Osaka gegen Gauff: Gehyptes US-Duell endet tränenreich

Naomi Osaka (l.) und Cori Gauff

US Open in New York

Osaka gegen Gauff: Gehyptes US-Duell endet tränenreich

Das gehypte US-Duell zwischen Titelverteidigerin Naomi Osaka und Supertalent Cori Gauff war sportlich eine Enttäuschung. Aber das emotionale Ende voller Tränen war dann doch hollywoodreif.

Naomi Osaka wusste ganz genau um die emotionale Tragweite des Augenblicks. Schließlich hatte sie an eben dieser Stelle, unter dem Flutlicht des Arthur-Ashe-Stadiums, auch schon bittere Tränen vergossen. Vor einem Jahr war das, als ihre sportliche Sternstunde von Serena Williams und deren skandalösen Ausrastern überschattet wurde. Nun stand sie also wieder dort - doch die Tränen flossen diesmal auf der anderen Seite des Netzes.

Aufgelöst, erschlagen vom Druck der Erwartungen und geschlagen vom Druck ihrer Gegnerin, stand da Cori Gauff, diese zum Wunderkind gehypte 15-Jährige. Eine Vielzahl der 23.771 Zuschauer in der größten Tennis-Arena der Welt und Millionen vor den TV-Bildschirmen wollten ihre "Coco" in der dritten Runde der US Open gegen die Titelverteidigerin siegen sehen. Am Ende war sie chancenlos. Und als das 3:6, 0:6 nach nur 65 Minuten Gewissheit war und alle Anspannung der Enttäuschung wich, kullerten bei Gauff Tränen übers Gesicht.

Tränen auf beiden Seiten

Osaka registrierte das genau und zeigte Feingefühl. Statt als Siegerin in dem ihr vorbehaltenen Court-Interview über die Effizienz des Aufschlags, die Präzision der Rückhand oder die Besonderheit der Fans zu plaudern, überließ die 21-Jährige das Rampenlicht Gauff. Diese sträubte sich zunächst, schritt dann aber unter dem tosenden Jubel der Fans auf dem Center Court ans Mikrofon. "Ich habe hier so viel gelernt, sie war so süß zu mir. Ich danke ihr so sehr", sagte die Teenagerin mit tränenerstickter Stimme.

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Schon nach der Umarmung am Netz direkt nach dem Spiel habe Osaka sie gefragt, ob sie trotz der Niederlage auf dem Court sprechen wolle. "Ich sagte nein", erzählte Gauff, "weil ich wusste, dass ich die ganze Zeit weinen würde. Aber sie ermutigte mich, das zu tun." Gerührt stand die Japanerin daneben, auch ihr schossen die Tränen in die Augen, ehe sie das Wort ergriff und an Gauffs Eltern in der Box richtete. "Ihr habt eine großartige Spielerin großgezogen", rief Osaka und wandte sich dann an Gauff: "Du bist wunderbar, Coco."

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Gauff über Osaka: "Eine wahre Athletin"

Für Osaka schloss sich an diesem Abend ein Kreis. Im Endspiel im vergangenen September hatten Williams' wüste Attacken gegen den Schiedsrichter ihren größten Sieg zur Nebensächlichkeit degradiert. Der eigentlich schönste Moment ihrer Karriere wandelte sich unter den Buhrufen der Zuschauer zu einem schmerzhaften Erlebnis. Nun, so sagte Gauff, habe Osaka "bewiesen, dass sie eine wahre Athletin ist." Damit beschreibe sie "jemanden, der dich auf dem Court wie den schlimmsten Feind und neben dem Court wie den besten Freund behandelt", sagte Gauff: "Und genau das hat sie heute Nacht getan."

Die beiden Spielerinnen verbindet vieles. Lange trainierten sie in der gleichen Akademie in Florida, ihre Väter sind befreundet. Und Gauff schaut zu Osaka auf, heute noch mehr als früher. "Sie ist die Nummer eins der Welt", sagte die Amerikanerin, "ich weiß also, was ich noch tun muss, um auf dieses Level zu kommen."

Görges und Petkovic sorgen sich um Gauff

Den deutschen Spielerinnen Julia Görges und Andrea Petkovic bereitet der Hype um das Gauff Sorgen. "Ich habe ein bisschen Angst um sie", sagte Petkovic: "Ich hoffe, dass die Amis ein bisschen den Ball flachhalten. Aber man kann jetzt nicht behaupten, dass sie das tun." Görges meinte, sie wolle nicht in Gauffs Haut stecken: "Mir tut das Mädchen ein bisschen leid. Sie ist ein super süßes Mädchen, sie hat eine super Einstellung. Aber ich möchte nicht mit ihrer Situation tauschen, wenn ich noch einmal 15 wäre."

dpa/sid | Stand: 01.09.2019, 10:22

Darstellung: