Tennis - Julia Görges, die Spätzünderin

Julia Görges

Vor den US Open in New York

Tennis - Julia Görges, die Spätzünderin

Von Jörg Strohschein

Julias Görges ist vor den US Open in New York auf ihrem Leistungshoch angekommen. Die 29-Jährige spielt so gut wie noch nie und hat sich noch einen ganz großen Sieg vorgenommen.

Aus ihrem Stolz macht Julia Görges keinen Hehl. Ein Blick auf ihren Twitter-Account genügt, um zu erkennen, was sie in diesen Tagen besonders bewegt. Die 29-Jährige hat es erstmals unter die Top Ten der Welt geschafft. Seit dem 20. August 2018 ist sie in einen ganz besonderen Kreis der Tenniprofis aufgestiegen. "Ich starte die Woche mit einem Karrierehoch als Nummer neun der Welt", teilt Görges bestens gelaunt mit. Eine Platzierung, die ihren Fähigkeiten durchaus entspricht.

Görges ist eine Spätzünderin. In den Jahren 2011 und 2012 hatte sie sich schon einmal auf Platz 21 bzw. 18 in der Weltrangliste vorgekämpft, konnte dieses Niveau aber nicht halten und rutschte in die 70er-Ränge ab. Das Jahr 2015 bedeutete dann aber die Wende, weil Görges sich entschied, ihr Leben zu ändern.

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Leistungsfähigkeit wird voll ausgeschöpft

Sie trennte sich von ihrem langjährigen Trainer Sascha Nensel, formte mit Coach Michael Geserer, Physio, Athletik-Trainer Florian Zitzelsberger und Hitting-Partner Andreas Trägner ein neues Team und zog nach Regensburg. "Die Entscheidung mit diesem größeren Schritt und der damit einhergehenden Veränderung war für mich persönlich sehr wichtig", sagt sie.

Seither geht es nahezu stetig bergauf, auch weil sie sich das "positive Denken" zu einem Grundsatz gemacht hat. "Die Psyche ist sicherlich ein wesentlicher Baustein im Tennis", sagt Görges. Mittlerweile scheint sie sowohl mental als auch physisch ihre Leistungsfähigkeit dauerhaft voll ausschöpfen zu können.

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"Ich will die beste Tennisspielerin werden, die ich mit meinem Potenzial werden kann. Dann wird man sehen, welche Nummer vorn dran steht. Aber ich will natürlich gern den Weg weiter nach oben einschlagen", sagte sie zum Ende des vergangenen Jahres, als sie sich bereits auf Weltranglistenplatz 14 vorgearbeitet hatte.

Görges ist eine Allrounderin auf dem Court. Der Bodenbelag ist ihr (fast) egal. Das liegt an ihrer Spielweise, die forsch, aggressiv, nach vorne gerichtet ist. Ihr Aufschlag ist im Damentennis eine echte Waffe. Im vergangenen Jahr hatte sie hinter der Tschechin Karolina Pliskova (452) mit 412 die zweitmeisten Asse geschlagen. In diesem Jahr ist sie schon wieder bei 352 Service-Winnern angelangt. Sie versucht zudem, die Gegnerin mit ihren langen Grundschlägen unter Druck zu setzen und wann immer es geht ihre starke Vorhand einzusetzen.

Nummer zwei hinter Kerber

Ihre Einzel-Bilanz in diesem Jahr ist ebenfalls beeindruckend. 33 Siegen stehen 17 Niederlagen gegenüber. Das Turnier in Auckland konnte sie erstmals - nach drei Finalteilnahmen - für sich entschieden. Ihren größten Erfolg feierte Görges in diesem Sommer allerdings mit der Halbfinalteilnahme in Wimbledon, wo sie Serena Williams knapp unterlag. Es ist die Zeit gekommen, in der Görges ihre Karriere in vollen Zügen zu genießen scheint.

Auf ihr persönliches Highlight muss Julia Görges aber noch ein paar Monate warten. Bei den Australian Open will sie unbedingt einmal reüssieren und ihren Traum wahr machen. "Melbourne ist mein Lieblingsturnier, da will ich irgendwann mal gewinnen", sagt Görges. Mittlerweile ist ihr das durchaus zuzutrauen.

Stand: 24.08.2018, 12:03

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