Die Aussichten auf die French Open werden immer trüber

Court Philippe Chatrier bei den Roland Garros in Paris

Eine Woche vor dem Turnier in Paris

Die Aussichten auf die French Open werden immer trüber

Von Christian Michel

Dramatisch steigende Infektions-Zahlen, deutlich weniger Zuschauer als erhofft und Absagen weiterer Topstars. Wenige Tage vor dem offiziellen Turnierstart stehen die French Open unter keinem guten Stern. Und die Sorgen werden größer. Schon vor Beginn der Qualifikation melden die Veranstalter die ersten Corona-Fälle.

Die French Open sind das einzige Sandplatzturnier des Grand Slam und stellen immer eine besondere Herausforderung für jeden Profi dar. In diesem Jahr scheint der Spielbelag aber nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Viel entscheidender ist der Einfluss der Corona-Pandemie. Noch bevor die ersten Spielerinnen und Spieler die rote Asche überhaupt betreten haben, vermeldet der französische Tennisverband FFT die ersten Corona-Fälle.

In einer Pressemitteilung gab der Veranstalter bekannt, dass zwei Qualifikanten positiv auf Covid-19 getestet worden sein sollen. Am Montagabend bestätigte der Veranstalter einen weiteren Corona-Fall bei einer Spielerin, die an der an diesem Dienstag beginnenden Qualifikation der Damen teilnehmen wollte.

Die nicht namentlich genannten Profis werden nun nicht teilnehmen, genau wie drei weitere Spieler, die in engem Kontakt mit einem positiv getesteten Trainer waren. Auch hier nannten die Veranstalter keine Namen. Nach Informationen der spanischen Sportzeitung "Marca" soll es sich bei den ausgeschlossenen Spielern um Bernabé Zapata, Ernesto Escobedo, Denis Istomin, Pedja Krstin und Damir Dzumhur handeln.  

900 Kontrollen vor dem Start

Der Weltranglisten 114. Dzumhur bestätigte sein Turnier-Aus bei Instagram. "Leider wurde mein Trainer Petar Popovic heute Morgen (Sonntag, 20.09.) positiv getestet. Deshalb wurde ich aus dem Turnier genommen und habe keine Chance mehr, teilzunehmen", so Dzumhur. "Ich bekam keine Möglichkeit auf einen zweiten Test und wir sind sicher, dass es ein falsches positives Ergebnis war, da mein Coach Antikörper hat", so der 28-Jährige aus Bosnien-Herzegowina.

Alle Teilnehmer der Qualifikation mussten bereits seit Donnerstag in Paris sein, um sich dort zwei Coronatests zu unterziehen. Nach Angaben des Tennisverbandes wurden insgesamt rund 900 Kontrollen durchgeführt - nicht nur bei den Spielern, sondern auch bei Trainern und Betreuern.

5.000 statt 11.500 statt 20.000 Zuschauer

Doch wie richtet man ein Sportereignis an einem Corona-Hotspot aus? Jede Antwort der Veranstalter gleicht einem Blick in die Glaskugel. Denn erst am Freitag hatten die Macher in ihren Planungen erneut einen Dämpfer hinnehmen müssen. Statt der erhofften 11.500 dürfen nur 5.000 Zuschauer pro Tag auf die Anlage. Noch Anfang Juli hatten die Organisatoren mit der Ankündigung überrascht, dass trotz der Coronavirus-Pandemie 20.000 Menschen pro Tag auf die Anlage dürfen.

Als Gründe für die erneute Reduzierung nannte die Polizeipräfektur Paris die sich verschlechternde Corona-Situation im Land und die derzeitigen Vorschriften der französischen Regierung, die öffentliche Versammlungen auf 5.000 Personen begrenzen. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro Tag ist in Frankreich zuletzt über die 10.000er-Marke gestiegen.

Absage weiterer Topstars wahrscheinlich

Tennisprofi Nick Kyrgios

Macht Pause - Tennisprofi Nick Kyrgios

Anders als bei den US Open haben fast alle Topspieler für die French Open zugesagt. Bei den Herren fehlen von den Top-100-Spielern lediglich Roger Federer, der sich von einer weiteren Operation erholt und Nick Kyrgios, der wegen des Coronavirus eine Reisepause einlegt. Bei den Spielerinnen hat aus diesem Grund bislang nur die Titelverteidigerin und Weltranglistenerste Ashleigh Barty den Veranstaltern eine Absage erteilt. Die US-Open-Siegerin Naomi Osaka aus Japan muss wegen einer Oberschenkelverletzung passen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Paris scheinen Absagen weiterer Top-Stars aber nur eine Frage der Zeit. Zumal sich Spielerinnen und Spieler - anders als sonst - auch kurzfristig von Turnieren abmelden können, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. 

Strenges Hygienekonzept für Spielerinnen und Spieler

Wenn das Turnier am kommenden Sonntag offiziell beginnt, soll ein strenges Hygienekonzept für einen reibungslosen Ablauf des Turniers sorgen. In der Nähe der Anlage im Bois de Boulogne hat der französische Tennisverband zwei Hotels angemietet, die ausschließlich den Spielern und Betreuern zur Verfügung stehen. "Alle müssen in diesen Hotels wohnen, es wird keine Ausnahmen geben", sagte Jean-Francois Vilotte, der Generaldirektor des Verbandes.

Die Profis werden bei ihrer Ankunft auf Corona getestet und bekommen ihre Akkreditierung erst bei einem negativen Ergebnis. Ein zweiter Test folgt 72 Stunden später, danach wird im Abstand von fünf Tagen erneut kontrolliert. Zugang zum Roland-Garros-Gelände haben Sportlerinnen und Sportler nur an ihren Spieltagen. Die 5.000 Zuschauer müssen auf dem Turniergelände und auch auf den Plätzen eine Maske tragen und dürfen diese nur zum Essen und Trinken abnehmen.

Klima könnte eine entscheidende Rolle spielen

Dominic Thiem (l.) und Alexander Zverev

Dominic Thiem (l.) und Alexander Zverev

Unabhängig davon, ob es zu weiteren Absagen kommt, droht den French Open allein wegen des durcheinandergewirbelten Wettkampfkalenders ein sportlicher Qualitätsverlust. Die Zeit für die Umstellung vom schnellen Hartplatz bei den US Open hin zur langsamen Asche in Paris ist kurz. Hinzu kommt, dass Stars wie Alexander Zverev und US-Open-Champion Dominic Thiem wohl ganz ohne Vorbereitungsmatches starten.

Mit der Terminverschiebung auf Ende September ergeben sich außerdem einige ungewohnte Umstände, die Einfluss auf das Spielgeschehen haben könnten. So sind die erwarteten Temperaturen etwa vier oder fünf Grad geringer als normal, dafür ist der Wind stärker.

Stand: 21.09.2020, 20:38

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