G'day Melbourne - Heiß in jeglicher Hinsicht

Alexander Zverev überreicht den Pokal an Dylan Alcott (rechts) und Heath Davidson (links)

Australian Open 2020 Tagebuch 

G'day Melbourne - Heiß in jeglicher Hinsicht

Von David Vorholt, Melbourne

Über der Stadt Melbourne steht die Hitze. Und auch das Turnier geht in die heiße Phase. Für Alexander Zverev im Herren-Einzel. Für die 18-jährige Deutsche Alexandra Vecic bei den Juniorinnen. Beide spielen Halbfinale. Und Tennis spielen hier auch noch eine ganze Menge anderer Athleten abseits des Hauptturniers.

Kapitel 1: Die Ruhe vor dem Sturm

G’day! Enorme Hitze. Spitzenwert an Tag elf: 41 Grad. Soll heute auch wieder erreicht werden. Vorhersage für die nächsten Tage: Samstag knapp 30 Grad und Gewitter, Sonntag mittlere 20er-Werte und Montag 16 Grad. "Four seasons in four days", wenn man so will. Hoffentlich will Montag keiner der Champions mit Reportern in den Yarra springen. Vormittags Wolkendecke. Im Vergleich zu gestern einigermaßen erträglich. Hitze ja, UV-Warnung nein. Umfangreiches Briefing über “Extreme Heat Policy” liegt im Pressezentrum aus. 

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Auf das Gelände haben sich aber noch nicht viele verirrt. Wirkt, als wäre die Nummer hier schon durch. Keine Zuschauer. Auch im TV-Compound, sonst voller gehetzter Techniker und Kameraleute, gähnende Leere am frühen Mittag. Ruhe vor dem Sturm. Die dicken Dinger kommen ja erst noch.

Heute Halbfinale Thiem gegen Zverev. Morgen Damen-Finale Kenin gegen Muguruza, Sonntag Herren-Finale. Djokovic hat Ticket schon gebucht. Federer in drei Sätzen geschlagen. Publikum etwas enttäuscht - ein Großteil hatte auf Sieg Federer oder zumindest mehr als drei Sätze gehofft.

Kapitel 2: Die Bühne gehört anderen 

Volksfest erst einmal ausgesetzt. Matches auf Außencourts auch. Es steht aber dennoch eine Menge an: Neben Herren- und Damen-Einzel, Herren- und Damen-Doppel und Mixed-Doppel spielen hier auch die Junioren jeweils Einzel und Doppel. Nur kein Mixed. Doch das ist längst nicht alles. Der Profi-Part des Turniers wird komplettiert durch Herren- und Damen-Rollstuhl-Einzel, Herren- und Damen-Rollstuhl-Doppel, sowie "Quad"-Einzel und -Doppel der Herren. Hier spielen Spieler, die zusätzlich auch in der Armbewegung eingeschränkt sind und elektrische Motoren am Rollstuhl verwenden dürfen. 

Dylan Alcott ist das Maß der Dinge im "Quad". Local Hero, stammt aus Melbourne. Quasi der Mark Philippoussis (ebenfalls in Melbourne geboren) der "Quads". Erwartungen hoch. Gestern schon im Doppel geliefert, den Titel mit Landsmann Heath Davidson geholt, gegen das britisch/US-amerikanische Duo Andy Lapthorne/David Wagner. Handelt sich nicht um Schalke-Trainer David Wagner. Pokalübergabe für Alcott/Davidson durch Alexander Zverev. Schönes Siegerfoto. Doppel gewonnen. Einzel soll folgen. Halbfinale gegen Wagner. "The dream is over", titelt "The Age" heute zum Aus von Ash Barty. "The dream goes on", soll es für Alcott nachher heißen.

Was heißt eigentlich "G'day"?

"Guten Morgen!" oder auch "G'day!" - so hört man es nämlich in Melbourne, dem Austragungsort der Australian Open. Im australischen Slang wird das morgendliche "Good Day" etwas verschluckt. In diesem Sinne: G'day und viel Spaß bei unserer täglichen Kolumne!

Die Bühne in Melbourne gehört heute außerdem Sportlern mit anderem Handicap. "Australian Tennis Championships" werden ab heute ausgetragen. Final-Turnier der nationalen Tennis-Meisterschaften für Menschen mit "intellectual disability or autism", wie es offiziell heißt. Irgendwie nicht so richtig ins Deutsche zu übersetzen. Heute geht's los, morgen um den Titel. Aber erst einmal wie erwähnt überall Verzögerung. "Heat Stress Scale" zeigt am frühen Nachmittag erstmalig Stufe 5. Nur auf Rod Laver wird planmäßig gespielt.

Kapitel 3: Zverev ist nicht allein im Halbfinale

Betrifft auch die deutsche Juniorin Alexandra Vecic. Gerade 18 Jahre alt geworden. Kommt aus Immendingen, Baden-Württemberg. Spielt hier groß auf. Halbfinale heute angesetzt.Viertelfinale in der Hitze von Melbourne gewonnen, die Gegnerin musste im zweiten Satz entkräftet aufgeben. "Ich hätte lieber weitergespielt und dann gewonnen, aber das nehme ich trotzdem gerne mit. Ich freue mich jetzt aufs Halbfinale", sagte die Juniorin nach dem Viertelfinale. 

Aber auch so ist sie die erste deutsche Junioren-Halbfinalistin bei Australian Open seit 1997. Damals Marlene Weingärtner hier im Halbfinale. Gewann das Match und verlor anschließend das Finale. Die Gegnerin von Vecic: Weronika Baszak aus Polen. Weltranglistenrang 44. Vecic Nummer 41. Zverev ist hier nicht der einzige deutsche Spieler, der im Halbfinale spielt. 

Stand: 31.01.2020, 07:30

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