French Open - Halbfinale der Überraschungen

Das Halbfinal-Quartett

Grand-Slam-Turnier in Paris

French Open - Halbfinale der Überraschungen

Von Jörg Strohschein

Die Halbfinale beim Damenwettbewerb der French Open stehen fest. Und von den großen Stars der Damen-Tennisszene wie Serena Williams, Simona Halep oder auch Angelique Kerber ist nichts mehr zu sehen. Es ist die Vorschlussrunde der Überraschungen. Wir stellen die Spielerinnen, die das Semifinale erreicht haben, näher vor.

Die vier Halbfinalistinnen im Kurzportrait:

Halbfinale 1: Ashleigh Barty gegen Amanda Anisimova

Ashleigh Barty

Ashleigh Barty

Ashleigh Barty: Vor drei Jahren war sie noch die 623 der Welt. Am Freitag steht Barty im Halbfinale der French Open. Eine bemerkenswerte Karriere einer jungen Frau (23), die es in kürzester Zeit bis in die Weltspitze geschafft hat. Nach dem Turnier wird die Australierin die Nummer fünf der Weltrangliste sein. "Das ist wirklich unglaublich. Ich habe jeden Tag von dieser Reise genossen", sagte Barty nach dem Viertelfinal-Zweisatzsieg gegen Madison Keys (6:3; 7:5).

Bartys Spiel ist variabel. Sie mischt Topspin- mit Slice-Bällen, sie kann angreifen aber auch verteidigen. Zudem ist sie ein Kraftpaket und hat ihrem Spiel eine gewisse Konstanz verliehen. Und sie ist vor allem in diesen Tagen von Paris eine coole und entspannte Spielerin, die ihre taktischen Vorgaben von Trainer Craig Tyzzer scheinbar ohne Druck und Selbstzweifel umsetzt. "Wenn ich meinen Stil durchziehe, kann ich gegen jede Spielerin bestehen, egal auf welchen Bodenbelag", sagt Barty.

Amanda Anisimova

Amanda Anisimova

Amanda Anisimova: Wer die junge US-Amerikanerin im Viertelfinale gegen Simona Halep beobachtet hat, für den dürfte die Favoritin auf den Titel feststehen. Das 6:2, 6:4 Anisimovas gegen die Titelverteidigerin war derart eindrucksvoll, dass die 17-Jährige offenbar sogar überrascht von sich selbst war. "Das ist verrückt. Ich kann gar nicht realisieren, was ich da geschafft habe. Ich wollte einfach nur mein bestes Tennis zeigen und dann schlage ich eine so tolle Athletin wie Simona."

Die krachende Vorhand, die wuchtige Rückhand, der variantenreiche Aufschlag, die Dynamik, mit der Anisimova Halep von einer Ecke in die andere schickte, dürften den künftigen Gegnerinnen des großen Talents Furcht eingeflößt haben. Die im US-Bundesstaat New Jersey geborene Tochter russischer Einwanderer verfügt in ihrem jungen Alter zudem über eine ungewöhnlich ausgeprägte Spielauffassung. "Ich habe das beste Tennis meines Lebens gespielt", sagte sie nach ihrem jüngsten Triumph. Um die nächste Überraschung zu schaffen, muss die Weltranglisten-51. diese Leistung allerdings wiederholen.

Halbfinale 2: Johanna Konta gegen Marketa Vondrousova

Johanna Konta

Johanna Konta

Johanna Konta: Sie ist die mit 28 Jahren älteste und erfahrenste Spielerin in dem Semifinal-Quartett. Die Britin Konta spielt bereits ihr drittes Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier (2016 Australian Open, 2017 Wimbledon). "Es könnte ein Vorteil für mich sein, dass ich diese Situation schon einmal erlebt habe", sagte Konta, nachdem sie Sloane Stephens mit 6:1; 6:4 geradezu vom Platz gefegt hatte.

Nicht wenige Experten hatten Konta eine große Karriere vorausgesagt. Allerdings stand sie sich oft selbst im Weg. Vor allem im mentalen Bereich scheint sie sich deutlich verbessert zu haben, sie hadert nicht mehr zu sehr mit sich und ihren Leistungen. Der aktuelle Weltranglistenplatz 26 entspricht jedenfalls nicht ihren wahren Möglichkeiten. Und: Erstmals ist es der Britin, die auch die australische und die ungarische Staatsbürgerschaft besitzt, bei ihren vier Teilnahmen zwischen 2015 bis 2018 in Paris gelungen, ein Match bei den French Open zu gewinnen. Jetzt sind es sogar fünf in Folge - es fehlt nur noch ein Schritt bis ins Finale.

Marketa Vondrousova

Marketa Vondrousova

Marketa Vondrousova: Mit 19 Jahren sammelt die junge Tschechin erstmals Erfahrungen auf der ganz großen Bühne. Sie ist die Nummer 38 auf der Weltrangliste und steht erstmals in einem Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier. Nach zwei intensiven Sätzen (7:6; 7:5) hatte die Linkshänderin Vondrousova die Kroatin Petra Martic niedergekämpft. Mit ihrem aggressiven Spiel und ihren harten Grundschlägen brachte sie Martic an den Rand der Verzweiflung.

Nun muss Vondrousova, die in Sokolov geboren wurde, nun in Prag lebt und bereits im Alter von vier Jahren mit dem Tennis begonnen hat, gegen Konta antreten. "Ich habe zweimal gegen sie gespielt. Einmal habe ich gewonnen, kürzlich in Rom habe ich verloren", sagt die Tschechin. "In einem Halbfinale kann alles passieren. Ich kann es kaum erwarten, zu spielen."

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Donnerstag 06.06.19, 22.50 Uhr

Stand: 06.06.2019, 21:29

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