Die Südamerikaner übernehmen den Radsport

Nairo Quintana auf der Zielgeraden

Vor der Vuelta in Spanien

Die Südamerikaner übernehmen den Radsport

Von Tom Mustroph

Nach dem Giro-d’Italia-Erfolg des Ecuadorianers Richard Carapaz und dem Tour-de-France-Triumph von Egan Bernal aus Kolumbien könnte auch die dritte große Landesrundfahrt an einen Profi aus Südamerika gehen.

Lenín hat bereits ein Rosa Trikot. Bei Lenín Moreno, dem nach dem russischen Revolutionsführer benannten Präsidenten Ecuadors, gab Richard Carapaz eines der Leibchen ab, die er für sein Sieg beim Giro in Italien erhalten hatte. "Das Trikot ist für das ganze Volk", sagte Carapaz sicherheitshalber bei der Übergabe im Juni.

Neuer Schub für Quintana?

Zipaquirá, die Heimatstadt Egan Bernals, schmückt sich seit der Heimkehr des bei der Tour de France erfolgreichen Rennfahrers ganz in Gelb. Und obgleich Bernal die Vuelta a Espana auslässt und Carapaz wegen der Folgen eines Trainingssturzes nicht starten kann, könnte in diesem Jahr auch das Rote Trikot der Spanienrundfahrt nach Südamerika gehen. Denn beeindruckend stark ist die Abordnung der Andenkletterer.

Nairo Quintana, bereits Vueltasieger 2016, rückt wegen der Absage seines Co-Kapitäns Carapaz bei Movistar wieder deutlicher in die Leaderrolle. Der Kletterer kann frei agieren. Der teaminterne Rivale Mikel Landa, mit dem sich Quintana taktisch gern missverstand, gehört nicht zum Aufgebot. Quintana wirkt sehr motiviert, bei seiner Abschiedsrundfahrt für Movistar der zuletzt stagnierenden Karriere wieder einen Schub zu verleihen.

López mit dem wohl besten Helferteam

Der nur etwa 50 km entfernt aufgewachsene Miguel Ángel López hat ebenfalls fest das Rote Trikot angepeilt. Er wurde im Vorjahr bereits Dritter in Spanien. Und er verfügt bei Astana über das wohl beste Helferteam. Die Strecke mit acht Bergankünften ist ebenfalls ganz nach dem Geschmack vom "Superman“. Zu hoffen ist, dass er dieses Mal ungestört klettern kann, und nicht - wie im Mai beim Giro - von einem unaufmerksamen Zuschauer zu Fall gebracht wird, und diesem dann einen Hieb versetzt.

Nach langer Krankheit scheint der aus Bogotá stammende Esteban Chaves wieder in seiner alten Leistungsregion angekommen zu sein. Das deutete er mit seinem Bergetappensieg beim Giro 2019 an. In seiner besten Saison 2016 war er schon auf dem Podium von Giro und Vuelta. Ähnliches ist auch in den kommenden drei Wochen von ihm zu erwarten. Allerdings muss er bei Mitchelton Scott auf die Hilfe des kletterstarken Brüderpaares Adam und Simon Yates verzichten.

Education First schickt starke Kolumbianer

Zu beachten ist weiterhin die starke kolumbianische Fraktion beim US-Team Education First. Altstar Rigoberto Uran kam in guter Verfassung aus der Tour de France heraus. Er soll dem Neuzugang Sergio Higuita, immerhin Zweiter der Kalifornienrundfahrt in diesem Jahr, zeigen, wie man sich die Kräfte am besten bei einer Grand Tour einteilt. Unterstützung finden beide bei ihrem Landsmann und frischgebackenen panamerikanischen Zeitfahrmeister Daniel Martinez.

Können Roglic und Kruijswijk dagegenhalten?

Überhaupt geht Education First als eines der favorisierten Teams ins 13,4 km lange Mannschaftszeitfahren zum Auftakt der Vuelta am Samstag (24.08.2019). Zu beachten ist hier auch noch Jumbo-Visma mit dem Tour-Dritten Steven Kruijswijk und dem Giro-Dritten Primoz Roglic.

Die Doppelspitze von Tony Martins Rennstall stellt zugleich die einzige ernsthafte Konkurrenz für das südamerikanische Klettereraufgebot dar. Sehr wahrscheinlich also, dass das Briten-Triple des Vorjahres – Chris Froome (Giro), Geraint Thomas (Tour) und Simon Yates (Vuelta) – nun eine Fortsetzung auf südamerikanisch erfährt.

Egan Bernal: Kolumbien bereitet dem Tour-Sieger triumphalen Empfang Sportschau 08.08.2019 00:59 Min. Verfügbar bis 08.08.2020 Das Erste

Stand: 23.08.2019, 08:30

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