Braune Brühe und Familienausflug zu Zverev

Braunes Wasser im Yarra River

Australian Open 2020 Tagebuch

Braune Brühe und Familienausflug zu Zverev

Von David Vorholt, Melbourne

Während Roger Federer am Abend spielt, setzt wieder Regen in Melbourne ein und bringt eine unangenehme Überraschung. Der Morgen danach ist auch verregnet, doch die Sonne kommt pünktlich zu einem Familienausflug der besonderen Art hervor.

Was heißt eigentlich "G'day"?

"Guten Morgen!" oder auch "G'day!" - so hört man es nämlich in Melbourne, dem Austragungsort der Australian Open. Im australischen Slang wird das morgendliche "Good Day" etwas verschluckt. In diesem Sinne: G'day und viel Spaß bei unserer täglichen Kolumne!

Kapitel 1: Dreckiger Gruß aus dem Outback  

G’day! Während der Night session am Mittwoch wieder Regen - wegen der weiterhin verheerenden Buschfeuersituation gute Nachrichten. Federer vs. Krajinovic auf Rod Laver. Nach dem ersten Satz auf durch den Regen nach Hause. In der Tram fällt auf: Jacke, Rucksack und alles andere mit einem braunen Schmier überzogen. Muss der Regen sein. Ist das hier normal?  

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Am nächsten Morgen: Rotbrauner, noch leicht feuchter Staub auf dem Balkon. Überall. News gecheckt, das Thema kommt in den hiesigen Medien gerade auf. Wetterdienst "Bureau of Meteorology Victoria" zeigt auf Twitter Bilder eines verdreckten Autos und einer Regenwasser-Probe: "Lots of dust across Victoria yesterday …".

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Auf der Seite des lokalen Radiosenders "3AW" Bilder von braunen Wassermassen, die Straßen in der Nähe der Burnley Station überschwemmt haben. "Flooding in Melbourne but little rain arrives in bushfire areas", schreibt "Herald Sun". "9news.com" berichtet von "dirty rain in Victoria" und von neuen Feuerwarnungen aufgrund der Hitze im Bundesstaat New South Wales. Über 40 Grad dort. 21 hier. Sydney schwitzt, Melbourne schaut Tennis im kühlen Wind.

Ab zum Turnier. Yarra-River noch brauner als sonst. "Dirty rain" ist schuld. Der Fluss gilt nicht gerade als klar und sauber, erinnert mit seiner braunen Suppe heute aber an den Mississippi. Die Sportler der zahlreichen Ruderklubs am Ufer gegenüber des Melbourne Park stört das nicht. Ein Doppel-Vierer nach dem anderen zieht vorbei. 

Kapitel 2: Zverev-Match zum Geburstag 

Weniger los als gestern. Neben Court 9: Männer mittleren Alters im Anzug. Tennisschläger in der Hand. Leicht verkrampfte Art. Beeindruckend nur die grafisch aufbereiteten Daten vom Aufschlag des Russen Daniil Medvedev auf den Screens daneben. Die Herren sind Vertreter von Tennis Australia und einem Sponsor, dessen Datenmessungen und -auswertungen hier Teil der Übertragung werden. Soll Tennis "verständlicher" und "nahbarer" machen, lese ich später in der Pressemitteilung. Djokovic, Navratilova, Courier als Botschafter an Bord. Die können wenigstens Tennis spielen. 

Andy und seine Familie

Zverev-Fan Andy (Mitte) aus Sydney und seine Familie

Zverev Match drei auf Rod Laver heute. Deutsche Fans schwirren schon herum. Einige DFB-Trikots zu sehen. Vorher Laura Siegemund im Einsatz. Eine fünfköpfige Familie erzählt, dass sie sich schon auf Zverev freut. "Auch auf Siegemund?" "Kenn ich nicht", die Antwort von Papa Andy: "Ich mag den Zverev einfach. Der ist kein glatter Typ, das gefällt mir." Die Familie kommt aus Sydney. "Wir sind seit 20 Jahren jedes Jahr hier", erzählt Andys Frau: "Immer an seinem Geburtstag." "Heute?" "Ja, heute." 49 Jahre. "Herzlichen Glückwunsch." Andy leicht verlegen. "Seit 20 Jahren komme ich hierher. Bisher hat mir noch niemand außer meiner Frau gratuliert", sagt er: "Und meinen Kindern natürlich." Die lachen. Ältester Sohn fragt nach, für wen ich schreibe. Buchstabiere ihm "Sportschau", er schreibt mit. 

Kapitel 3: Son Heung-min und James Rodriguez 

Terrasse am Tennis-Australia-Headquarter. Hyejin trägt einen schwarzen Pulli. Aufdruck "Tennez". Knallig Neongelb. "Nice sweater." "Thank you." Gespräch über Tennis. Hyejin kommt aus Korea. Seoul. Big City Melbourne? Lacht sie nur drüber. Ist für das Magazin "Tennis Korea" hier und hat ne lässige Zeit. Alle Koreaner schon in der ersten Einzel-Runde raus. Nicht mehr viel zu tun. Nur genießen. Zum Beispiel Showdoppel der Koreaner Song Min-kyu und Nam Ji-Sung gegen Aussie-Idol Lleyton Hewitt und Jordan Thompson, der hier wegen seiner Cap und seinem Schnurrbart schon "Tennis Trucker" genannt wird. Kwon Soon-woo aus Südkorea spielt später auch noch im Doppel. Da geht’s noch um was.  

"Ohne Chung Hyeon ist es dieses Jahr wirklich überschaubar aus koreanischer Sicht", sagt Hyejin. Der 23-Jährige ist der Topstar im koreanischen Tennis. "Vergleichbar mit Son Heung-min?" Lautes Lachen! "Nein. Ganz anderes Level. Son ist ein Superstar. Das ist nicht vergleichbar." Auf dem Screen von Hyejin trotzdem ein anderer Kicker. James Rodriguez. Im Bayern-Trikot. "Bester Spieler", sagt sie. Wohl eher Lieblingsspieler denke ich, sage es aber nicht. Hyejin nennt sich selbst "Tennis Freak" und erzählt, dass in Korea fast ausschließlich auf Hartplatz gespielt wird. "In Deutschland fast ausschließlich auf Sand", entgegne ich. Das überrascht sie. Weiter gehts. Kerber und Zverev spielen gleich. Beide Favoriten. Hoffentlich gibt es da keine Überraschungen. Siegemund hat ihr Match leider verloren. 

Stand: 23.01.2020, 07:16

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