Der Tennistross zieht rastlos weiter

Alexander Zverev fixiert den Ball

Corona-Pandemie

Der Tennistross zieht rastlos weiter

Von Jörg Strohschein

US Open, Rom, Hamburg, French Open, danach Köln. Die Tennisprofis sind in diesen Tagen, nachdem die Corona-Pause beendet ist, fast rund um die Uhr beschäftigt. Davon profitieren vor allem die kleineren Turniere wie das im Rheinland.

Vermutlich wünschen sich auch die Veranstalter, dass Alexander Zverev nicht viel Zeit haben wird, wenn er von den French Open in Paris nach Köln reisen muss. Schließlich will der beste deutsche Tennisspieler nach seiner jüngsten, dramatisch knappen Final-Niederlage bei den US Open gegen Dominic Thiem beim nächsten Grand-Slam-Turnier wieder weit kommen. Sollte der 23-Jährige in der französischen Hauptstadt erneut das Endspiel erreichen, dann würde seine nächste berufliche Verpflichtung allerdings bereits seit zwei Tagen begonnen haben.

Zverev hat auch bei den beiden recht spontan neu geschaffenen 250er-Turnieren in Köln gemeldet. Das erste beginnt bereits am 10. Oktober, das Finale in Paris wird aber erst am 11. Oktober ausgetragen. Für diesen Fall würde sich der österreichische Veranstalter Edwin Weindörfer, der sich zwei von der ATP kurzfristig bereitgestellte Corona-Turnierlizenzen gesichert hat, sicherlich etwas einfallen lassen.

Kohlmann: Angebot und Nachfrage bestimmen das Handeln

Womöglich würde Zverev dann auch erst bei der zweiten Auflage vom 18. bis 25. Oktober zum Schläger in der Kölner Arena greifen. Dass Zverev sich diesen Reise-Stress überhaupt antut, ist ohnehin bemerkenswert, zumal der Bodenbelag in Köln kein Aschenplatz wie in Paris sein wird, sondern wieder ein Hardcourt - wie in New York. Eine für Tennisprofis nicht unwesentliche Veränderung.

"Sascha hat immer großes Interesse, in Deutschland zu spielen und sich hier zu zeigen", sagt Michael Kohlmann der Sportschau. Der Davis-Cup-Kapitän weiß um die besondere Situation der Tennisprofis in Corona-Zeiten. "Es ist wie in der Wirtschaft, Angebot und Nachfrage bestimmen das Handeln", sagt er. Aus vielen Gesprächen mit Spielern in den vergangenen Wochen weiß Kohlmann zudem, dass die Spieler möglichst noch viele Gelegenheiten im Herbst mitnehmen wollen, um die ausgefallenen Turniere der vergangenen Monate zu kompensieren.

"Die Spieler reisen mit im Turnierzyklus, auch weil sie durchgehend getestet werden und nicht irgendwo in Quarantäne müssen, wenn sie etwa wieder nach Hause reisen würden", sagt Kohlmann. Der internationale Tennistross ist nach der langen Pause in Bewegung gekommen und will sich nicht so schnell wieder stoppen lassen.

Kommt Thiem vielleicht doch noch?

Die Kölner Veranstaltungen sind Turniere der vierten Kategorie. Ein namhaftes Teilnehmerfeld, wie das bislang gemeldete im Rheinland, ist bei vergleichbaren Wettbewerben sehr selten vorhanden. Auch Jan-Lennard Struff, der ehemalige Wimbledon-Sieger Andy Murray und Ex-US-Open-Champion Marin Cilic, der Argentinier Diego Schwartzmann und Roberto Bautista-Agut (Nr. 10 der Welt) sind dabei. Nur der aktuelle US-Open-Sieger Dominic Thiem wird wohl doch nicht nach Köln reisen. Ursprünglich hatte er sein Kommen angekündigt, allerdings braucht er offenbar eine Pause nach den körperlichen Herausforderungen bei den beiden Grand Slams.

"Es wird drei Wildcards bei dem Turnier geben. Eine wird bis zum Ende aufbewahrt, damit wir reagieren können, was in Paris im Hauptfeld passiert", sagt Karlheinz Wieser, Pressesprecher des Veranstalters. So ganz ausgeschlossen ist also noch nicht, dass Thiem oder womöglich noch ein anderer Top-Spieler in Köln aufschlagen werden, sollte es in Paris für den einen oder anderen doch nicht so gut laufen.

Becker, Borg und McEnroe haben sich nichts gegönnt

Die Pandemie sorgt in vielerlei Hinsicht für besondere Umstände. Bei den kleineren Turnieren gehen sich die Top-Spieler häufig gerne aus dem Weg. Das war auch schon in aktiven Zeiten von Boris Becker, John McEnroe oder Björn Borg so. "In früheren Jahren war das ganz normal, dass die Top-Spieler nicht gern außerhalb der Grand Slams gegeneinander angetreten sind. Und es ging soweit, dass sie auch überhaupt nichts miteinander zu tun haben wollten", sagt der ehemalige Tennisspieler Andreas Maurer der Sportschau. Der Umgang unter den damaligen Stars untereinander war ein ganz anderer.

Der ehemalige Davis-Cup-Sieger und Doppelpartner von Boris Becker kann sich noch gut daran erinnern, dass sich Becker, McEnroe, Lendl, Borg alles andere als freundschaftlich begegneten. "Das war damals schon mehr als Rivalität. Gesprochen haben diese Spieler so gut wie gar nicht miteinander, und gegenseitig gegönnt haben sie sich auch gar nichts", sagt Maurer. In der heutigen Generation begegnen sich Spieler wie Thiem, Roger Federer, Alexander Zverev, Rafael Nadal und viele andere sehr respektvoll, teilweise freundschaftlich. "So etwas war früher undenkbar. Schön, dass sich das verändert hat", sagt Maurer.

Die Kölner Veranstalter hoffen darauf, dass sie die Turniere im Rheinland etablieren können. "Es gibt keine Garantie für 2021, aber wir haben uns gewisse Vorrechte gesichert", sagt Weindörfer. Ob das Teilnehmerfeld dann noch ähnlich prominent besetzt sein wird, davon wird aber auch er sich überraschen lassen müssen.

Stand: 18.09.2020, 10:26

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