Rugby-Regeln - Gasse und Gedränge

Beim Rugby darf der Ball nur nach hinten geworfen werden

WM in Japan

Rugby-Regeln - Gasse und Gedränge

Von Frank van der Velden

Die Rugby-WM begeistert die Massen, auch hierzulande findet der Sport immer mehr Freunde. Doch weil Rugby in Deutschland Randsportart ist, versteht kaum einer das Spiel. sportschau.de erklärt die wichtigsten Regeln und Situationen.

Spielfeld, Dauer und Mannschaften

Genau wie beim Fußball gibt es keine genauen Größenangaben. Das Spielfeld darf jedoch nicht länger als 100 Meter und nicht breiter als 70 Meter sein. Bei der WM in Japan wird hauptsächlich in Fußball-Arenen gespielt. Nur in der Rugby-Hochburg Kamaishi wurde extra zur WM ein neues Rugby-Stadion gebaut.

Auf den Feldern gibt es zahlreiche Linien, die wir hier aber außer acht lassen können. Wichtig ist nur die Torauslinie - auch Mallinie genannt. Hinter ihr liegt das Malfeld, und da muss der Ball hin. Die Tore haben auch keine Torpfosten, sondern Malstangen. Ein Tor ist 5,67 Meter breit und 6,50 Meter hoch. Ein Spiel dauert zweimal 40 Minuten, mit zehnminütiger Pause, und der Schiedsrichter kann die Zeit anhalten lassen. In jedem Team sind 15 Spieler.

Die Punkte

Südafrika bei einem Versuch gegen Samoa

Südafrika bei einem Versuch gegen Samoa

Ziel ist es also, den Ball am Gegner vorbei in dessen Malfeld zu legen. Ein solcher "Versuch" bringt fünf Punkte ein. Ist das geschafft, gibt es die Chance auf eine "Erhöhung". Wenn ein Spieler den Ball zwischen die beiden Malstangen und dann noch über die Querlatte des H-förmigen Tores kickt, gibt es zwei weitere Zähler. Dabei kann der Spieler mit dem Ball von der Stelle, an der er ins Malfeld gelegt wurde, auf einer gedachten Linie so weit nach hinten gehen, bis sich ihm ein günstiger Winkel zum Kicken bietet. Drei Punkte gibt es für einen verwandelten Straf-Kick nach einem schweren Regelverstoß. Was das genau ist, erklären wir später noch. Kicks sind zudem auch aus dem Spiel heraus möglich. Ein Dropkick bringt ebenfalls drei Zähler ein.

Nur nach hinten werfen

Rugby wird mit Händen und Füßen gespielt. Wichtigste Regel: Die Spieler dürfen den Ball nur zur Seite und nach hinten werfen. Sie dürfen ihn allerdings nach vorne kicken und natürlich mit ihm unter dem Arm nach vorne laufen.

Das Tackling

Die Fidschis bei einer Erhöhung gegen England

Die Fidschis bei einer Erhöhung gegen England

Klar, dass der Gegner das verhindern will. Durch ein "Tackling" dürfen die Verteidiger den Ballführenden zu Fall bringen - aber nur ihn, sie dürfen andere Spieler nicht behindern. Dabei versuchen sie ihn umzuwerfen, indem sie um Taille oder Beine greifen. Sie dürfen ihn zudem wegschieben. Alles andere ist verboten, zum Beispiel alle Angriffe über der Schulterhöhe oder Beinstellen. Liegt der Angreifer am Boden, muss er den Ball sofort loslassen.

