Schwimmen - Sun Yang droht lange Sperre

Sun Yang

Umstrittener Olympiasieger

Schwimmen - Sun Yang droht lange Sperre

Zerstörte Dopingprobe, geschreddertes Kontrollformular: Die mysteriösen Vorkommnisse um den chinesischen Schwimm-Star Sun Yang werden vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS verhandelt. Dem umstrittenen Olympiasieger droht eine lange Sperre.

Wenn der Schwimm-Olympiasieger Sun Yang am Freitag (15.11.2019) vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS tritt, geht es um nicht weniger als die Karriere des umstrittenen chinesischen Superstars. Der dreimalige Olympiasieger muss Rede und Antwort stehen zu den mysteriösen Vorkommnissen in der Nacht zum 5. September 2018, an deren Ende eine zerstörte Dopingprobe und ein geschreddertes Kontrollformular standen.

Sperre von bis zu acht Jahren droht

Sollte er das Tribunal nicht überzeugen können, droht dem 27-Jährigen als Wiederholungstäter eine Dopingsperre von bis zu acht Jahren. Mit einer Urteilsverkündung wird am Freitag allerdings nicht gerechnet. Während das Ergebnis der unangemeldeten Kontrolle klar ist, streiten sich die Parteien über die Hintergründe erbittert. In einem 59-seitigen Bericht legte das Doping-Panel des Schwimm-Weltverbandes FINA seine Sicht der Dinge dar. Demnach kommt es nach dem Eintreffen des dreiköpfigen Kontrollteams am Anwesen Suns schnell zum Streit.

Das Sun-Lager zweifelt die Ausweisdokumente eines Assistenten an, der Sportler gibt schließlich eine Blut-, aber keine Urinprobe ab. Angeblich sei Sun auch unbeaufsichtigt zur Toilette gegangen, dies wäre ein klarer Regelverstoß. Nach weiteren Drohungen und Anschuldigungen eskaliert die Situation. Während die Kontrolleurin telefoniert, um weitere Anweisungen zu erhalten, hört sie das Geräusch zersplitternden Glases. Als sie zum Geschehen eilt, sieht sie einen augenscheinlich von einem Wachmann zerstörten Behälter, Sun habe mit der Taschenlampenfunktion seines Handys Licht gespendet. Sun verteidigte sich zuletzt in den Sozialen Netzwerken, die Öffentlichkeit sei "falsch informiert", die Fakten seien "verzerrt".

Laxe Anti-Doping-Politik

Wenn es allerdings nach der FINA gegangen wäre, hätte es die Verhandlung erst gar nicht gegeben. Der wegen seiner laxen Anti-Doping-Politik in der Kritik stehende Verband hatte Sun bei einer Anhörung im Januar mit der kuriosen Begründung freigesprochen, man werde die Wahrheit wohl "nie erfahren". Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, die dies mit den Worten "unglaublich und inakzeptabel" kommentierte, legte Einspruch ein.

Nun sieht man sich am Freitag bei Gericht. Pikant ist auch, dass Sun beileibe kein unbeschriebenes Blatt ist. 2014 wurde er nach einer positiven Probe in einem ebenfalls äußerst umstrittenen Urteil von der FINA lediglich für drei Monate gesperrt.

Sun Yang - ein Dopingsünder wird gefeiert

Sportschau 21.07.2019 02:20 Min. Verfügbar bis 21.07.2020 ARD

Rotes Tuch für die Konkurrenz

Für die Konkurrenten ist der Chinese, der als erster Schwimmer bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen alle Disziplinen von 200 bis 1.500 Meter Freistil gewann, ohnehin ein rotes Tuch. Bei der vergangenen WM verweigerten Konkurrenten bei der Siegerehrung Sun den Handschlag und das gemeinsame Siegerfoto, Sun brüllte daraufhin einen der Protestler an. Wie es am Freitag um Suns Gemütslage bestellt sein wird, davon kann sich die Öffentlichkeit außergewöhnlicherweise selbst ein Bild machen.

Erst zum zweiten Mal in der CAS-Geschichte sind Beobachter zugelassen. Um mit dem Interesse fertig zu werden, musste das Gericht sogar in ein Hotel in Montreux umziehen. Zudem soll die Verhandlung ganz oder teilweise im Internet übertragen werden.

sid | Stand: 14.11.2019, 13:22

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