Australian Open - Tsitsipas macht "Little Athens" stolz

Stefanos Tsitsipas

Grand-Slam-Turnier in Melbourne

Australian Open - Tsitsipas macht "Little Athens" stolz

Der 20-Jährige Stefanos Tsitsipas steht überraschend im Halbfinale der Australian Open. Wer ist dieser Mann, der in Melbourne von zahlreichen Fans unterstützt wird? Und was hat er Alexander Zverev voraus?

"Little Athens" ist in heller Aufregung. Die Cafés, Tavernen und Restaurants auf der Lonsdale Street in Melbournes Innenstadt rüsten sich für das Halbfinale bei den Australian Open. 150.000 Einwohner mit hellenischen Wurzeln leben in der Metropole, Melbourne gilt als die von den meisten Griechen bewohnte Stadt außerhalb Europas.

Eigentlich interessieren sich die meisten der Melbourner Exil-Griechen nicht sonderlich für Tennis. Doch das ist in diesem Jahr anders. Völlig überraschend hat es Stefanos Tsitsipas in die Runde der letzten vier Spieler geschafft. Er steht als erster Grieche überhaupt in einem Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier.

Noch kein Grieche war so gut

Zwei Tage nach seinem überraschenden Erfolg über den Schweizer Titelverteidiger Roger Federer setzte sich der 20-Jährige am Dienstag (22.01.2019) auch gegen Roberto Bautista Agut aus Spanien durch. Nach 3:15 Stunden hieß es 7:5, 4:6, 6:4, 7:6 (7:2). Im Halbfinale spielt er am Donnerstag gegen den 17-maligen Grand-Slam-Champion Rafael Nadal aus Spanien um den Einzug ins Endspiel.

Tsitsipas ist nicht nur der erste Grieche, sondern auch der jüngste Halbfinalist bei den  Australian Open seit Andy Roddick (USA) vor 16 Jahren. Er gilt als einer der hoffnungsvollsten Spieler der neuen Generation, als einer der "jungen Wilden", die sich anschicken, die Topspieler um Nadal, Federer und Novak Djokovic von der Weltspitze zu verdrängen. Im Achtelfinale gegen Federer sah Tennis-Ikone John McEnroe schon "die Wachablösung". Boris Becker nannte den Auftritt gegen den Schweizer "sagenhaft".

Stefanos Tsitsipas begeistert die Tennis-Welt

Sportschau 22.01.2019 02:04 Min. ARD

2018 durchgestartet

Tsitsipas selbst kann das alles noch nicht so recht glauben, was ihm da in Melbourne in diesen Tagen widerfährt. "Ich bin der glücklichste Mensch auf der Erde. Es gibt nichts, um das zu beschreiben", sagt er: "Es fühlt sich an wie ein Märchen. Das ist, wofür ich gearbeitet habe."

Erst 2017 feierte der Athener seine Premiere auf der ATP-Tour. Schon ein Jahr später hatte er die ersten Erfolge: Im April schaffte er es in Barcelona ins Finale, wo er Nadal unterlag. Im August räumte er beim Masters in Toronto mit Dominik Thiem, Dokovic, Alexander Zverev und Kevin Anderson nacheinander vier Spieler aus den Top 10 ab und wurde erst im Finale gestoppt - erneut von Nadal. Im Oktober gewann er dann in Stockholm sein erstes ATP-Turnier. Und jetzt Melbourne, Halbfinale.

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Eltern spielen beide Tennis

Schon vor dem Turnier war er im Ranking erstmals unter die besten 15 Spieler der Welt gekommen, jetzt wird er in der Weltrangliste noch weiter nach oben klettern.

Mit dem Tennis begann der 1,93 Meter große Rechtshänder im Alter von drei Jahren. Seine Mutter Julija Salnikova-Tsitsipas ist eine ehemalige russische WTA-Spielerin, sein Vater ist Tennislehrer. Wäre das nicht so, dann wäre Tsitsipas vielleicht beim Fußball oder Basketball gelandet. So wie viele griechische Jungs, denn Tennis ist nicht sonderlich populär.

Ruhe in kritischen Situationen

Was den Griechen ausmacht, ist seine Ruhe in kritischen Situationen. Während Zverev, ein anderer aufstrebender Jungstar, wutentbrannt seinen Schläger zertrümmert, behält Tsitsipas die Nerven. Hinzu kommt ein schier unerschütterlicher Glaube an sich selbst. Von sieben Tiebreaks, die er in Melbourne bisher zu spielen hatte, verlor er nur zwei. Sein Spiel ist schon sehr ausgereift, die einhändige Rückhand ist gefürchtet, er kommt oft und gerne ans Netz. Sein Aufschlag ist teilweise krachend.

Was er noch ablegen muss, ist sein Respekt. Vor dem Spiel gegen Federer sagte er, es sei einfach nur "verrückt", auf dem Center Court gegen "die Legende" Federer zu spielen. Es sei "nicht einfach gegen Leute zu spielen, die man so oft im Fernsehen gesehen hat", sagte Tsitsipas.

Zahlreiche Fans in der Arena

Doch er ist auf dem besten Weg, seine Bewunderung abzulegen. Djokovic und Federer hat er schon geschlagen, Nadal fehlt ihm noch. Im Halbfinale hat er jetzt die Gelegenheit, den Spanier erstmals zu besiegen.

In der Rod-Laver-Areana werden dann wieder zahlreiche griechische Fans sein, die ihren Landsmann frenetisch anfeuern werden. Wer keine Eintrittskarte ergattern kann, verfolgt die Partie im Melbourne Park. Schon im Viertelfinale gegen Agut waren zahlreiche Fans ohne Ticket angereist. Und der Rest - der sitzt in den Tavernen auf der Lonsdale Street.

vdv/sid/dpa | Stand: 22.01.2019, 10:00

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