So läuft der Showdown bei der Schach-WM

Schachweltmeister Magnus Carlsen (l.) und sein Herausforderer Fabio Caruana sitzen sich gegenüber

Entscheidender Tag in London

So läuft der Showdown bei der Schach-WM

Von Chaled Nahar

Magnus Carlsen und Fabiano Caruana sind bei der Schach-WM nach zwölf Remis im Tiebreak gelandet. Dort entscheiden heute ab 16 Uhr Schnellschach, Blitzschach und vielleicht eine "Armageddon"-Partie.

Carlsen hatte seinem Herausforder Caruana in der zwölften Partie das Remis angeboten - obwohl er in besserer Stellung war. Caruana konnte das Angebot aus seiner Position deshalb kaum ablehnen. Aber Carlsen gilt im Tiebreak am Mittwoch (28.11.2018/16 Uhr) nun als klarer Favorit.

Die Zeit wird knapper

In den zwölf bisherigen Partien hatten die beiden Kontrahenten 100 Minuten Bedenkzeit für die ersten 40 Züge, 50 Minuten für die folgenden 20 Züge und 15 Minuten für den Rest des Spiels. Hinzu kommen 30 Sekunden zusätzlich für jeden Zug. Nun wird die Zeit deutlich knapper.

So ist der Ablauf des Tiebreak, zwischen allen Partien soll es zehn Minuten Pause geben:

Schnellschach: Zunächst gibt es vier Partien Schnellschach, die Farben werden zuvor neu gelost. Dabei hat jeder Spieler nur 25 Minuten Bedenkzeit auf der Uhr, zehn Sekunden Zeitgutschrift kommen nach jedem Zug hinzu. Carlsen, der 2013 erstmals Weltmeister war, gewann bei seiner zweiten Titelverteidigung im Tiebreak den Titel, als er den Russen Sergej Karjakin mit 3:1 in den vier Schnellschachpartien besiegte.

Blitzschach: Sollte auch nach den vier Partien Schnellschach ein Gleichstand herrschen - also wenn jeder zwei Partien gewinnt oder erneut alle vier Partien remis enden - folgen zwei Partien Blitzschach. Dann haben die Spieler für die gesamte Partie nur noch fünf Minuten Bedenkzeit, die sich pro Zug um drei Sekunden erhöht. Bei Gleichstand gibt es bis zu vier Mal zwei weitere Partien Blitzschach, im Maximalfall also zehn.

"Armageddon": Herrscht auch nach dem Blitzschach noch Gleichstand, fällt hier definitiv die Entscheidung. Erneut werden die Farben gelost. Weiß hat dann fünf Minuten Bedenkzeit, Schwarz dagegen nur vier Minuten. Erst ab dem 61. Zug wird die Zeit nach jedem Zug um drei Sekunden erhöht. Bei einem Remis ist Schwarz der Sieger.

Geteilte Toilette, Telefone verboten

Das Reglement der Schach-WM enthält einige weitere Vorschriften, die für die gesamte WM gelten: Beide Spieler teilen sich während der Spiele eine Toilette, sie müssen spätestens zehn Minuten vor Beginn anwesend sein. Sie dürfen keine Telefone oder andere technische Geräte mitbringen, die den Gegner stören könnten.

Das Brett verlassen dürfen die Spieler nur mit Erlaubnis des Schiedsrichters, und ein Verstoß gegen alle diese Dinge kostet 5.000 Euro. Noch härter wird es, wenn man Eröffnungs- oder Schlussfeier schwänzt - dann sind zehn Prozent des Preisgeldes weg. Und das wäre ärgerlich, denn eine Million Euro wird auf die beiden Spieler verteilt - 60 Prozent für den Sieger, 40 Prozent für den Verlierer.

Carlsen ist nun der Favorit

Dass Carlsen den Tiebreak gewinnt, scheint für viele schon ausgemacht. Die üblichen Wettanbieter geben dem Norweger eine Quote von 3,0, für einen Sieg von Caruana beträgt die Quote 10,0.

"Carlsen ist sehr kreativ, intuitiv. Caruana würde ich eher als berechnend bezeichnen", sagte Patrick Bittner in der Sportschau. Bittner ist der Vorsitzende der Ooser Schachgesellschaft Baden-Baden. "Im Schnellschach seh ich Carlsen einen Ticken vorne - wenn er seine Nerven im Griff hat", sagt Bittner.

Zwar wirke Carlsen angespannt, weil er unter Druck stehe. Dass Carlsen wie gegen Karjakin in den Tiebreak muss, sei ein Beleg dafür, dass er seine jahrelange Ausnahmestellung verloren habe. "Andere Spieler, vor allem Fabiano Caruana, haben aufgeholt." Dennoch bleibt Carlsen auch am Mittwoch der Favorit.

Stand: 27.11.2018, 11:00

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