Rugby-WM-Teilnahme? - Käpt'n Poppmeier hätte nie damit gerechnet

Michael Poppmeier (Deutschland, 4) wird von Michael Coverdale (Hongkong, 7) attackiert.

Interview mit Deutschlands Rugby-Kapitän Michael Poppmeier

Rugby-WM-Teilnahme? - Käpt'n Poppmeier hätte nie damit gerechnet

Von Robin Tillenburg

Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft hat die Möglichkeit, sich nach dem Erfolg gegen Hongkong im Repechage-Turnier noch mit Siegen über Kanada und Kenia erstmals für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Kapitän Michael Poppmeier ist einer der erfahrenen Spieler im Team, das am Samstag in Marseille (17.11.2018) gegen den wohl stärksten Gegner Kanada antritt.

sportschau.de: Herr Poppmeier, Sie haben schon mehrmals betont, dass es ein Traum für Sie wäre, mal bei einer WM spielen zu können. Aber wie sehr haben Sie an die Erfüllung dieses Traums, die ja jetzt wirklich nahe sein könnte, wirklich geglaubt?

Michael Poppmeier: Am Anfang meiner Karriere hätte ich nie gedacht, dass wir mal eine Chance bekommen würden, uns für eine Weltmeisterschaft qualifizieren zu können. Seit 2016 war es aber dann doch schon ein realer Traum, es 2019 nach Japan zu schaffen. Als wir 2017 dann gegen Rumänien gewonnen haben, war es schon klar, dass es ein Ziel ist, das wir auch wirklich erreichen können. Jetzt sind wir hier in Marseille mit noch zwei Spielen vor der Brust und wenn alles klappt, fahren wir nach Japan.

Gegen Kanada sind Sie ja, wenn man auf die Anzahl der WM-Teilnahmen schaut, schon der Außenseiter. Warum gewinnen Sie am Samstag trotzdem?

"Komisches Spiel mit komischem Ball"

Michael Poppmeier: Wir bereiten uns natürlich vor und wollen so gut spielen wie möglich. Aber Rugby ist ein komisches Spiel mit einem komischen Ball. Kanada hat bisher an jeder Weltmeisterschaft teilgenommen, die wissen genau, was sie machen und die sind auch gut vorbereitet. Für die geht es um alles, ich habe gehört, dass sie, wenn es nicht so klappt, auch Probleme mit dem gesamten Programm (Rugby-Programm, Anm. d. Red.) in Kanada bekommen könnten. Aber wir fokussieren uns auf unser Ziel, und ansonsten würde ich auf die Frage gerne nach dem Spiel nochmal antworten.

Poppmeier vor WM-Quali: "Rugby ist Spiel mit komischem Ball"

Sportschau 15.11.2018 01:40 Min. Verfügbar bis 15.11.2019 ARD

Was macht die Kanadier sportlich gesehen so stark? Wo liegen die Unterschiede zu Hongkong, gegen das Sie 26:9 gewonnen haben?

Michael Poppmeier: Unser Trainer Mike Ford hat schon gesagt, dass Kanada und Hongkong ähnlich spielen. Aber wie ich schon gesagt habe, die Kanadier sind wirklich erfahren, kennen sich aus. Sie haben auch mehr Profis im Team als wir und spielen regelmäßig viele Spiele auf hohem Niveau. Ich glaube, da sind sie einfach etwas weiter als wir.

Beim Spiel gegen Hongkong sah es so aus, als wäre beim deutschen Team die Kondition deutlich besser gewesen als beim Gegner. Täuscht der Eindruck oder ist das eine besondere Stärke?

Michael Poppmeier: Absolut. Das Team aus Hongkong hat aber natürlich in der Heimat auch ein warmes, feuchtes Klima und spielt sonst auf Kunstrasen. Ich habe da schonmal gespielt und das ist nicht so angenehm. Hier ist es Winter, es ist etwas nass, es wird auf Rasen gespielt - das macht natürlich auch nochmal einen kleinen Unterschied.

Die Vorbereitung hat zehn Wochen gedauert - das dürfte dann bei vielen Konditionseinheiten auch sehr anstrengend gewesen sein ...

Härteste Vorbereitung und der größte Traum

Michael Poppmeier: Ich habe schon oft in meiner Karriere Vorbereitungen in verschiedenen Vereinen gemacht, aber das war die härteste Preseason, die ich je gehabt habe. Wir wussten, dass wir in zehn Wochen nicht so viel aufbauen können, aber an der Fitness kann man auch in diesem Zeitraum immer arbeiten. Das haben wir gemacht, wir sind definitiv viel gerannt.

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Wenn es zur WM gehen sollte, wären ja unter anderem der zweifache Weltmeister Südafrika und Titelverteidiger Neuseeland die Gegner. Schüchtert der "Haka" einen gestandenen Rugbyspieler eigentlich ein?

Michael Poppmeier: Für mich persönlich wäre vor dem Haka zu stehen der Höhepunkt meiner Karriere. Auch gegen Südafrika zu spielen - ich bin da geboren - wäre ein absolutes Highlight. Eine Weltmeisterschaft ist für jeden Spieler ein Karriere-Höhepunkt. Man spielt eben gegen die besten Mannschaften der Welt.

Zur Person: Michael Poppmeier wurde in Südafrika geboren, ist 36 Jahre alt und spielt seit 2003 für die "Schwarzen Adler" in der Nationalmannschaft. In der Bundesliga ist er für den SC Frankfurt 1880 aktiv, seine Position ist die zweite Reihe. Poppmeier misst 1,97 m und wiegt etwa 116 kg.

Stand: 16.11.2018, 11:02

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