Iranische Medien - Ringer Navid Afkari hingerichtet

Ringer Navid Afkari

Todesurteil trotz Protesten vollstreckt

Iranische Medien - Ringer Navid Afkari hingerichtet

Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Ilna und des Staatsfernsehens ist das Todesurteil gegen den iranischen Ringer Navid Afkari am Samstag vollstreckt worden - trotz scharfer internationaler Proteste.

Der 27-jährige Afkari sei im Gefängnis Adel-Abad in der südiranischen Stadt Schiras hingerichtet worden. Auch der Leiter der Justizbehörde der Fars-Provinz, Kasem Mussawi, sagte dem staatlichen Fernsehen, die Todesstrafe sei vollstreckt worden. Nachdem das Urteil auch vom obersten Gerichtshof bestätigt wurde, fand die Hinrichtung in Anwesenheit der Opferfamilie statt, so Mussawi.

Eine Mitarbeiterin von Human Rights Watch, die mit den Anwälten der Familie Afkari in Kontakt steht, sagte gegenüber der Sportschau, dass die iranische Justiz laut eines Anwalts der Familie die Hinrichtung von Navid bestätigt habe. Die Anwälte stünden unter Schock, sie hofften immer noch, dass es nicht stimme.

Trotz internationaler Proteste: Ringer Afkari hingerichtet

Sportschau 12.09.2020 01:00 Min. Verfügbar bis 12.09.2021 ARD Von Christian Buttkereit

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) zeigte sich "geschockt" angesichts der "traurigen Nachricht". IOC-Präsident Thomas Bach habe sich zuletzt in Briefen an den Obersten Führer Ali Chamenei sowie den iranischen Präsidenten Hassan Rohani gewandt und um Gnade für Afkari gebeten.

Solidaritätswelle für Afkari

Aus Protest gegen das Todesurteil hatte es zuvor eine internationale Solidaritätswelle gegeben. Afkari hat nach Angaben der iranischen Justiz bei einer Demonstration 2018 in der südiranischen Stadt Schiras einen Sicherheitsbeamten getötet. Er habe die Tat gestanden, hieß es. Der Sportler, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führten dagegen an, das Geständnis sei durch Folter erzwungen worden.

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Weltweite Entrüstung

Dies sorgte weltweit für Entrüstung, in der Kampagne "Rettet Navid Afkari" wurde diese kanalisiert. Unterstützung erhielt er auch aus dem deutschen Sport. So hatten Athleten Deutschland und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die iranische Justiz aufgefordert, die Hinrichtung auszusetzen. "Wir schließen uns den weltweiten Forderungen von Politik und Sport an", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann, der Angeklagte verdiene "einen fairen Prozess als eines der grundlegenden Menschenrechte". Johannes Herber, Geschäftsführer von Athleten Deutschland, hatte "alle Athletinnen und Athleten" dazu aufgerufen, "sich mit Navid Afkari zu solidarisieren: Wenn der friedliche Protest eines Athleten mit Folter und Hinrichtung erwidert wird, dürfen wir nicht schweigen."

Omid Nouripour: "Hier wurde ein Exempel statuiert" Sportschau 12.09.2020 05:31 Min. Verfügbar bis 12.09.2021 Das Erste

Iranische Justiz weist Kritik zurück

Die iranische Justiz hatte die Kritik im eigenen Land und dem Ausland am Todesurteil gegen Afkari zurückgewiesen. Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili sagte, Afkari habe einen unschuldigen Menschen ermordet und das Urteil gegen ihn im Iran laute nicht Todesstrafe, sondern "Ghissas". "Ghissas" ist im islamischen Recht das Prinzip der Vergeltung, Blutrache oder Auge um Auge, worüber die Familie der Opfer entscheiden können.

Afkaris Anwalt Hassan Younessi teilte via Twitter mit, dass für Sonntag eigentlich ein Treffen geplant war zwischen den Angehörigen des Opfers und Menschen aus Schiras, die um Vergebung bitten wollten. Zudem habe auch ein Verurteilter laut Gesetz das Recht, vor der Hinrichtung seine Familie zu sehen: "Wart ihr so sehr in Eile, dass ihr Navid seinen letzten Besuch verwehren musstet?"

dpa/sid/red | Stand: 12.09.2020, 11:56

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