Bildmontage mit Colin Kaepernick und Donald Trump

College, BBL, Gewerkschafter: Johannes Herber im Porträt

Reportage "Halt die Klappe und spiel!"

College, BBL, Gewerkschafter: Johannes Herber im Porträt

Johannes Herber, Protagonist in der Reportage "Halt die Klappe und spiel!", hat 74 Mal für Deutschland gespielt, seine Basketball-Karriere aber in den USA gestartet. Politisch interessiert war er schon damals.

Morgantown ist eine 30.000-Einwohner-Stadt im ländlichen West Virgina, USA. Vier Jahre lang war sie Herbers Heimat, als er Anfang der Nullerjahre die West Virginia University besuchte. Er studierte Politikwissenschaften und spielte Basketball - beides mit vollem Einsatz und auf hohem Niveau. "Ich habe mich immer mit Amerika und den Widersprüchen, die dieses Land hat, auseinandergesetzt", sagte Herber im ARD-Interview.

College-Basketball ist extrem beliebt in den USA, Herber spielte in der NCAA vor 15.000, manchmal 20.000 Zuschauern in großen Arenen. Kein Vergleich zum Jugend- und Zweitligabasketball, den er bis dahin aus deutschen Turnhallen gekannt hatte. Herber ist am 17. Januar 1983 in Darmstadt zur Welt gekommen, spielte anfangs beim TV Langen.

Herber mittendrin in der "March Madness"

Sein US-Abenteuer, laut eigener Aussage die schönste Zeit seiner Karriere, endete mit einem Highlight: Herber schaffte es mit West Virginia ins Achtelfinale des Meisterschaftsturniers, das jedes Jahr als "March Madness" weite Teile des Landes in Aufruhr versetzt. In den Hörsälen gab's Applaus für Herber und Co., bei der Rückkehr warteten 500 Fans am Flughafen.

Dirk Nowitzki (l.) und Johannes Herber in einem Länderspiel 2011

Dirk Nowitzki (l.) und Johannes Herber in einem Länderspiel 2011

2006 kehrte der 1,97 Meter große Shooting Guard nach Deutschland zurück. Im Gepäck: intensive Erinnerungen und ein sehr guter Bachelor-Abschluss - das ESPN-Magazin hatte ihn sogar als "Academic All-American of the Year" ausgezeichnet. Herber unterschrieb einen Profivertrag bei ALBA Berlin, spielte später noch in Tübingen und bei den Frankfurt Skyliners, lief für Deutschland oft auch an der Seite von Dirk Nowitzki auf. 2012 beendete Herber nach 120 BBL- und 74 Länderspielen seine Laufbahn. Eine Serie von Verletzungen und zahlreiche Reha-Maßnahmen hatten ihm den Spaß genommen, auch aus Rücksicht auf seinen Körper machte er mit 29 Jahren Schluss mit Basketball.

Buch-Autor und Gewerkschafter

Seine ereignisreiche Karriere brachte er zu Papier, veröffentlichte 2014 sein Buch: "Almost Heaven: Mein Leben als Basketballprofi". Heute arbeitet er in der Schweiz für die internationale Spielergewerkschaft World Players Association, die den Anspruch hat 85.000 Spieler aus 100 Spielergewerkschaften in mehr als 60 Ländern zusammenzubringen.

Rückkehr in die USA für Dokumentationsfilm

Und jetzt ist er für die ARD gemeinsam mit dem Dokumentarfilmer Sven Strowick in die USA zurückgekehrt, um sich ein Bild zu verschaffen. Denn die politische Lage und die Situation im Sport beschäftigen ihn. Zu Beginn der Reportage sagt er: "Das Amerika unter Trump ist zerrissen. Diese Spaltung: Warum auch im Sport? Sollten hier die Menschen nicht zusammenkommen? Und was hat Trump davon? Was hat er im Sport zu suchen? Ich bin unterwegs, ich will den Dingen näherkommen. Den Fans, den Spielern, den Trainern. Den Wählern, ob Republikaner oder Demokrat. Was denken sie darüber? Sport und Politik? Und über den Protest von Colin Kaepernick, mit dem alles begann?"

Sehen Sie hier die Reportage: "Halt die Klappe und spiel! Eine Reise durch das zerrissene Sportland USA" (47 Min.).

Johannes Herbers Basketball-Karriere
StationZeitraum
TV Langen1996 - 2002
West Virginia University2002 - 2006
ALBA Berlin2006 - 2010
Walter Tigers Tübingen2010 - 2011
Fraport Skyliners Frankfurt2011 - 2012
Deutschland (74 Spiele)2004 - 2011

Stand: 23.03.2019, 15:00

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