Zverev über neuen Trainer: "David ist perfekt für mich"

Alexander Zverv auf einer Pressekonferenz

David Ferrer trainiert Deutschlands Nummer eins

Zverev über neuen Trainer: "David ist perfekt für mich"

Von Jannik Schneider

Nach den Verfehlungen im Umgang mit dem Coronavirus hatte sich Alexander Zverev wochenlang zurückgezogen. Zurück auf dem Platz, erklärt er jetzt was er von seinem neuen Trainer - David Ferrer - lernen will. Zur Adria Tour und seiner Quarantäne schweigt die deutsche Nummer eins weiter.

Nein, öffentlich gesprochen hat in den vergangenen Wochen niemand. Nicht Deutschlands bester Spieler Alexander Zverev selbst. Nicht Ex-Profi und Neu-Trainer David Ferrer. Und ebenfalls nicht das gut informierte Team der Beiden. Nach Zverevs zahlreichen Verfehlungen im Umgang mit dem Coronavirus verwundert das nicht.

Am Rande seines ersten öffentlichen Auftritts am Wochenende beim "Ultimate Tennis Showdown" in Nizza (den Zverev gewann), sprach er über sportliche Belange und die Fragezeichen hinter den avisierten US Open. Kritische Fragen zur jüngsten Vergangenheit waren untersagt. Als es dennoch ein Journalist versuchte, brach Zverev die Gesprächsrunde lächelnd ab.

Zverev gewinnt Showturnier in Nizza Sportschau 03.08.2020 00:40 Min. Verfügbar bis 03.08.2021 Das Erste

Zverev will nur über Ferrer sprechen

Öffentliche Reue und eine Entschuldigung, wie sie weite Teile der Öffentlichkeit von Zverev fordern, scheinen nicht auf dessen Prioritätenliste zu stehen. Die deutsche Nummer eins möchte sich vor dem möglichen Re-Start der Tour keine Blöße geben. Es soll für ihn nur um den Sport und den neuen Trainer gehen - so auch gegenüber der Sportschau.

Der Halbfinalist der diesjährigen Australian Open weiß, dass die zweiwöchige Probephase mit David Ferrer viele überraschte: "Aber als ich vor einigen Wochen nach einem weiteren Teammitglied gesucht habe, musste ich andauernd an Davids Professionalität denken. Und an seine Gabe, immer alles aus seinen körperlichen und spielerischen Voraussetzungen herausquetschen zu können."

Zverev: "Unsere Persönlichkeiten und Ziele passen gut zusammen"

Nachdem sich diese Gedanken gefestigt hatten, wurden Gespräche geführt. "Da wurde schnell klar, dass unsere Ziele und unsere Persönlichkeiten gut zusammenpassen", so Zverev. Nach einer erfolgreichen Verhandlung steht ein Gerüst für die Zusammenarbeit. Ferrer wollte noch am Sonntag (02.08.2020) nach Frankreich zu Zverev reisen, um gleichberechtigt an der Seite von Vater Alexander Zverev senior Einfluss zu nehmen.

Für Kontinuität auf der Trainerposition sorgt der Vater, der seine beiden Söhne Mischa (32) und Alexander von klein auf betreut hat. Das Verhältnis gilt - trotz regelmäßiger Streitereien - als innig. Neben diesen einflussreichen Konstanten, die es für weitere Trainer im Team nicht leicht macht, hat Zverev mit Juan Carlos Ferrero und Ivan Lendl bereits zwei sehr prominente Namen als Honorartrainer verschlissen.

Prominente Trainerhistorie

Ferrero, der 2003 die French Open gewann und Rang eins in der Weltrangliste einnahm, wurde 2017 nicht zum fehlenden Puzzleteil für durchschlagenden Erfolg bei den Grand-Slam-Turnieren. Stattdessen endete die Liaison mit fünf Titeln aber weiteren Enttäuschungen bei Majorturnieren nach den Australian Open 2018 in einer von Zverev öffentlich initiierten Schlammschlacht über Pünktlichkeit und generelle Respektlosigkeit.

Ähnlich endete es mit Lendl. Nach Zverevs größtem Karriereerfolg bei den ATP-Finals in London 2018, ging auch diese vielversprechende Zusammenarbeit in die Brüche. Es soll damals um zu hohe Honorarzahlungen an Lendl gegangen sein. Zverev äußerte sich am Hamburger Rothenbaum despektierlich über Lendl, der die Zusammenarbeit daraufhin kommentarlos beendete.

Zverev: "Ferrer mental einer der stärksten"

Auch Alexander Zverev selbst freut sich auf die Zusammenarbeit: "Ich habe David während seiner gesamten Karriere verehrt", erklärt er: "Ich meine, er hat sich mehr als eine Dekade in den Top 10 gehalten. Jeder wird mir zustimmen, wenn ich sage, dass David einer der mental stärksten Spieler auf der Tour war."

Ob das für Zverev, der seit anderthalb Jahren immer mal wieder erhebliche Probleme mit seinem Aufschlag hat, reicht? Zverevs weitere Ziele sind ein besserer, schnellerer Übergang zum Netz und generell eine offensivere Spielweise. Ferrer war eher für beispiellose Konstanz und Disziplin bekannt, gepaart mit einer guten Grundausdauer, die nur von Nadal und Djokovic übertrumpft wurde. Der ehemalige Weltranglistendritte stand stets im Schatten der Konkurrenten Federer, Nadal, Djokovic.

Diese eine spielerische Waffe, wie sie bei Zverev der Aufschlag und ebenfalls die beidhändige Rückhand sein kann, hatte Ferrer nicht. Zverev ist dennoch überzeugt: "Um mein Spiel auf das nächste Level zu heben, mochte ich jemanden, der in der gleichen Position gewesen ist."

Zverev suche jemanden, der vergleichsweise jung ist und "das stundenlange Training auf dem Platz genießt." Das alles verkörpere David Ferrer, da sei er sich nach der Probephase jetzt sicher: "Ich bin ein Spieler, der Wiederholungen braucht. In dieser Hinsicht ist David perfekt für mich."

Stand: 03.08.2020, 12:30

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