Ruder-WM - der unheimliche Erfolg des leichten Zweiers

Jonathan Rommelmann (l.) und Jason Osborne

Leichtgewichts-Doppelzweier

Ruder-WM - der unheimliche Erfolg des leichten Zweiers

Von Frank van der Velden

Jason Osborne und Jonathan Rommelmann fahren als Favoriten zur Ruder-WM. Dabei schielen sie aber vor allem auf ein Olympia-Ticket - denn in Tokio geht es für den Leichtgewichts-Doppelzweier wohl zum letzten Mal um Gold.

Eine richtige Erklärung für den Erfolg hat Jason Osborne auch nicht. "Das ist definitiv sehr selten, dass ein Boot so schnell so gut harmoniert, andere brauchen dafür mehrere Jahre", erklärt der Ruderer. Gemeinsam mit Jonathan Rommelmann hat er im Leichtgewichts-Doppelzweier der Männer in diesem Jahr bisher alles gewonnen, was es zu gewinnen gab.

Gleich im ersten gemeinsamen Rennen holte das Duo im Juni bei der Europameisterschaft in Luzern Gold. Für den Deutschen Ruder-Verband war es der erste Titel in dieser Bootsklasse seit 2010. Siege in Posen und Rotterdam bescherten den beiden anschließend dann auch noch den Erfolg im Gesamt-Weltcup. "Wir sind beide physisch stark, waren beide gute Einerfahrer. Und zwei gute Einerfahrer machen bei uns dann einen guten Zweier", erklärt Osborne. So einfach ist das manchmal.

Ziel ist die Goldmedaille

Jetzt fährt das noch ungeschlagene Boot als Favorit zur Weltmeisterschaft im österreichischen Linz (25. August bis 1. September). "Nach der tollen Saison ist das Ziel die Goldmedaille", sagt der 25-Jährige. Es wäre für Deutschland im Leichtgewichts-Doppelzweier der erste Titel seit 1991. Im leichten Einer hatte Osborne erst im vergangenen Jahr Gold gewonnen.

Jason Osborne holte bei der WM 2018 schon Gold im Einer

Jason Osborne holte bei der WM 2018 schon Gold im Einer.

Im Trainingslager in München hat sich das Duo zuletzt den Feinschliff geholt. "Wir haben im Training nochmal Fortschritte gemacht und sind gut in Form", berichtet Osborne: "Aber wir machen uns nicht verrückt. Wenn es am Ende nicht reicht, wir aber ein gutes Rennen gefahren sind, ist das auch in Ordnung. Über allem steht die Qualifikation für die Olympischen Spiele." In Linz werden sich alle besonders ins Zeug legen, um ein Ticket für Tokio 2020 zu ergattern, denn dort wird das Leichtgewichts-Rudern wohl zum letzten Mal olympisch sein. So erwartet auch Osborne "einen harten Wettkampf"

"Eine Katastrophe"

1996 hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) die leichten Bootsklassen eingeführt, weil kleinere und leichtere Sportler im olympischen Wettkampf keine Chance gehabt hätten gegen die "Schwergewichte". Das eröffnete wesentlich mehr Ruderern die Teilnahme an Olympischen Spielen und holte das Leichtsgewichts-Rudern aus dem Schattendasein.

Osborne kann die geplante Streichung nicht nachvollziehen. "Das ist eine Katastrophe", erklärt er: "Vor allem die asiatischen Nationen trifft es hart, auch klassische Leichtgewichts-Nationen wie Italien oder Dänemark. Es sind halt nicht alle Sportler 1,90 oder zwei Meter groß und 100 Kilogramm schwer." Diese Maße gelten für einen männlichen Ruderer als Idealgewicht, doch in Deutschland sind gerade Mal zehn Prozent aller Männer so groß.

Finanzielle Förderung fällt weg

In einem Leichtgewichts-Boot darf ein Ruderer nicht mehr als 72,5 Kilogramm wiegen, gemeinsam dürfen die Sportler im Schnitt nicht mehr als 70 Kilogramm auf die Waage bringen. Jetzt will das IOC mit Ausnahme der Kampfsportarten keine Gewichtsklassen mehr im Programm. "Das ist sehr schade, vor allem, weil auch die finanzielle Förderung wegfällt, wenn der Sport nicht mehr olympisch ist", sagt Osborne.

So kann es gut sein, dass sich der ein oder andere Sportler mangels olympischer Perspektive vom Leichtgewichts-Rudern abwendet und damit vom Rudersport an sich, denn der Übergang in die schweren Boote gilt als schwierig.

Auch auf dem Rad schnell unterwegs

Osborne hat für sich schon eine Alternative gefunden. Er ist nicht nur im Ruderboot, sondern auch auf dem Fahrrad schnell unterwegs. Ein Rennrad kaufte er sich auf Empfehlung seines Trainers - als Ergänzung zum Rudern. "Ich habe dann mal in die Radsportszene reingeschnuppert und Kontakte geknüpft. Und da ich auf dem Rad auch nicht schlecht unterwegs war, habe ich angefangen, Rennen zu fahren", erklärt er.

Jason Osborne bei den deutschen Rad-Meisterschaften

Jason Osborne bei den deutschen Rad-Meisterschaften

2018 startete er bei den deutschen Straßen-Radmeisterschaften im Einzelzeitfahren und belegte Rang acht, 2019 wurde er Sechster. Die Erfolge haben aufhorchen lassen. So wurde Osborne bei den jüngsten Meisterschaften vom deutschen Radsportteam Sunweb unterstützt.

Nach Tokio Fokus auf den Radsport

Das Radfahren ist zurzeit noch Osbornes Zweitsport. Nach den Olympischen Spielen in Tokio will er dann aber den Fokus voll und ganz auf seine zweite Leidenschaft legen. "Eventuell starte ich dann eine Profikarriere. Es sei denn, das Leichtgewichts-Rudern bleibt olympisch, dann kann es sein, dass ich mir das nochmal überlege", sagt er. Schon jetzt gibt es Kontakte zu den UCI-World-Teams Jumbo-Visma und EF Education First. "Fest steht da noch nichts. Fakt ist aber, dass sich der Radsport immer mehr für Quereinsteiger öffnet", sagt Osborne.

Doch zurzeit gilt seine ganze Konzentration dem Rudern. Bei der WM reicht Platz sieben für ein Tokio-Ticket. "Weil das Leichtgewichts-Rudern dort wahrscheinlich zum letzten Mal olympisch sein wird, will ich dort in jedem Fall eine Medaille holen", sagt Osborne. Am liebsten gemeinsam mit Jonathan Rommelmann - und am liebsten eine goldene. Das wäre für einen leichten deutschen Doppelzweier bei Olympischen Spielen die erste überhaupt.

Stand: 23.08.2019, 09:14

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