Schwimm-WM - Freiwasser-Asse im Fokus

Freiwasser-Schwimmer Florian Wellbrock

Weltmeisterschaften in Südkorea

Schwimm-WM - Freiwasser-Asse im Fokus

Bei den Schwimm-Weltmeisterschaften im südkoreanischen Gwangju sind die deutschen Beckenschwimmer nur Außenseiter. Auch Wasserspringer Patrick Hausding zählt sich nicht zum Favoritenkreis. Im Fokus stehen die Freiwasser-Schwimmer, die auch um Olympia-Tickets kämpfen.

Anderthalb Jahre nach den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang steht für Südkorea das nächste sportliche Großereignis vor der Tür. Die Schwimm-Elite misst bei den Weltmeisterschaften vom 12. bis zum 28. Juli in der südwestlichen Stadt Gwangju ihre Kräfte. Mit 2623 gemeldeten Athleten aus 194 Ländern verspricht der Weltverband FINA eine rekordverdächtige Teilnehmerzahl. Aus sportlicher Sicht stehen die Wettbewerbe ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio besonders im Fokus.

Bevor die Medaillen im Becken in der zweiten Woche vergeben werden, stehen andere Sportarten im Vordergrund. Den Auftakt machen die Wasserspringer und die Synchronschwimmerinnen. Die Freiwasserschwimmer sind in Yeosu ebenfalls bereits am ersten WM-Wochenende gefordert. Zudem wird bei den internationalen Titelkämpfen Wasserball gespielt, und die Klippenspringer wollen für spektakuläre Bilder sorgen.

Stars der Szene mit dabei

Zahlreiche Stars der Szene sind dabei. So will der britische Weltrekordhalter und Weltjahresbeste über 100 Meter Brust, Adam Peaty, wieder für Furore sorgen. Aus den USA sind unter anderen die Vierfach-Olympiasiegerin von Rio de Janeiro, Katie Ledecky, der siebenfache WM-Titelverteidiger Caeleb Dressel und Lagen-Ass Chase Kalisz nominiert. Der ungarische Altmeister Laszlo Cseh und seine Teamkollegin und Multikönnerin Katinka Hosszu haben ebenfalls Starts geplant.

Deutsche Chancen eher mau

Mit insgesamt 61 Athleten reist der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) nach Gwangju. Die Medaillenchancen sind höchst überschaubar. Die größten Hoffnungsträger sind Wasserspringer Patrick Hausding und Florian Wellbrock, der 2018 in Glasgow Europameister über 1500 Meter Freistil geworden war. Der 21-Jährige will zuerst im Freiwasser über zehn Kilometer eine Medaille holen, danach kämpft er über 800 und 1500 Meter Freistil aussichtsreich um Edelmetall. Sollte "der doppelte Wellbrock" tatsächlich doppelten Erfolg haben, wäre das einmalig im deutschen Schwimmsport.

Nach einem bislang schweren Jahr mit zahlreichen Verletzungen zählt sich Hausding nicht zu den absoluten WM-Topfavoriten. "Nach dieser holprigen Saison muss schon vieles passen für eine Medaille", sagte der 30-Jährige: "Aber es kann immer alles passieren." Hausding will vom Ein-Meter-Brett sowie vom Dreier und im Synchronwettbewerb mit Lars Rüdiger aus drei Metern Höhe starten.

Die Vizeweltmeisterin und einzige deutsche Medaillengewinnerin bei der vergangenen WM im Becken Franziska Hentke über 200 Meter Schmetterling, Brustschwimmer Marco Koch und Lagen-Ass Philip Heintz können ebenfalls vorn mitmischen. Und die anderen? Die deutschen Wasserballer freuen sich auf ihre erste WM-Teilnahme seit 2013. Zwei deutsche Synchronschwimmerinnen wollen im nächsten Jahr die lange Durststrecke ohne deutsche Olympia-Teilnahme beenden und sich auf dem Weg dahin bei der WM zeigen.

Freiwasser-Schwimmer kämpfen um Olympiatickets

Für die Freiwasser-Schwimmer geht es auch um die Olympia-Tickets für Tokio 2020. Über die zehn Kilometer werden jeweils zehn Olympia-Startplätze vergeben. Der DSV hofft auf vier Olympiatickets im Freiwasser. "Ich bin überzeugt, dass wir mit Leonie Beck und Finnia Wunram sowie Florian Wellbrock und Rob Muffels vier Topsportler am Start haben, die das Zeug dazu haben, unter die Top 10 zu schwimmen", sagte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz.

Keine konkreten Zielvorgaben

Mit konkreten Vorgaben hält sich der Direktor Leistungssport Thomas Kurschilgen ansonsten zurück. Er fordert nur, die Athleten sollen "mit Sympathie und Leidenschaft antreten, mit Stolz ihr Land und ihren Verband repräsentieren und für spannende Wettkämpfe sorgen."

DSV mit Problemen zur WM

Grund für diese Bescheidenheit sind die mäßigen Leistungen in jüngster Vergangenheit. Doch auch die Außendarstellung des Verbandes lässt zu wünschen übrig. Ende 2018 trat Präsidentin Gabi Dörries zurück, kurz danach verkündete Chefbundestrainer Henning Lambertz das Ende seiner Amtszeit. Ein neues Oberhaupt hat der DSV noch immer nicht, sucht aber mit einer Findungskommission. Die Aufgaben des Becken-Bundestrainers wurden aufgeteilt. Bernd Berkhahn als Teamchef und Hannes Vitense als Teamcoach führen das sogenannte "Team Tokio 2020", das die dritte olympische Nullnummer in Folge für deutsche Beckenschwimmer verhindern soll.

Getrübte Vorfreude

Ein wenig getrübt wird die Vorfreude in Südkorea durch das Fehlen des Nachbarlandes. Alle Aufrufe in Richtung Nordkorea, eigene Sportler zu schicken, verhallten. Unter dem Slogan "Dive into Peace" ("Sprung in den Frieden") sollte die WM nicht nur aus organisatorischer Sicht an die erfolgreiche Ausrichtung der Spiele von Pyeongchang anknüpfen. Die Winterspiele hatten auch die innerkoreanische Annäherung weitergebracht. 

vdv/sid/dpa | Stand: 10.07.2019, 08:30

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