Kyrgios und der Besuch der alten Tante

Australian Open Tagebuch

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Kyrgios und der Besuch der alten Tante

Von David Vorholt, Melbourne

Der große Wurf für Nick Kyrgios und die Australier bleibt aus. Nach Kyrgios' Niederlage gegen Rafael Nadal gibt es trotzdem ordentlich Emotionen. Die blieben zuvor aus, obwohl eine Ehrung für einen historischen Triumph auf dem Plan stand. Mein Weg führt mich zum ersten Mal durch den "AO Hilltop".

Kapitel 1: Ehrung der "alten Tante" 

Night Session. Alle wollen nur eins: Kyrgios vs. Nadal! Titel der Herald Sun: 'Bring it on!' Vorher Ehrungszeremonie anlässlich des 50. Jahrestag von Margaret Courts Grand Slam (Sieg bei allen vier Grand Slams in einem Jahr). Keiner will es wirklich. Keinen stört es wirklich. "It’s all about the tennis", heißt es. "Big day for Big Maggie", scherzt ein australischer Journalist. Verhaltenes Lachen. 

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Rod Laver übergibt einen Pokal an die 77 Jahre alte Ex-Tennisspielerin. Heute Predigerin. Fällt immer wieder durch religiös-extreme, homophobe Aussagen auf. Vorher bisschen Musik. Licht. Einspieler - keine. Laver sucht schnell das Weite. Court winkt und sagt nichts. Irgendwie interessiert es niemanden so richtig. Kurzer Applaus, als die "alte Tante des Tennis" (John McEnroe bei Eurosport) den Court verlässt. Jetzt ist Tennis. 

Was heißt eigentlich "G'day"?

"Guten Morgen!" oder auch "G'day!" - so hört man es nämlich in Melbourne, dem Austragungsort der Australian Open. Im australischen Slang wird das morgendliche "Good Day" etwas verschluckt. In diesem Sinne: G'day und viel Spaß bei unserer täglichen Kolumne!

Kapitel 2: Kein Happy End für Kyrgios

Der Tod von Kobe Bryant hat auch hier alle schockiert. Kyrgios beim Einschlagen meistens im Basketball-Trikot. Heute aber: Oakland Raiders-Shirt. Dann Einlauf auf Rod Laver. Kyrgios im Bryant-Trikot. Gelb. Lila. Lakers. Tosender Applaus im ausverkauften Stadion. Show kann losgehen. "This is, what we have all been waiting vor", sagt Kollege auf dem Nebenplatz.

Nach Kyrgios-Aus: Australiens Hoffnungen liegen auf Barty Sportschau 28.01.2020 02:05 Min. Verfügbar bis 28.01.2021 Das Erste

Die Aussies fiebern begeistert mit. Immer wieder Zwischenrufe. "Come on Nick." "Vamos Rafa." Das Drama beginnt. Ende aus Aussie-Sicht nicht das gewünschte. Favorit setzt sich gegen ihren Liebling durch, Rod Laver Arena leert sich schnell. Alle wollen nach Hause. Kyrgios noch nicht. Kommt im Lakers-Trikot zur PK. Dieses Mal grau. Spricht über Bryant und das Match. Wirkt cool. Und müde. Langer Tag für alle.

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Kapitel 3: Australian Open statt Baustelle 

Tram streikt. Abenteuerlicher Weg durch Stadt. Der Weg führt über Familienpark "AO Hilltop". Als Krümelmonster verkleideter Dudelsackspieler am Eingang. Fahrgeschäfte für die Kinder, Fressbuden für die Erwachsenen. Star Wars TIE Fighter in "Originalgröße". Bon Jovi knallt aus den Boxen, Sonne vom Himmel. Darf ich hier durch? "Natürlich", sagt Tewedros. "Where are you from?" Germany. "Oh. Guten Mittag", sagt er. Und noch einiges mehr, dass an dieser Stelle keine Erwähnung finden sollte. 

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"Hat Maurice mir beigebracht", sagt Tewedros. Bringt mich zu ihm. Maurice trägt Cappie und ist der "Cleaning-Boss" am "AO Hilltop". 20 Jahre alt. Aus Düsseldorf. Work and Travel in Australien. Job bei den Australian Open, durch Zufall entdeckt. Job-Interview in Rod Laver Arena. Geht bis eine Woche nach Turnierende. Rückbau. "Mit dem Bau kenne ich mich aus", sagt Maurice: "In Deutschland arbeite ich im Straßenbau, aber hier ist es gerade angenehmer."

Roger Federer auf Rod Laver in unangenehmer Situation. Insgesamt sieben Matchbälle gegen sich im vierten Satz. Alle abgewehrt. Duell gegen Tennys Sandgren gewonnen. Geht weiter. Tagebuch morgen auch. 

Stand: 28.01.2020, 09:30

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