Einschlagen für Profis und wilde Tiere bei den Australian Open

Tennis, Australian Open

Tagebuch

Einschlagen für Profis und wilde Tiere bei den Australian Open

Von David Vorholt, Melbourne

Auf dem Gelände sind die wilden Tiere los. Außerdem treibt der rote Dreck weiter sein Unwesen. Neben dem üblichen Spitzentennis schaue ich bei einer Practice session mal genauer vorbei und treffe einen jungen Mann, der ein Bomben-Tennis spielt. 

Was heißt eigentlich "G'day"?

"Guten Morgen!" oder auch "G'day!" - so hört man es nämlich in Melbourne, dem Austragungsort der Australian Open. Im australischen Slang wird das morgendliche "Good Day" etwas verschluckt. In diesem Sinne: G'day und viel Spaß bei unserer täglichen Kolumne!

Kapitel 1: Täglich grüßt der rote Dreck 

G’day! Wetter wieder top. Folgen von “dirty rain” beschäftigen uns trotzdem weiter. Autos, Bänke, Wege, Straßen. Das Zeug liegt überall. “Herald Sun” schreibt: “Waking up in gritty City”. Berichte über geschlossene Freibäder und rotes Wasser in Toilettenspülungen. Dazu Fotos vom brauen Yarra und dem dreckigen Pool bei Familie McCallum. Tochter und Freundin fürs Foto trotzdem reingesprungen. Melbourne nimmt “dirty rain” locker. No worrys

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Ash Barty spielt auf Rod Laver. Die Australierin heute zum ersten Mal nicht Aufmacher in den Zeitungen. Verwandelt Matchball nach gut anderthalb Stunden. Auf dem Garden Square vor der Rod Laver Arena Jubel. Aber keine Ekstase. Dafür war die Nummer zu sicher. Sonntag ist Australia Day. Barty spielt Achtelfinale. Mal gucken, was dann geht. 

Kapitel 2: “Versehentlich auch mal ein Winner”  

Außenplätze: "Not before 1 pm", wie es am Morgen heißt. Müssen erst sauber gemacht werden. Sonst ist der Wind hier oft das Problem. Heute der rote Dreck. Check auf Court 3. Alles okay. Platz gesäubert und bespielbar. Paar Spuren noch zu sehen, aber das geht.

Practice session. Verabredet mit Josh. 25 Jahre alt, echter Melbournian. Knallorange Saite, weißes Griffband am Schläger. Knallt der Schweizerin Belinda Bencic die Bälle um die Ohren. Aufschlag er, Return sie. Dann umgekehrt. Natürlich nur Training, aber sieht nach ausgeglichenen Verhältnissen aus. Eindruck täuscht sicher. Nicht aber bezüglich Joshs Technik. Schöner Schwung in der Vorhand, beidhändige Rückhand aus einem Guss. Macht großen Spaß, den beiden zuzusehen. 

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Darfst du auf Winner gehen, wenn du die Profis einschlägst? “Weiß ich nicht, habe ich noch nie gefragt”, sagt Josh: “Aber versehentlich ist da auch mal ein Winner dabei.” Herzhaftes Lachen. Heiterer Tag, heiterer Talk. “Ich bin kein Spieler”, hatte er reflexartig geantwortet, als ich ihn am morgen ansprach. “Weiß ich.” Er versteht sofort.

Viertes Mal Australian Open für ihn. Deutsche Spieler noch nie eingeschlagen. Aber Österreicher. “Liegt ja direkt nebenan.” Nicht nur Tennis-, sondern auch Geographie-Skills. Sympathischer Typ. Handynummern getauscht. Lose zu einer kleinen Einheit verabredet. Vielleicht wird’s ja was. Habe hier noch keinen Ball geschlagen. 

Dafür schlägt der Argentinier Diego Schwartzmann welche. Matchball im Tiebreak des dritten Satzes gegen Lajovic. Verwandelt. Game, Set, Match Schwartzmann. Spieler laufen zum Shakehands ans Netz. Tragen das exakt gleiches Outfit. Selten gesehen. Unterscheidbar nur über den enormen Größenunterschied. Heute ist der kleine Schwartzmann der große Sieger.

Kapitel 3: Wilde Tiere, wilde Szenen 

Großer Bahnhof im akkreditierten Bereich. Wo sonst die Spieler TV-Interviews geben, sind heute andere die Stars: Das Team von “Wild Action” und ihre Tiere. Exotische Vögel, Opossum, Mäuse. Sogar ein Wombat. Doch am beeindruckendsten sind Süßwasser-Krokodil Moriarty und Robby, der das Reptil hält. “Sie wird bis zu vier Meter lang und bis zu 120 Jahre alt werden”, erzählt Robby. Hat in Queensland studiert und stammt von der britischen Insel Jersey. Selber also auch so etwas wie ein Exot. 

Dieses Element beinhaltet Daten von Twitter. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

“Zuerst dachten wir, sie sei ein Männchen”, erzählt er: “Doch dann hat sie Eier gelegt. Wir haben sie dann Moriarty getauft.” Warum? “Der Boss ist riesiger Sherlock Holmes Fan.” Ah! Robby schwärmt für das Tier. Passt seine Körpertemperatur der jeweiligen Umgebung an und ist deswegen quasi überall überlebensfähig. Stammt aus der Nähe von Darwin im tropischen Norden Australiens. “Da gibt es jede Menge. Mittlerweile hat sie sich hier eingelebt, es geht ihr bestens”, sagt Robby.

Jetzt gerade auch? “Klar, wieso?” Wegen der vielen Menschen. Eng. Laut. Trubel. Kameras klicken im Dauerfeuer. Selfies. Geschrei. Alle fassen sie an. “Kein Problem, sie kennt das”, sagt Robby. Na dann. “Auch mal halten?” fragt er. Nein danke. Glaube zwar, dass alles okay ist und die Tiere das abkönnen, aber dieses ständige Anfassen und rumreichen will ich nicht unterstützen. Frage mich: Wer sind hier eigentlich die wilden Tiere? 

Kapitel 4: Tennis-Nostalgie vor der Night session  

Fest steht, dass die Tiere hier echt Stars sind. Laufen hier für nen Moment Federer, Nadal, Williams & Co. den Rang ab. Heute vor genau 32 Jahren zum ersten Mal Australian-Open-Finale hier im Melbourne Park. Mats Wilander schlägt Pat Cash in fünf Sätzen. Wilander ist hier. Steffi Graf zuvor locker mit 6:1, 7:6 den Titel gegen Chris Evert geholt. Graf meines Wissens nach nicht hier. Suche jetzt auf Youtube Highlights der beiden Partien. Danach Night session. Federer, Osaka und Tsitsipas. Görges hat den ersten Satz 6:1 gewonnen. 23 Minuten. Stark. Zweiten verloren. Im dritten Break hinten. Sieht nicht gut aus. Bis morgen - G’day! 

Stand: 24.01.2020, 10:25

Darstellung: