Australian Open - Zverev behält die Nerven

Alexander Zverev im Match gegen Jeremy Chardy bei den Australian Open 2019

2. Runde

Australian Open - Zverev behält die Nerven

Alexander Zverev ist nach der zweiten Runde der Australian Open der letzte verbliebene deutsche Starter im Herren-Einzel. Der 21-Jährige gewann mit 7:6 (7:5), 6:4, 5:7, 6:7 (6:8), 6:1 durch und ging durch Höhen und Tiefen. Am vierten Turniertag schieden zuvor Philipp Kohlschreiber und Maximilian Marterer aus.

Es war schon nach Mitternacht, als Alexander Zverev doch noch einen Weg in die nächste Runde fand. Der Jungstar aus Hamburg hatte gegen den Franzosen Jeremy Chardy eine vermeintlich komfortable Führung aus der Hand gegeben, schon wieder drohte eine Grand-Slam-Enttäuschung.

Doch diesmal setzte Zverev sich durch, am Ende profitierte er aber auch von der Erschöpfung seines Gegners. Für das 7:6 (7:5), 6:4, 5:7, 6:7 (6:8) und 6:1 brauchte Zverev 3:46 Stunden. Um 0.15 Uhr Ortszeit verwandelte der 21-Jährige seinen zweiten Matchball. Damit folgte der Weltranglistenvierte, der in diesem Jahr endlich seinen Durchbruch bei den Major-Turnieren feiern will, als einziger deutscher Tennisprofi der Wimbledonsiegerin Angelique Kerber in die dritte Runde.

Mehr als 50 vermeidbare Fehler

"Was für ein tolles Match. Jeremy hat so hart gekämpft, er ist ein unglaublicher Spieler, er hat den Top-Spielern schon so viel Mühe bereitet. Er ist ein unglaublicher Kämpfer", sagte Zverev. "Ich bin froh, dass ich überhaupt weiter bin."

Der 1,98-Meter-Mann trifft nun am Samstag (19.01.2019) auf den Australier Alex Bolt, der 155. der Weltrangliste war durch eine Wildcard ins Hauptfeld gekommen. "Eine unglaubliche Geschichte. Er hat vor ein paar Jahren mit dem Tennis aufgehört, jetzt ist er in der dritten Runde", sagte Zverev über seinen nächsten Kontrahenten. Ihm bietet sich die Chance, zum ersten Mal in seiner Karriere ins Achtelfinale von Melbourne einzuziehen. Die Qualität dazu besitzt der Sieger des ATP-Finals von London allemal, er muss sie nur abrufen.

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Gegen den zehn Jahre älteren Chardy wackelte der häufig mit sich selbst hadernde Zverev bedenklich. Auch Tennisexperte Boris Becker meinte: "Zverev muss manchmal etwas cleverer spielen." 13 Doppelfehler waren deutlich zu viel, insgesamt unterliefen Zverev mehr als 50 vermeidbare Fehler. Nachdem er im vierten Satz einen Matchball vergeben hatte, durfte er von Glück reden, dass Chardy die Kraft ausging. Nach den erlösenden Breaks zum 2:0 und 4:0 im entscheidenden Satz war der Sieg dann doch noch vor der Vier-Stunden-Marke perfekt.

Kohlschreiber verpasst die Chance

Der dreimalige Achtelfinalist Kohlschreiber unterlag zuvor in einem hart umkämpften Match João Sousa 5:7, 6:4, 6:7 (4:7), 7:5, 4:6. Kohlschreiber musste sich dem Portugiesen an einem schwül-heißen Tag nach 4:18 Stunden geschlagen geben. Ein Aufschlagverlust zum 1:2 im fünften Satz und eine verpasste Chance, zum 4:4 auszugleichen, brachten die Entscheidung. "Er hat zum großen Teil sehr gut aufgeschlagen. Ich habe wenig falsch gemacht", sagte der Davis-Cup-Spieler.

