Köhler schwimmt zu WM-Silber

Sarah Köhler

Schwimm-WM in Südkorea

Köhler schwimmt zu WM-Silber

Sarah Köhler hat bei den Weltmeisterschaften in Gwangju die erste Medaille für die deutschen Schwimmer im Becken gewonnen. Die Wasserballer mussten sich trotz starker Leistung im WM-Viertelfinale gegen Weltmeister Kroatien geschlagen geben.

Köhler gewann bei der WM in Südkorea Silber über 1.500 m Freistil. Die 25-Jährige schlug am Dienstag (23.07.2019) nach 15:48,83 Minuten an und blieb dabei klar unter dem deutschen Rekord. Sie musste sich nur mit rund acht Sekunden Rückstand der Italienerin Simona Quadarella geschlagen geben.

Zweite Medaille für Köhler in Gwangju

Köhler sorgte damit für die erste Medaille der deutschen Beckenschwimmer bei den Titelkämpfen in Gwangju. Für die EM-Zweite selbst war es der größte internationale Erfolg im Becken. In der vergangenen Woche hatte sie Gold mit der Freiwasser-Staffel gewonnen. Über 1.500 m Freistil war es die erste deutsche Medaille seit 2003.

Köhler füllte das WM-Konto des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) auf nun sieben Medaillen auf. In der vergangenen Woche hatten die Freiwasserschwimmer mit zweimal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze mächtig vorgelegt. Zudem steuerten die Wasserspringer Tina Punzel und Lou Massenberg eine Bronzemedaille bei.

Viertelfinal-Aus für Wasserballer

Marko Stamm in Aktion

Marko Stamm in Aktion

Die deutschen Wasserballer scheiterten im WM-Viertelfinale knapp. Das Team von Bundestrainer Hagen Stamm unterlag dem Titelverteidiger Kroatien am Dienstag nach starker Leistung mit 8:10 (2:1, 1:3, 3:3, 2:3). Den Sprung unter die besten Vier hatte die DSV-Auswahl zuletzt 1982 in Ecuador geschafft, als sie mit Bronze ihre einzige WM-Medaille gewann.

Bundestrainer Stamm: "Mannschaft hätte Sensation verdient gehabt"

"Zuerst kommt die Enttäuschung, denn wir waren ein gleichwertiger Gegner", sagte Stamm: "Wir haben uns nicht wie die USA und Australien abschlachten lassen, wir haben mitgehalten." Die Kroaten seien "nervös" gewesen, ergänzte der 59-Jährige, "deswegen bin ich traurig, die Mannschaft hätte es verdient gehabt, heute eine Sensation zu schaffen. Aber im Endeffekt bin ich natürlich stolz, wir haben eine Wahnsinnsleistung gebracht."

Bester Werfer der deutschen Mannschaft war der Spandauer Lucas Gielen mit drei Treffern. Torhüter Moritz Schenkel hielt das Stamm-Team mit starken Paraden lange im Spiel. Nach dem ersten Viertel führte der Außenseiter mit 2:1. Zur Halbzeit lag der Olympiasieger von 2012 knapp vorne, danach drehte der Favorit auf. Doch Deutschland kämpfte sich noch einmal heran.

Wasserballer wollen zu Olympia nach Tokio

In die Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht startet die DSV-Auswahl am Donnerstag (7.00 Uhr MESZ) gegen Serbien. Das Viertelfinale hatte sie durch den 25:5-Rekordsieg gegen Südafrika erreicht - zum ersten Mal seit 2011. Damit hatte die deutsche Mannschaft ihr WM-Ziel bereits erreicht. "Unser Traum war, unter die ersten Acht zu kommen", sagte Stamm, der Ende 2016 zum zweiten Mal als Bundestrainer angetreten war: "Wir haben geliefert." Das nächste Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Dafür will die DSV-Sieben im Frühjahr beim Qualifikationsturnier in Rotterdam ihr Ticket buchen.

Frühes Aus für Medaillenhoffnung Wellbrock

Nur eine Woche nach seinem Goldcoup im Freiwasser ist Schwimm-Weltmeister Florian Wellbrock bei seinem ersten Rennen im WM-Becken von Gwangju krachend gescheitert. Der 21-Jährige verpasste am Dienstag mit einem enttäuschenden 17. Platz über 800 m Freistil völlig überraschend das Finale - und tauchte danach für die wartenden Journalisten ab.

Florian Wellbrock nach dem Vorlauf über 800 Meter Freistil bei der Schwimm-WM

Wellbrock ging ohne ein Wort der Erklärung frustriert zum Ausschwimmen. Erst später verschickte der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) ein schriftliches Statement des Magdeburgers: "Ich bin überhaupt nicht ins Rennen reingekommen. Und ich kann es mir zurzeit auch nicht erklären, eigentlich hatte ich mich ganz gut gefühlt."

