Fall Navid Afkari - Politik und Sport appellieren an den Iran

Thomas Bach

Ringer zum Tode verurteilt

Fall Navid Afkari - Politik und Sport appellieren an den Iran

Eine internationale Solidaritätswelle soll im Fall des zum Tode verurteilten iranischen Ringers Navid Afkari politischen Druck aufbauen.

"Als Athleten- und Sportgemeinschaft müssen wir uns schützend vor ihn stellen. Wenn der friedliche Protest eines Athleten mit Folter und Hinrichtung erwidert wird, dürfen wir nicht schweigen", forderte am Donnerstag (10.09.20) der Geschäftsführer von Athleten Deutschland, Johannes Herber, und erweiterte den Unterstützerkreis an Politikern und Sportlern.

Thomas Bach, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, sprach davon, sich dem Athleten Afkari "nahe" zu fühlen. Man sei "überaus besorgt". Der Weltfußballverband FIFA schrieb bei Twitter mit, dass er die Sorgen des IOC teile und hoffe, Navid Afkari von der Exekution verschont bleibe.

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Auch der Deutsche Olympische Sportbund beobachte "mit größter Sorge die Situation" um den unter zweifelhaften Umständen zum Tode verurteilten Afkari, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. "Wir schließen uns den weltweiten Forderungen von Politik und Sport an die iranische Führung an, den Vollzug der Strafe auszusetzen und dem Angeklagten einen fairen Prozess als eines der grundlegenden Menschenrechte zu gewähren."

"Geständnisse nicht unter Folter erzwingen"

Ringer Navid Afkari

Zum Tode verurteilt: Navid Afkari

Die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, zeigte sich über das Todesurteil entsetzt. "Ich appelliere an die Verantwortlichen in Iran, die Todesstrafe gegen Navid Afkari auszusetzen und ihm, wie auch seinen Brüdern Vahid und Habib, ein faires Gerichtsverfahren zu ermöglichen, das rechtsstaatlichen Grundsätzen entspricht. Dazu gehört, dass Geständnisse nicht unter Folter erzwungen werden!", teilte Kofler mit.

Afkari, der als Talent galt, hat nach Angaben der iranischen Justiz bei einer Demonstration 2018 in der südiranischen Stadt Schiras einen Sicherheitsbeamten getötet. Er habe die Tat gestanden, hieß es. Der Sportler, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führen dagegen an, das Geständnis sei durch Folter erzwungen worden.

Dieser Meinung schloss sich Omid Nouripour, Bundestagsabgeordneter für Bündnis 90/Die Grünen im Gespräch mit der Sportschau an. Nouripour hatte dabei auch an die Politik appelliert, den Druck auf das Regime in Teheran zu erhöhen.

Omid Nouripour "Geständnis unter Folter abgepresst" Sportschau 09.09.2020 07:39 Min. Verfügbar bis 09.09.2021 Das Erste

Das Geständnis sowie Aufnahmen der angeblichen Tat wurden im iranischen Staatsfernsehen sowie im Videoportal Aparat gezeigt. Afkari wurde daraufhin zu Tode verurteilt. Seine beiden Brüder, die mit ihm zusammen an den Protesten gegen das islamische Regime teilgenommen hatten, erhielten hohe Gefängnisstrafen. Das Urteil ist vom obersten Gerichtshof des Landes bestätigt worden und somit rechtskräftig.

Verbände wie das IOC oder der Ringer-Weltverband sowie ihre Sponsoren müssten "ihren Einfluss nutzen, um Navid vor dem Tod zu bewahren. Ein Land, das Menschenrechte derart mit den Füßen tritt, kann nicht Teil der globalen Sportgemeinschaft sein, die sich der Wahrung der Menschenwürde verschreibt", schrieb der Beauftragte für Internationale Sportpolitik bei Athleten Deutschland, Maximilian Klein.

Bach respektiert "Justizsystem eines souveränen Landes"

Herber forderte: "Wir rufen alle Athletinnen und Athleten dazu auf, sich mit Navid Afkari zu solidarisieren." IOC-Präsident Bach erklärte, dass man zum Olympischen Komitee des Landes und dem nationalen Ringerverband Kontakt aufgenommen habe. Diese würden ihr "Äußerstes" tun, um eine Lösung im Fall Afkari zu fördern. Der deutsche Spitzenfunktionär wies allerdings auch darauf hin, dass das IOC die Souveränität und das Justizsystem eines souveränen Landes respektiere.

Schon zuvor hatte es zahlreiche Solidaritätsbekundungen für Afkari gegeben. Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler postete bei Instagram eine Story, in der er sagte: "Die Ringer-Familie und die globale Sport-Gemeinschaft stehen hinter ihm. Wir kämpfen zusammen, um für Navid und seine Familie Gerechtigkeit zu bekommen."

Stäbler: "Rettet Navid Afkari" Sportschau 07.09.2020 00:29 Min. Verfügbar bis 07.09.2021 Das Erste

Die iranische Justiz wies Kritik am Todesurteil gegen Afkari zurück. "Viele mischen sich einfach in Angelegenheiten ein, von denen sie weder genaue Informationen haben noch die notwendige juristische Kompetenz besitzen", sagte Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili.

Afkari habe einen Menschen ermordet und das Urteil gegen ihn im Iran laute nicht Todesstrafe, sondern "Ghissas", so der Sprecher laut Nachrichtenportal Alef. "Ghissas" ist im islamischen Recht das Prinzip der Wiedervergeltung, Blutrache oder Auge um Auge.

dpa/red | Stand: 10.09.2020, 18:11

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