Der Nürnberger Marterer verlor derweil mit 6:7 (8:10), 6:7 (8:10), 7:5, 4:6 gegen den an Nummer 28 gesetzten Franzosen Lucas Pouille. Der 23 Jahre alte Linkshänder bot über weite Strecken eine gute Leistung in der engen Partie, konnte aber in beiden Tiebreaks Satzbälle nicht nutzen. Nach 3:22 Stunden nutzte Pouille seinen ersten Matchball.

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Acht Breakbälle nicht genutzt

Laura Siegemund

Laura Siegemund

Bei den Frrauen zog Laura Siegemund gegen Hsieh Su-Wei aus Taiwan nach 1:33 Stunden mit 3:6, 4:6 den kürzeren. Die 30-Jährige aus Metzingen war am Dienstag gegen die ehemalige Weltranglistenerste Wiktoria Asarenka aus Weißrussland ihr erster Grand-Slam-Sieg nach dem im Mai 2017 erlittenen Kreuzbandriss gelungen. Gegen die trickreiche Hsieh, mit der Siegemund in der Vergangenheit ab und zu gemeinsam im Doppel angetreten war, vergab sie zu viele Chancen.

Alleine acht Breakbälle ließ Siegemund liegen. Den Start ins Match verpasste sie komplett, schnell lag Siegemund nach nur sieben Minuten schon 0:3 zurück. Sie stemmte sich zweiten Satz zwar gegen das Aus, doch musste sich die letztjährige Achtelfinalistin geschlagen geben.

Nicht unzufrieden

"Sie ist eine Spielerin, gegen die fühlst du dich nie wohl. Man kriegt fast nie einen Ball, der angenehm ist", sagte Siegemund. Sie war über den verpassten Sprung in die dritte Runde zwar enttäuscht, aber nicht unzufrieden: "Für mich ist das trotzdem ein großer Erfolg. Ich bin auch zufrieden, wie ich heute gespielt habe."

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Sechs deutsche Spielerinnen hatten sich für das erste Major-Turnier der Saison qualifiziert. Damit ist Angelique Kerber, die am Freitag (18.01.2019) ihr Drittrundenmatch bestreitet, die letzte deutsche Spielerin im Turnier. Kerber trifft nach zwei klaren Siegen an ihrem 31. Geburtstag auf die australische Außenseiterin Kimberly Birrell.

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Djokovic kommt locker weiter

Der Weltranglistenerste Novak Djokovic ist ohne Satzverlust in die dritte Runde eingezogen. Der 31 Jahre alte Serbe setzte sich in Melbourne um 0.41 Uhr Ortszeit in einer Neuauflage des Endspiels von 2008 gegen Jo-Wilfried Tsonga (Frankreich) 6:3, 7:5, 6:4 durch. Djokovic gilt beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres als Top-Favorit auf den Titel, nachdem er 2018 in Wimbledon und bei den US Open triumphiert hatte. Mit einem siebten Triumph in Melbourne wäre der 31-Jährige dort alleiniger Rekordchampion.

Der Österreicher Dominic Thiem hat hingegen aufgegeben und ist damit als dritter Top-Ten-Spieler ausgeschieden. Der Weltranglistenachte brach die Partie gegen den Australier Alexei Popyrin beim Stand von 5:7, 4:6, 0:2 ab. Thiem hatte sich während der Partie behandeln lassen. Vor Thiem waren bereits Kevin Anderson (Südafrika/Nr. 5) und John Isner (USA/Nr. 9) gescheitert.

Auch der dreimalige Grand-Slam-Champion Stan Wawrinka ist weiterhin auf der Suche nach seiner Bestform. Der 33 Jahre alte Schweizer, der sich 2017 zweimal hatte am Knie operieren lassen, verlor gegen Milos Raonic aus Kanada 7:6 (7:4), 6:7 (6:8), 6:7 (11:13), 6:7 (5:7). Wawrinka hatte 2014 in Melbourne triumphiert.

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sid/dpa | Stand: 17.01.2019, 14:20

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