Das Gedränge

Gedränge beim Spiel zwischen Irland und Kanada

Gedränge beim Spiel zwischen Irland und Kanada

Eine typische Rugby-Situation ist das Gedränge. Das gibt es zum Beispiel, wenn der Ball nach vorne gespielt wurde. Die Stürmer der Mannschaften stehen sich gebeugt und ineinander verkeilt gegenüber. Der Ball wird seitwärts eingerollt, und zwar von einem der Spieler des Teams, das das Gedränge nicht verschuldet hat. Beide Reihen drängen vorwärts und versuchen, den Ball mit den Füßen nach hinten zu schieben. Dort darf ihn dann ein anderer Spieler aufnehmen - und zwar dann, wenn der Ball die Füße des letzten Spielers nicht mehr berührt. Ein Gedränge entsteht auch oft aus dem Spiel heraus. Deshalb unterscheidet man zwischen dem "angeordneten Gedränge" (vom Schiedsrichter) und dem "offenen Gedränge". Auch dabei darf der Ball nur mit den Füßen gespielt werden. Das passiert, wenn ein Spieler mit dem Ball zu Boden geht. Dann muss er ihn loslassen und das Gedränge entsteht.

Das Paket

Ebenfalls oft zu sehen bei der WM ist das "Paket". Es entsteht, wenn der Ballführende geschoben oder abgedrängt wird, dabei aber nicht zu Boden geht. Andere Spieler kommen hinzu und ziehen und zerren am Ball beziehungsweise am Spieler, der ihn hat. Wenn das dem Schiedsrichter zu lange dauert, entscheidet er auf ein Gedränge.

Die Gasse

"Luftkampf" in einer Gasse

"Luftkampf" in einer Gasse

Geht der Ball ins Seitenaus, entscheidet der Referee auf eine "Gasse". Die Spieler stellen sich einander gegenüber auf und bilden eine Art Durchgang, in den der Ball gerade und hoch hineingeworfen werden muss. Nun versuchen alle, an das Ei heranzukommen. Dazu dürfen die Spieler ihre Teamkameraden auch in die Luft stemmen. Eine "Gasse" wird oft aus taktischen Gründen herbeigeführt. So ist bei der WM oft zu beobachten, dass ein Spieler den Ball extra ins Seiten-Aus kickt. Die Chancen, ihn dann in einer "Gasse" viele Meter weiter vorne zurück zu erobern, sind hoch und würden dann einen großen Raumgewinn bedeuten.

Die Strafen

Ein Schiedsrichter zeigt eine gelbe Karte

Ein Schiedsrichter zeigt eine gelbe Karte.

Wie eben erklärt, entscheidet der Schiedsrichter auf ein Gedränge, wenn der Ball nach vorne gespielt wird. Bei schweren Regelverstößen gibt es einen Straf-Kick. Und zwar für: Bodenspiel (also das Nicht-Loslassen des Balles), Fouls, gefährliches Spiel, Meckern oder das absichtliche zusammenbrechen lassen eines Gedränges sowie bei Abseits. Der Kick muss am Ort des Vergehens ausgeführt werden. Bei Fouls wie Treten kann der Referee den Übeltäter verwarnen oder ihm eine gelbe Karte zeigen. Dann muss er für zehn Minuten raus. Sein Team spielt für diese Zeit in Unterzahl. Für sehr schwere Fouls gibt es auch die rote Karte. Apropos Abseits: Ein Spieler, der sich vor dem Ball befindet, darf nicht ins Spiel eingreifen.

Die Tabellen bei der WM

Für Verwirrung sorgen bei der WM immer wieder die Tabellen in der Vorrunde. Für einen Sieg gibt es vier Punkte, für ein Remis zwei, bei einer Niederlage null Zähler. Besonderheit: Gelingen einem Team - egal ob Sieger oder Verlierer - mindestens vier Versuche, so erhält es einen Extrapunkt. Und verliert der Unterlegene mit sieben Punkten Unterschied oder weniger, erhält auch er einen Extra-Zähler. Bei Punktgleichheit am Ende der Vorrunde zählt der direkte Vergleich, danach die Anzahl der Spielpunkte, dann die Anzahl der Versuche. Ab der K.o.-Runde gibt es bei einem Remis eine Verlängerung.

Stand: 18.09.2019, 08:30

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