Ashleigh Barty - auf Umwegen zur Nummer eins

Ashley Barty

Weltrangliste im Damen-Tennis

Ashleigh Barty - auf Umwegen zur Nummer eins

Ashleigh Barty ist die neue Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. Beim Rasenturnier in Wimbledon hat sie die Chance, in berühmte Fußstapfen zu treten.

Als Grand-Slam-Siegerin steht man vor völlig neuen Herausforderungen. Diese Erfahrung musste auch Ashleigh Barty machen. Die Australierin, die bei den French-Open im Juni ihren ersten großen Titelgewinn feierte, bekam in der vergangenen Woche eine Textnachricht von Andy Murray aufs Handy. Der zweifache Wimblebonsieger fragte, ob sie Lust hätte, in Wimbledon mit ihm gemeinsam im Mixed anzutreten.

Barty war etwas geschockt, als sie die SMS las, erzählte sie dem "Guardian", aber auch wahnsinnig geschmeichelt. Sie habe lange mit sich gerungen, bevor sie das Angebot des auf der Tour ungemein beliebten Murray dann doch ablehnte. "Es war die härteste Entscheidung meines Lebens", sagte sie.

Neue Nummer eins - "Davon träumst du als Kind"

Aber Barty hat ihre eigene Titelmission beim berühmtesten Rasenturnier der Welt, das am kommenden Montag (01.07.2019) beginnt, und darauf will sie den Fokus legen. Mit dem Finalsieg am Sonntag in Birmingham hat sie bewiesen, dass sie auch die Umstellung von Sand auf Rasen bewältigt hat. Damit gehört sie nun auch in Wimbledon zu den Favoritinnen, zumal sie als neue Nummer eins der Weltrangliste antreten wird.

Nach ihrem Titelgewinn beim Rasenturnier in Birmingham führt Barty als zweite Australierin nach Evonne Goolagong Cawley (1976) das WTA-Ranking an. Überwältigt von der Wucht des Augenblicks, hielt sie nach dem verwandelten Matchball gegen Julia Görges aus Bad Oldesloe immer wieder ergriffen die Hand vor den Mund. "Davon träumst du als Kind. Dass es dann Realität wird, ist unfassbar", sagte die 23-Jährige.

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Gegen die Garagenwand

Ashleigh Bartys Weg war vorgezeichnet, seit sie als Vierjährige einen alten Squash-Schläger und einen Tennisball ihrer Eltern fand. Tag für Tag schlug sie den Ball stundenlang gegen die Garagenwand, bis der Vater zum Hörer griff und im Tenniszentrum im Westen Brisbanes anrief. "Wir nehmen niemanden, bis er acht ist", blockte der dortige Trainer ab.

Robert Barty ließ aber nicht locker. "Wir fuhren hin und er warf ihr einen Ball hin. Sie schlug ihn über seinen Kopf hinweg", erzählte der Vater. Seine kleine "Ash" tat dies so lange, bis der Coach einknickte und sagte: "Du kannst nächste Woche wiederkommen." 19 Jahre später ist Barty die beste Tennisspielerin der Welt und ist derzeit einfach nicht zu stoppen.

Zwei Wochen zuvor hatte die Gipfelstürmerin bereits mit ihrem Sieg bei den French Open entzückt. Doch auch nachdem sie die Japanerin Naomi Osaka vom Tennis-Thron gestoßen hatte, blieb sie bescheiden. "Es ist eine Ehre, in dieser Position zu sein, die schon so viele Legenden in unserem Sport innehatten, die ich sehr respektiere und bewundere", sagte Barty, deren Weg nach oben schon früh absehbar war.

Australiens Ashleigh Barty  im Finale gegen die Tschechin Marketa Vondrousova bei den French Open.

Australiens Ashleigh Barty im Finale gegen die Tschechin Marketa Vondrousova bei den French Open.

Karriereknick mit 18, Auszeit beim Cricket

Bereits als 15-Jährige gewann sie 2011 in Wimbledon den Wettbewerb der Juniorinnen. Nur drei Jahre später erlebte ihre Karriere aber einen Bruch. "Es war zu viel für mich, es ging zu schnell, da ich schon seit jungen Jahren immer gereist bin", erklärte Barty.

Ende 2014 hatte Barty dann genug vom anstrengenden Leben auf der Tour. Sie zog sich zurück in ihre australische Heimat und spielte lieber Cricket, zeitweise sogar halb-professionell für das Frauen-Team Brisbane Heat in der "Women's Big Bash League".

Vom Tennis konnte Barty, die auch gelernte Barista ist und leidenschaftlich gern Golf spielt, aber dennoch nicht lassen. Im Frühjahr 2016 kehrte sie zurück, war nur noch die Nummer 623 der Weltrangliste. Die Auszeit "war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte, und es war eine noch bessere Entscheidung, wieder zurückzukehren", sagte Barty später.

Auf den Spuren von Googalong Cawley

Nun tritt sie endgültig in die Fußstapfen ihrer großen Landsfrau Evonne Goolagong Cawley, die 1980 in Wimbledon den letzten ihrer 14 Grand-Slam-Titel holte. Auch sie ist Nachfahrin der Aborigines, der australischen Ureinwohner. "In einem Satz mit ihr erwähnt zu werden ist unglaublich", sagte Barty demütig: "Evonne ist ein faszinierender Mensch und war für so viele Australier und so viele indigene Australier in unserem Land und auf der ganzen Welt tonangebend."

sid/red | Stand: 24.06.2019, 14:30

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