Grand Slam wohl um drei Wochen verschoben

Australian Open - besser spät als nie

Von Jörg Strohschein

Die Australian Open werden aller Voraussicht nach um drei Wochen nach hinten verschoben. Corona erfordert für das Turnier wieder besondere Sicherheits- und Hygieneumstände. Die Spieler sind froh, wieder ihren Job ausüben zu können.

Die Saisonvorbereitung hat für die Tennisprofis bereits wieder begonnen. Auch wenn die Restriktionen für die Amateurspieler in Deutschland keinen Spielraum lassen, so können Kader- und Berufsspieler zumindest was die Trainingseinheiten angeht an sich und ihrer Form arbeiten. Das ist auch notwendig, denn das neue Jahr steht bereits in den Startlöchern - und damit eine neue Tennissaison, von der noch niemand genau weiß, wie sie sich wegen der Corona-Pandemie darstellen wird.

Das erste große Highlight, die Australian Open, finden eigentlich traditionell im australischen Sommer im Januar statt. Nun soll das erste Grand-Slam-Turnier rund drei Wochen später beginnen. Das geht aus einem Brief von Turnierdirektor Craig Tiley an die Spielerinnen und Spieler hervor, aus dem die australischen Zeitungen "The Age" und "Sydney Morning Herald" am Mittwoch (01.12.2020/Ortszeit) berichteten. "Es hat eine Weile gedauert. Aber die großartige Nachricht ist, dass es so aussieht, dass wir in der Lage sind, die Australian Open vom 8. Februar an stattfinden zu lassen", heißt es in dem Brief von Tiley. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus, soll aber in Kürze verkündet werden.

Noch sollen Spieler keine Reise buchen

"Man musste sich da ja an die australische Regierung halten. Denn der Bundesstaat Victoria ist ja coronafrei, und die Behörden haben diese Auflagen gemacht und das Turnier nach hinten geschoben", sagt Michael Kohlmann, Davis-Cup -Kapitän und nach dem kürzlichen Rückzug von Boris Becker als Head of Mens Tennis alleiniger Verantwortlicher für das deutsche Herrentennis, sportschau.de.

Während Flüge für Privatleute ab dem 7. Dezember wieder nach Melbourne (im Bundesstaat Victoria, im Südosten Australiens gelegen) möglich sind, teilte der Tennisweltverband ATP den Spielern in der vergangenen Woche allerdings mit, dass die Quarantänezeit für die Australian Open voraussichtlich am 8. Januar 2021 beginnen wird. Der Weltverband riet aber (noch) davon ab, eine Reise zu buchen.

Training während der Quarantäne-Zeit möglich

Zwei Wochen soll die Quarantänezeit für die Spieler betragen. Allerdings sollen sie die Möglichkeit bekommen, das Hotelzimmer für fünf Stunden täglich zu verlassen und zu trainieren. "Das ist sicher einer der wichtigsten Aspekt für die Spieler, dass sie in den zwei Quarantäne-Wochen dann auch Bälle schlagen können. Zwei Wochen im Hotelzimmer zu bleiben, um dann ein Grand Slam mit Best-of-five-Matches zu spielen, ist eigentlich nicht möglich", sagt Kohlmann. "Das war die Voraussetzung für die Spieler. Unter anderen Umständen wäre das Turnier vermutlich nicht zustande gekommen, so ist das ein ordentlicher Weg."

Regelmäßige Corona-Tests sind für die Profis und deren kleine Teams drumherum obligatorisch. Aber auch die individuellen Reisegruppen werden wieder stark eingegrenzt sein. Das hängt auch damit zusammen, dass die Anzahl der Personen, die überhaupt nach Australien einreisen dürfen, derzeit noch streng begrenzt ist. Wie genau die zusätzliche Personenzahl pro Spieler festgelegt wird, wurde noch nicht kommuniziert. Allerdings sind die Spieler diese Beschränkungen bereits aus diesem Jahr von den US Open sowie den French Open gewohnt.

Vorbereitungsturniere außerhalb Australiens?

Michael Kohlmann beim Davis Cup in Belgien | Bildquelle: dpa/ Arne Dedert

Zudem wird es anders als etwa in New York für die Top-Stars keine Möglichkeiten geben, einen anderen Wohnort als eines der von den Veranstaltern ausgewählten Hotels aufzusuchen. Der Weltranglistenerste Novak Djokovic etwa hatte sich am Rande des "Big Apple" Ende August/Anfang September ein Haus gemietet und dort seine Zeit außerhalb des Turniers verbracht. Das hatten die Veranstalter damals erlaubt.

Wie die Spieler, die noch nicht für die Australian Open qualifiziert sind, womöglich noch an diesem Grand-Slam-Turnier teilnehmen können, steht noch nicht fest. "Es gibt derzeit noch Gerüchte, dass eine Qualifikation außerhalb Australiens ausgespielt werden soll", sagt Kohlmann. Spekuliert wird derzeit über Veranstaltungen in Doha und Dubai. "Es soll aber auch noch ein Vorbereitungsturnier in Victoria geben."

Die traditionsreichen Sommer-Turniere in den Städten Adelaide, Brisbane und Hobart, die alle außerhalb von Victoria liegen, waren ohnehin schon abgesagt worden, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Ersatzturniere sollen ausschließlich in diesem einen Bundesstaat stattfinden.

Für die Spieler bedeutet die Austragung wieder ein Stück Normalität. "Generell sind alle Spieler froh, ihren Job ausüben und spielen zu können. Vor allem sind die größeren Turniere ja auch finanziell lukrativ", sagt Kohlmann. Im vergangenen Jahr erhielten die Teilnehmer an der ersten Runde allein 90.000 australische Dollar (knapp 55.000 Euro). Neben der Freude am Spiel dürfte so mancher nicht so gut situierte Profi die lange und beschwerliche Reise nach "Down Under" sowie die besonderen (Quarantäne-) Umstände vor Ort dann aber doch ganz gerne auf sich nehmen.