Alexander Zverev - Ohne Stress durch die Australian Open

Alexaner Zverev bei den Australian Open 2020

Geringe Erwartungshaltung

Alexander Zverev - Ohne Stress durch die Australian Open

Von Jörg Strohschein

Alexander Zverev steht erstmals im Viertelfinale der Australian Open. Der 22-Jährige hat mittlerweile die Stabilität und Konstanz, die man für ein Grand-Slam-Turnier benötigt. Womöglich, weil er seine Herangehensweise völlig verändern musste.

Es war schon fast rührend, wie eng und dauerhaft sich Andrej Rubljow und Alexander Zverev nach dem Ende des Matches umarmten. Selbst in diesem Individualsport Tennis, bei dem es in erster Linie um den persönlichen Erfolg geht, gibt es hier und da echte und langjährige Freundschaften. Rubljow und Zverev war anzusehen, dass sie es ernst meinten. Zverevs 6:4; 6:4; 6:4-Erfolg gegen Rubljow schmerzte den Russen zwar sichtlich, aber er konnte auch irgendwie damit leben.

Die bei Tennisspielern üblichen und zumeist auch notwendigen Egoismen spielten in diesem besonderen Moment keine Rolle. Beide kennen sich schließlich seit Kindertagen, haben im Gleichschritt den Weg über unendlich viele Kinder- und Jugendturniere ins Profitennis gefunden. Da Zverev russische Wurzeln hat, spricht er die Sprache Rubljows.

Die Zverev-Überraschung in Australien

Sportschau 28.01.2020 01:36 Min. Verfügbar bis 28.01.2021 ARD Von Ina Kast

"Ich habe ihm gesagt, dass wir stolz sein können, was wir erreicht haben. Wir spielen die größten Matches auf der Welt. Und wir können noch viel größere Matches spielen. Wir sind ja noch relativ jung", erläuterte Zverev.

Der Verzweiflung nahe

Zverev hatte mit diesem Erfolg über seinen Freund tatsächlich das Viertelfinale dieses Grand-Slam-Turnieres erreicht. Das erste Mal in in seiner Karriere. Das ist deshalb so erwähnenswert, weil vor diesem Turnier wohl nicht mal er selbst auf sich gewettet hätte. Sein Start in das Jahr war derart desaströs, dass er die Selbstzweifel nicht verhehlen konnte. Drei Niederlagen in Folge beim ATP-Cup hatten ihm vor allem mental arg zugesetzt.

"Beim ATP-Cup habe ich so schlecht gespielt. Da habe ich dann gedacht: Okay, wenn das nicht besser wird, fahre ich nach Hause und ruhe mich ein bisschen aus und gehe mit meinen Hunden in den Wald", berichtete er.

Arbeit statt Resignation

Alexander Zverev retourniert im Match gegen Egor Gerasimov bei den Australian Open 2020

Alexander Zverev spielt einen krachenden Return.

Die unerklärliche Flut von Doppelfehlern vor den Australian Open schien sich einfach nicht stoppen zu lassen. Seine Unsicherheit bei den Grundschlägen sowie seine verzweifelte Suche nach der richtigen Taktik taten ihr Übriges zur scheinbar völligen Desorientierung auf den Hartplätzen in "Down Under".

Zverev hat trotz aller Negativerfahrungen aber keineswegs den Kopf in den Sand gesteckt und die vorzeitige Heimreise angetreten. Vielmehr hat er daran gearbeitet, sich wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Seine Mittel gegen den scheinbaren Kontrollverlust: "Ich habe viel gemacht, viel trainiert und habe versucht, mich zu verbessern. Ich bin nicht mit riesengroßen Erwartungen ins Turnier gegangen. Ich habe mir gedacht, andere spielen besser als ich, was auch am Anfang des Turniers so war. Ich wollte mal von Match zu Match schauen und gar nicht weiter", sagte er.

Grand-Slam-Titel eine logische Folge

Diese Zurückhaltung scheint Zverev bei diesem Turnier gut zu tun. Denn eigentlich fordern nicht nur Tennisexperten von ihm, dass es so langsam an der Zeit wäre für ihn, einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Vor allem der 22-Jährige selbst war stets der Meinung, dass die Zeit so langsam für ihn reif ist. Schließlich hatte er schon drei 1000er-Turniere, die eine Kategorie unter den Grand Slams angeordnet sind, sowie die ATP-Finals in Paris für sich entschieden. Damit wäre der logische Schluss ein Erfolg bei einem Major-Turnier.

Dieses Szenario hatte Zverev in der Vergangenheit offenbar mental stark zugesetzt. Von einem Titel bei einem der vier großen Turniere war er stets weit entfernt. Auch wenn sein umfangreiches Können etwas anderes erwarten lässt. Diesen innerlichen Stress scheint er derzeit nicht zu empfinden.

Zverev: "Bin glücklich, das sieht man auf dem Platz"

Sportschau 28.01.2020 01:32 Min. Verfügbar bis 28.01.2021 ARD Von Ina Kast

In der Nacht zu Mittwoch (29.01.2020) ab 4.30 Uhr ist Stan Wawrinka Zverevs Gegner im Viertelfinale. Gegen den Schweizer hat er in zwei Partien zweimal gewonnen, die Chance, erstmals ein Halbfinale bei einem Grand-Slam-Turnier zu erreichen, ist durchaus gegeben. Sollte Zverev die Australian Open gewinnen, hat er angekündigt, das gesamte Preisgeld für die Leidtragenden der australischen Buschfeuer zu spenden. Immerhin 4,12 Millionen australische Dollar (rund 2,5 Millionen Euro). "Ich habe noch nie wegen des Geldes Tennis gespielt", sagte Zverev.

Stand: 28.01.2020, 12:01

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