Schach-WM der Frauen - der Kampf ums große Geld

Schach-WM in Schanghai

Weltmeisterschaft in Schanghai

Schach-WM der Frauen - der Kampf ums große Geld

Von Steffen Wurzel (Schanghai)

In Schanghai läuft das Finale der Schach-WM der Frauen. Mit dabei ist auch die chinesische Titelverteidigerin Ju Wenjun, die von außergewöhnlich vielen jungen Fans unterstützt wird: Schach ist in China erfolgreich und beliebt wie nie: vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Xu Yaping öffnet die Tür zu einem Konferenzraum des Schanghaier Schachsportzentrums. "Heute sind besonders viele Kinder gekommen,“ sagt die Leiterin einer Schach-Schule in Schanghai. Sie deutet auf rund 20 Kinder und etwa ebenso viele Erwachsene. Diese verfolgen per Live-Übertragung das Finale der Schach-WM zwischen Ju Wenjun und Alexandra Gorjatschkina. Vorne sitzen zwei Schach-Experten, sie diskutieren mit den jungen Schachfans darüber, wie die nächsten Züge aussehen könnten.

Das eigentliche Match läuft zwei Stockwerke weiter unten. In einem riesigen Raum sitzen an einem kleinen Tisch die 28-jährige Weltmeisterin Ju Wenjun aus Schanghai und Alexandra Gorjatschkina (21) aus dem zentralrussischen Orsk.

"Dieses Turnier ist zweifelsohne das Wichtigste für alle, die Schach spielen," erzählt Ju Wenjun: "Die Bedeutung des Titels, die Intensität des Turnieres mit zwölf Spielen und auch die Höhe des Preisgelds sind bemerkenswert.“

Sechstelliges Preisgeld

300.000 Euro bekommt die Gewinnerin, 200.000 Euro gibt es für die Unterlegene. Ju Wenjun, die seit 2018 Weltmeisterin ist, spielt seit mehr als zehn Jahren professionell Schach. Anfangs sei es schwierig gewesen sei, von ihrem Sport zu leben, mittlerweile klappe es sehr gut, sagt sie. Denn das Ansehen von Schach in der Öffentlichkeit und bei Sponsoren steige, vor allem in China. "Der Schachsport ist in China zwar erst seit relativ kurzer Zeit verbreitet. Trotzdem haben wir schon eine Menge Erfolge vorzuweisen. China stellt inzwischen die Weltmeister bei den Frauen, im Frauen-Teamwettbewerb und im Mixed."

Unter den Zuschauern beim WM-Finale sind besonders viele Kinder. Der Zweitklässler Zhou Xiaowen möchte ganz einfach rausfinden, wer heute gewinnt. Sein Freund Chen Yongting fühle sich wie auf einem altertümlichen Schlachtfeld, wenn er Schach spielt, sagt der 10-Jährige.

Doch auch chinesische Mädchen interessieren sich vermehrt für Schach, sagt Ju Wenjun. Was auch am internationalen Rennommee liege: Weltweit machen Spielerinnen aus 180 Staaten bei internationalen Turnieren mit. "Immer häufiger werden in China Wettkämpfe ausgerichtet. Früher musste ich dafür in andere Länder reisen, heute bleibe ich oft im eigenen Land."

Stand: 10.01.2020, 14:17

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