Doch seine Zeit von 7:53,75 Minuten sagte etwas anderes aus: Wellbrock blieb zehn Sekunden über seinem deutschen Rekord und acht Sekunden hinter Vorlaufsieger Gregorio Paltrinieri (Italien) zurück.

Große Erwartungshaltung nach Freiwasser-Titel

Das frühe Ende der Medaillenträume des Mitfavoriten auf der 800-m-Strecke war trotz starker Konkurrenz absolut nicht abzusehen gewesen. Im Freiwasser hatte Wellbrock in der ersten WM-Woche Gold über zehn Kilometer gewonnen und sich souverän das Olympia-Ticket gesichert. Die Erwartungshaltung an den EM-Zweiten war vor dem 800-m-Rennen entsprechend hoch gewesen.

"Er ist natürlich gar nicht glücklich mit dem Ergebnis und auch ein bisschen verzweifelt, weil er nicht weiß, warum. Wir arbeiten das sachlich auf und müssen sehen, dass wir ihn wieder auf die Beine kriegen", sagte Heimtrainer und Teamchef Bernd Berkhahn mit Blick auf das 1500-m-Rennen am Samstag. "Das Training lief gut", ergänzte Berkhahn, "und dann ist natürlich die mentale Seite ein Faktor." Er müsse seinen Schützling stark aufbauen, denn: "Jetzt hat er gerade das Gefühl, er kann nicht schwimmen."

Sun Yang - ein Dopingsünder wird gefeiert

Sportschau 21.07.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 21.07.2020 ARD

Wellbrock habe "von der ersten Bahn an keinen Rhythmus gefunden", sagte Berkhahn, "er musste jeden Zentimeter kämpfen." Der Heimcoach glaubt, dass die gestiegene Erwartungshaltung nach dem Triumph über zehn Kilometer ein Hauptgrund für die schwache Leistung gewesen sei: "Da wurde gemutmaßt: Hier ist der Hoffnungsträger, und der rettet das deutsche Schwimmen. Damit muss ein junger Mann erst mal klarkommen. Das ist schon Druck."

Schmetterling-Schwimmer David Thomasberger musste sich derweil mit dem 20. Platz über 200 m zufriedengeben, seine Bestzeit verfehlte der Leipziger deutlich um 1,3 Sekunden. "Dumm gelaufen", sagte der 23-Jährige: "Das ist für mich unverständlich, weil das Training und die gesamt Saison gut lief."

Schwimm-WM - Deutschlands Staffeln chancenlos

Sportschau 21.07.2019 00:43 Min. Verfügbar bis 21.07.2020 ARD Von Michael Augustin (NDR)

Zweites Gold für Sun Yang und erneut Eklat

Der dopingvorbelastete Schwimmer Sun Yang aus China gewann am Dienstag dank einer Disqualifikation seine zweite Goldmedaille - und verlor dann die Nerven. Als der drittplatzierte Duncan Scott ihm bei der Siegerehrung den Handschlag verweigerte, brüllte Sun ihn auf dem Podest an. Auf das obligatorische Foto der Medaillengewinner wollte der Brite auch nicht. Laute Buhrufe vor allem von der Athletentribüne begleiteten die Zeremonie.

Sun hatte bei seinem elften WM-Titelgewinn von der Disqualifikation des Litauers Danas Rapsys profitiert, der vor ihm angeschlagen hatte. Auf der Anzeigetafel erschien zunächst der Name des Vizeeuropameisters als Sieger auf Paul Biedermanns Weltrekordstrecke 200 m Freistil, doch Sekunden später blinkte "DSQ" (Disqualifikation) auf. Sun jubelte demonstrativ, Buhrufe mischten sich mit Jubelschreien der chinesischen Fans. Suns WM-Start ist höchst umstritten, nachdem der Dopingsünder von 2014 in eine neue Affäre verwickelt ist.

Klippenspringerin Schmidbauer mit Höchstschwierigkeit

Klippenspringerin Iris Schmidbauer konnte erwartungsgemäß nicht mehr in den Kampf um die WM-Medaillen eingreifen. Nach Rang elf zur Halbzeit des Wettbewerbs aus 20 Metern Höhe verbesserte sich die 24-Jährige aber in den finalen Durchgängen noch auf Platz acht. Dabei zeigte Schmidbauer den Sprung mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad: den dreifachen Salto rückwärts mit Doppelschraube. Mit 233,55 Punkten fehlten dennoch am Ende rund 60 Zähler auf die Medaillenränge. Die australische Favoritin Rhiannan Iffland verteidigte ihren Titel von 2017 erfolgreich.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, Dienstag, 23.07.2019, 22:50 Uhr

red/sid/dpa | Stand: 23.07.2019, 10:30

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