Ruderer Zeidler - Quereinsteiger und Senkrechtstarter

Oliver Zeidler

WM in Bulgarien

Ruderer Zeidler - Quereinsteiger und Senkrechtstarter

Von Frank van der Velden

Im September 2016 saß Oliver Zeidler zum ersten Mal in einem Ruderboot. Jetzt, zwei Jahre später, geht er bei der WM für Deutschland im Einer an den Start. Wie ist das möglich?

An seine erste Fahrt in einem Ruder-Rennboot kann sich Oliver Zeidler noch sehr gut erinnern. "Das war schon eine wackelige Sache, und ich bin dann auch auch gleich zweimal ins Wasser gefallen", sagt der 22-Jährige: "Die ersten Male bin ich nur bei ruhigem Wasser und bei Sonnenschein raus. Wenn es wellig war, war das schon schwierig für mich", erklärt er.

Das war im September 2016 in Oberschleißheim, also vor zwei Jahren, und dennoch wird Zeidler bei den Ruder-Weltmeisterschaften in Bulgarien (09. bis 16. September) für Deutschland im Einer an den Start gehen - und er hat sogar gute Chancen auf eine Medaille. Doch wie ist so etwas möglich?

Schwimmsport trotz "Ruder-Gen"

Zeidler stammt aus einer Ruderfamilie. Großvater Hans-Johann Färber wurde 1972 Olympiasieger im Vierer. Vater Heino, der ihn trainiert, ist ebenfalls ein ehemaliger Ruderer. Seine Schwester Marie-Sophie feiert Erfolge im Nachwuchsbereich.

Dennoch landete Oliver Zeidler als Kind erstmal im Schwimmbecken. "Als ich mit dem Schwimmen begann, war ich für den Rudersport noch zu jung. Und weil ich im Schwimmen sehr erfolgreich war, gab es später keinen Grund, die Sportart zu wechseln", sagt der Ingolstädter.

Neugierig ins Rennboot

Bei der Junioren-EM 2015 in Berlin holt er drei Medaillen. Dennoch beendet er seine Schwimm-Karriere. "Meine Mannschaft ist auseinander gefallen, ich habe im Schwimmsport keine Perspektiven mehr für mich gesehen", sagt er.

Zeidler ist ein Mensch, der den Sport braucht. Ohne Sport fehlt ihm etwas. Und da in der Familie ja eh alle rudern, wagt er sich aufs Wasser. "Aus Neugier", sagt er. Nun ist Zeidler auch ein sehr ehrgeiziger Mensch, jedenfalls was den Sport angeht. Den Winter über trainiert er auf dem Ergometer, seit dem Frühjahr 2017 auch regelmäßig im Boot. Er lernt schnell, den Einer zu beherrschen.

Gold bei den World Games

Und er feiert schnell Erfolge. Bei den World Games im Juli 2017 in Breslau holt er beim Indoor Rowing auf dem Ergometer über 2.000 Meter die Goldmedaille. Für seine Karriere war das eine Art Türöffner. "Das war mein erster internationaler Ruder-Wettkampf. Ich wusste nicht, was mich da erwartet und war überrascht, dass ich gewonnen habe. Da stand ich dann ganz oben auf dem Podest, bekam eine Medaille und die deutsche Hymne wurde gespielt. Da wusste ich, dass ich dieses Gefühl noch häufiger haben möchte", erinnert sich Zeidler. Auch auf dem Wasser läuft es nun rund. Bei der U23-Europameisterschaft im polnischen Kruszwica holt er im Einer Silber.

Im Sommer 2018 geht er bei den drei Weltcup-Rennen an den Start, nicht mehr im U23-Bereich, sondern bei den Männern. In Belgrad und Linz wird er jeweils Dritter, in Luzern sogar Zweiter, und er lässt dabei Größen wie die ehemaligen Weltmeister Ondrej Synek (Tschechien) und Mahe Drysdale (Neuseeland) hinter sich. Am Ende reichen die drei Podestplätze zum Gewinn des Gesamt-Weltcups, keine zwei Jahre nachdem er das erste Mal in einem Boot gesessen hat.

"Sechser im Lotto"

Die Ruderwelt staunt, und so richtig erklären kann sich Oliver Zeidler das alles auch nicht. "Das ging jetzt schneller als ich mir das vorgestellt habe. Ich habe dafür aber auch extrem hart gearbeitet", sagt er. Dass ein Quereinsteiger dermaßen zum Senkrechtstarter wird, ist selten. Da verwundert es nicht, dass Bundestrainer Ralf Holtmeyer den 2,03 Meter großen Studenten als "Sechser im Lotto für den deutschen Ruder-Sport" bezeichnet.

Ausdauer und Kraft hat Zeidler mitgebracht. Auch das Wassergefühl. Er weiß also, wie er im Element Wasser schnell nach vorne kommt. "Da kommt mir das Schwimmen zugute", sagt er. Ein wenig hapert es noch mit der Technik, und es fehlt vielleicht ein wenig die Rennerfahrung. "Es wird von Rennen zu Rennen besser", sagt Zeidler.

WM-Ziel: Finale

Zur WM fährt er ganz gelassen, doch auch selbstbewusst. "Ich möchte ins Finale. Nach den Ergebnissen bei den Weltcups ist das ein realistisches Ziel. Und da gehöre ich durchaus zu den Medaillenkandidaten", sagt Zeidler. Dass so eine WM nochmals eine andere Liga ist wie ein Weltcup, weiß er.

Den eigenen Zielen voraus

Zeidler weiß auch, dass seine große Zeit wohl noch kommen wird. "Wir haben uns einen Plan gemacht und uns Ziele gesetzt. Das Leistungsniveau, das ich jetzt habe, sollte ich eigentlich erst in zwei Jahren vor den Olympischen Spielen in Tokio haben. Dort im Einer dabei zu sein, ist mein Ziel", erklärt er. Im Klartext heißt das: Zeidler hat noch jede Menge Luft nach oben. Für die Konkurrenz muss sich das anhören wie eine Drohung.

Stand: 06.09.2018, 11:18

Darstellung: