College zum Profi entwickelt. Hat der DTB dieses offenbar große Talent übersehen?

Heuft: So ganz ohne Förderung war er nicht. Er war im Verband als Spieler unterwegs, aber er war kein Kader-Spieler, der ständig das Training des Verbandes genießen konnte. Dafür war er vom Ranking in der deutschen Rangliste nicht gut genug.

Wenn man so ein riesiges Fördersystem regeln will, ist es die einfachste und wohl auch fairste Lösung, dies über die Rangliste zu tun. Dadurch werden die Spieler gezwungen, ständig Turniere zu spielen, was aus meiner Sicht aber nicht nur gut ist.  

Heuft: "Mannschaftsspiele sind das Highlight"

Sportschau 28.08.2019 00:40 Min. Verfügbar bis 28.08.2020 ARD

Wie hat Dominik Köpfer sein Talent entwickeln können?

Heuft: Er hatte das Glück, dass wir als Klub BW Villingen auch Stützpunkt des Verbandes waren. Und er immer wieder gegen gute Spieler im Training eingesetzt werden konnte. Dadurch konnten wir extrem viel auffangen, was er sonst vermisst hätte.

Weshalb hat der junge Dominik Koepfer nicht den eigentlich üblichen Weg eingeschlagen und hat Turniere gespielt?

Heuft: Er war einfach sehr breit aufgestellt als Sportler. Wenn er Dinge anfängt, dann kann er die eigentlich sofort gut. Er war ein guter Fußballer, ein guter Skifahrer. Und wenn man ihm einen Golfschläger in die Hand drückt, dann fliegt der Ball auch gleich 100 Meter weit. Er ist ein richtiger Straßensportler.

In seinem Heimatort Furtwangen war er ständig draußen und hat mit anderen Kindern gespielt. Eben genau so, wie man es heute so häufig vermisst. Er hat es einfach nicht gebraucht, jede Woche ein Turnier zu spielen, dazu hatte er keine Lust.

Dominik Köpfer

Dominik Köpfer

Seine Entwicklung fand im Verein vor allem über Mannschaftsspiele und Verbandsmeisterschaften statt. Hatte Dominik nicht den Traum, Profi zu werden?

Heuft: Nein, das hatte er auf keinen Fall. Das hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt, als seine Spielstärke zugenommen hat. Er hat den ganz normalen Weg eines jeden Jugendspielers gemacht. Aber das ist ja auch der perfekte Weg. Ihm hat niemand irgendwas aufgezwungen.

In Villingen ist die erste Maxime die Schule, und dann kommt erst der Leistungssport parallel. Wenn man zu früh zu gut ist, dann kommt man schnell in eine Spirale, in der man immer besser werden will und dann ständig Turniere spielen muss.

Wie haben Sie das beurteilt?

Heuft: Wir waren in Villingen ganz froh, dass er kein hohes Ranking hatte und er gar nicht so viel gespielt hat. Und die Eltern von Dominik, beides selbst gute Tennisspieler, sind eines Trainers Traum, weil sie Vertrauen hatten und eher auf die Bremse getreten haben.  

Heuft: "Eltern von Dominik sind des Trainers Traum"

Sportschau 28.08.2019 00:45 Min. Verfügbar bis 28.08.2020 ARD

Sie waren bis zu seinem 14. Lebensjahr Dominiks Trainer. Danach war er weiterhin beim BW Villingen bei ihrem Kollegen Jürgen Müller aktiv. Waren diese außergewöhnlichen Anlagen damals noch nicht zu erkennen?

Heuft: Was das Tennisspielen angeht, war er nicht herausstechend. Auffällig war, dass er wahnsinnig motiviert war, bei allem, was er gemacht hat. Im Laufe seiner Jugend wurde dann klar, dass er besondere Anlagen hat, die nicht viele haben. Er ist schnellkräftig, aber auch ausdauernd. Und das ist eine sehr ungewöhnliche Kombination.

Dominik kann man quälen bis zum Anschlag. Und wenn man sieht, wie wichtig Athletik im Tennis geworden ist, dann sind das natürlich gute Voraussetzungen.

Dominik Koepfer galt früher als Hitzkopf. Das hat er sich offenbar abtrainiert?

Heuft: Er war absolut ein Hitzkopf, aber nie unfair gegenüber anderen. Nur gegen sich selbst. Er war wie eine Sektflasche: Wenn man die oft genug schüttelt, dann fliegt irgendwann der Korken raus. Aber daraus hat er gelernt. Diese Negativerfahrungen haben ihm geholfen.   

Heuft: "Waren froh, dass er nicht so hoch in der Rangliste war"

Sportschau 28.08.2019 00:34 Min. Verfügbar bis 28.08.2020 ARD

Hat sich Dominiks Ehrgeiz erst spät entwickelt, oder wie kam es zum Umzug an die Tulane University in New Orleans?

Heuft: Er hatte auch dann noch nicht im Hinterkopf, Profi zu werden. Er wollte eine Ausbildung machen und möglichst viel Sport treiben. Und in den USA ist das in dem dortigen Bildungssystem möglich. Es war aber Überzeugungsarbeit nötig, denn mit einem Ranglistenplatz um die 500 bekommt man dort eigentlich keinen Studienplatz.

Wie war der Start?

Heuft: Das erste Jahr war schwierig. Er hat dort erstmal nichts gewonnen. Es war auch schwierig für den dortigen Trainer, der ein hohes Risiko eingegangen ist. Aber dort war man überzeugt, dass er noch sehr viel Potenzial hat, was er dann ja auch nachgewiesen hat. Man muss auch mal Entscheidungen treffen, die gegen den Strich und gegen die Rangliste gehen.    

Würden Sie sagen, dass Dominik Koepfers Weg nachahmenswert ist für junge Talente? Oder ist der klassische Weg der sicherere?  

Heuft: Kopierbar ist die Jugendausbildung. Das kann auch heute noch in jedem Klub stattfinden, das war eigentlich nichts Besonderes.

Der Weg über das College ist etwas, was nicht für jedermann geeignet ist. Man braucht gute Trainer und vernünftige Eltern. Dann kann man auch ohne viel Geld einen guten Weg einschlagen. Aber eine Blaupause für andere Talente ist Dominiks Weg sicherlich nicht.

Das Interview führte Jörg Strohschein

Stand: 28.08.2019, 12:55

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