Cheftrainer der deutschen Schwimmer tritt zurück

Henning Lamberts hört überraschend auf

Cheftrainer der deutschen Schwimmer tritt zurück

Henning Lambertz hört überraschend als Chefbundestrainer der deutschen Schwimmer auf. Wie der Deutsche Schwimm-Verband am Donnerstag (20.12.2018) mitteilte, tritt der 48-Jährige nach sechs Jahren aus persönlichen Gründen zum Jahreseende von seinem Amt zurück.

"Ein fürsorglicher Familienvater und guter Cheftrainer zu sein, ist kaum möglich", sagte Lambertz. "Ich habe zwei kleine Töchter zuhause, bin aber über die Hälfte des Jahres nicht bei ihnen. Es sind genug Tränen in den letzten Jahren geflossen, jetzt müssen Zeiten der Freude und des familiären Glückes deren Platz einnehmen."

Aufgaben auf "mehrere Schultern verteilen"

Einen Nachfolger für den Wuppertaler, der das Amt vor sechs Jahren übernommen hatte, wird es bis zu den Olympischen Spielen 2020 nicht geben. Lambertz' Aufgaben würden "in einem kompetenten Trainer- und Expertenteam auf mehrere Schultern verteilt", sagte DSV-Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen.

Der Rücktritt von Gabi Dörries als Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) vor zwei Wochen sei der Moment gewesen, "der mich in meiner Entscheidung nochmals bestärkt hat", ergänzte Lambertz: "Sie stand in den vergangenen Jahren immer als Freundin und Mentorin an meiner Seite. Mit ihr zusammen habe ich sehr viele Visionen verfolgt, die ich mir ohne sie nicht weiter vorstellen kann."

Große Ziele

Lambertz war nach dem miserablen Olympia-Auftritt 2012 vom Bundesstützpunkttrainer in Essen zum Chef-Bundestrainer Schwimmen aufgestiegen und hatte ein ehrgeiziges Ziel formuliert: Er wolle Deutschland wieder zur Schwimm-Nation Nummer eins in Europa machen. Davon sind Marco Koch und Co. weit entfernt, auch wenn die erfolgreiche EM im vergangenen Sommer in Glasgow Anlass zur Hoffnung gab.

Bei Olympia in Rio blieb das Becken-Team aber auch unter Lambertz medaillenlos, zudem gab es immer wieder Reibereien mit Heimtrainern und Athleten, zuletzt wegen des umstrittenen Kraftkonzepts, der harten Normen und der zunehmenden Zentralisierung. Der Bundestrainer versuche, "allen eine Doktrin aufzudrücken, von der nur er selbst überzeugt ist", hatte zum Beispiel Weltrekordler Paul Biedermann kritisiert.

Mit dem Olympia-Sechsten Philip Heintz war Lambertz während der WM 2017 in Budapest öffentlich aneinandergeraten. Lambertz ist mit seiner Arbeit dennoch zufrieden. "Ich denke, wir haben in den letzten sechs Jahren an den richtigen Stellschrauben gedreht", sagt er: "Ich übergebe ein Team, das zusammengewachsen und dichter an die Weltspitze gerückt ist. Wenn man den Weg weitergeht, kann daraus Großes wachsen."

Stand: 20.12.2018, 12:31

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