G'day Melbourne - Barty fliegt und gewinnt Herzen

Ash Barty und ihre Nichte Olivia

Australian Open 2020 Tagebuch

G'day Melbourne - Barty fliegt und gewinnt Herzen

Von David Vorholt, Melbourne

Die letzte Titelhoffnung der Australier verabschiedet sich aus dem Turnier. Sportlich und menschlich überzeugte Ash Barty über knapp zwei Wochen auf ganzer Linie. Auch andere überzeugen. Und das nicht nur auf dem Tennis-Court, sondern auch auf der Bühne. 

Kapitel 1: So nah und doch so fern  

Im "Duke of Wellington" laufen die Australian Open auf allen TV-Bildschirmen. Und davon gibt es im ältesten "Hotel", so nennen die Australier ihre Pubs, von Melbourne einige. Bei meinem Besuch während des Viertelfinals zwischen Federer und Sandgren platzte der "Duke" aus allen Nähten. Dazu Lea hinter dem Tresen. 26 Jahre alt, aus München. Auslandssemester in Melbourne. Australian Open bisher nur beim Public Viewing.

Kellnerin Lea: "Sehr international, aber auch super viele Aussies" Sportschau 30.01.2020 00:52 Min. Verfügbar bis 30.01.2021 Das Erste

Und das obwohl der "Duke" nur eine Tram-Station oder zehn Minuten zu Fuß von der Rod Laver Arena entfernt liegt. Vor den Halbfinals der Damen am elften Turniertag treffen wir uns zum Interview erneut im "Duke". 

Kapitel 2: Match verloren, Herzen gewonnen 

Weiter geht’s. Halbfinals stehen an. Weiter soll es natürlich auch für Ash Barty gehen. Halbfinale gegen US-Amerikanerin Sofia Kenin reine Formsache - so der Eindruck hier. Im "Herald Sun" ein interessantes Porträt des Teams hinter der Nr. 1 der Weltrangliste. Titel: "24-hour Barty people". Abgeleitet vom "Happy Mondays"-Song, "24-hour party people". Doch die Party crasht unerwartet. Barty unterliegt in zwei Sätzen

Pressekonferenz-Raum gerammelt voll. Alle warten auf Barty. Die kommt auch - aber nicht alleine. Mit dabei: Nichte Olivia. Zwölf Wochen alt. Raunen geht durch Raum. "Wo hast du dieses Baby gefunden", fragt ein Reporter der "New York Times". Lautes Lachen. Barty wirkt gelöst. Kein Frust. Match verloren, Herzen gewonnen. Größe in der Niederlage macht wahre Champions aus. Barty wird die Aus Open nicht gewinnen, hat aber durch ihr Tennis, ihre unkomplizierte Art und den Auftritt mit Olivia alles gewonnen, was es neben dem Titel zu gewinnen gibt. Bravo, Ash! 

Kapitel 3: Melbourne und die "alten Herren" 

Bravo auch an Rafael Nadal und Dominic Thiem: In der Night-Session zuvor ein Duell auf allerhöchstem Niveau. Die Rod Laver Arena auf dem Siedepunkt. Das Duell hatte eigentlich keinen Verlierer verdient. Muss aber einen geben - heute Nadal. Thiem folgt Alexander Zverev ins Halbfinale, trifft auf seinen "Buddy". Setzt nun die Dämmerung des Generations-Wechsels im Tennis wirklich ein? Die "alten Herren" können es noch, keine Frage. Sie sind aber nicht mehr unschlagbar, das wurde deutlich.

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Vor der entscheidenden Phase ein wenig Ablenkung gesucht. Sonne immer noch gnadenlos. Auf turniereigener Bühne: Billy Idol. "White Wedding", "Rebell Yell". Kurze Show, 45 Minuten. Dafür Vollgas von Anfang bis Ende. Top Sound, top Band, top Konzert. Auch dieser "alte Herr" hat es ohne Zweifel noch voll drauf. Vorher durchaus Zweifel gehabt. Zweifel beseitigt? Federer hat's auch noch drauf. Aber reicht es auch gegen Top-Favorit Djokovic? Nach dem Halbfinale wissen wir mehr. 

Was heißt eigentlich "G'day"?

"Guten Morgen!" oder auch "G'day!" - so hört man es nämlich in Melbourne, dem Austragungsort der Australian Open. Im australischen Slang wird das morgendliche "Good Day" etwas verschluckt. In diesem Sinne: G'day und viel Spaß bei unserer täglichen Kolumne!

Stand: 30.01.2020, 08:30

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