Struff ist die deutsche Davis-Cup-Lebensversicherung

Jan-Lennard Struff in Akton

Blick geht schon in Richtung Olympia

Struff ist die deutsche Davis-Cup-Lebensversicherung

Von Jörg Strohschein (Düsseldorf)

Das deutsche Davis-Cup-Team hat den ersten Spieltag gegen Weißrussland mit einem Remis beendet. Während Philipp Kohlschreiber strauchelte, unterstrich Jan-Lennard Struff, dass er immer näher an die Weltspitze heranrückt.  

Jan-Lennard Struff hatte es eilig. Er wollte schnell raus aus den Katakomben der Düsseldorfer Sporthalle. Hinaus an den Rand des Tenniscourts, an dem Deutschlands Chef des Herren-Tennis Boris Becker sowie der Rest des deutschen Davis-Cup-Teams bereits saßen, um die Nummer zwei, Philipp Kohlschreiber, anzufeuern. Das sollte allerdings nichts nutzen. Der 36-Jährige unterlag der weißrussischen Nummer eins, Egor Gerassimow, nach über zweieinhalb Stunden hauchdünn mit 6:4, 5:7, 6:7.

Damit steht es nach dem ersten Tag 1:1, und das deutsche Team benötigt zwei weitere Punkte, um die Partie zu gewinnen. Struff hatte sein Match gegen den Weißrussen Ilja Iwaschka zuvor recht zügig in 79 Minuten mit 6:4, 6:4 für sich entschieden und das deutsche Team mit einer souveränen Leistung in Führung gebracht.

Teamchef Kohlmann strahlt Zuversicht aus

"Ich kann sicher nicht sagen, dass ich zufrieden bin. Ich bin aber ganz zuversichtlich, weil wir bei den morgigen Paarungen, wenn die beiden Einser und die beiden Zweier gegeneinander spielen, eigentlich einen Tick besser sein müssten. Und auch im Doppel haben wir ganz gute Chancen", sagte Teamchef Michael Kohlmann der Sportschau. 

Struff zeigte das Selbstvertrauen und den spielerischen Mut, den er während der gesamten vergangenen Saison, die seine erfolgreichste seiner Karriere war, gezeigt hatte. Immer dann, wenn es mal ein wenig gefährlich für ihn wurde, spielte der Warsteiner druckvolle Grundschläge und überforderte seinen Gegner zumeist damit.

Selbst die eigentlich für ihn schwache Quote von nur rund 40 Prozent gelungener erster Aufschläge gegen Iwaschka sollte ihn nicht aus der Bahn werfen. "Ich habe erst hinterher von Michael Kohlmann und Boris Becker gehört, dass das so war. Es hat sich ganz anders angefühlt", sagte die Nummer 34 der Welt fast ungläubig. 

Struff will weiter angreifen

Struff schwimmt weiterhin auf einer Welle eines Selbstbewusstseins, das er sich in den vergangenen Monaten durch viele und auch knappe Siege verschafft hatte. "Ich weiß, dass 2019 ein sehr gutes Jahr war, aber ich will weiter angreifen", sagte Struff. Der derzeitige Weltranglistenplatz 34 soll noch nicht das Ende sein. Er ist weiterhin dabei, den Weg nach oben zu finden.

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Selbst der Umstand, dass er am Freitag (06.03.2020) das Auftaktmatch bestreiten musste, machte ihm nichts aus. Noch vor ein paar Jahren - in einer vergleichbaren Situation - wäre die Nervosität bei ihm bis in den letzten Muskel gekrochen und hätte ihn in seinem Spiel behindert. Mittlerweile dominiert der Mut, auch in engen Situationen einfach das Risiko des aggressiven Spiels einzugehen.

"Ich war jetzt schon ein paar Mal die Nummer eins. Aber in Deutschland zu spielen, ist dann noch einmal etwas anderes. Die Leute erwarten etwas, das ist nicht ganz leicht", sagte er: "Ich wollte diesen Punkt unbedingt holen. Ich habe es gut geschafft, mit der Normalität umzugehen."

Olympische Spiele vor Augen

Struffs Blick ging dann auch schon mal über dieses Davis-Cup-Wochenende hinaus in Richtung Olympische Spiele. "Das wäre nochmal ein Traum für für mich. Ich denke, ich habe gute Chancen, dabei zu sein", hofft Struff. Die Entscheidung, ob er genügend Punkte dafür gesammelt hat, fällt nach den French Open in Paris. Dafür würde der 29-Jährige aus Warstein auch gehörige Reisestrapazen in Kauf nehmen.

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Schließlich hat er unmittelbar zuvor beim ATP-Sandplatz-Turnier in Hamburg gemeldet. "Ich möchte in Deutschland spielen und würde dann sonntags nach Tokio fliegen. Auch der Belagwechsel wäre nicht so leicht", sagte Struff. In Tokio wird auf einem Hardcourt gespielt. Doch solche Kleinigkeiten machen Struff derzeit nichts aus.

Zunächst muss er sich aber nochmal als Lebensversicherung des deutschen Davis-Cup-Teams erweisen. Gegen Gerassimow muss am Samstagnachmittag ein Sieg her. Momentan zweifelt wohl niemand daran, dass ihm auch das gelingt.   

Stand: 06.03.2020, 22:45

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