Pascal Ackermann und die Zweifel an der Vuelta

Pascal Ackermann

Spanien-Rundfahrt

Pascal Ackermann und die Zweifel an der Vuelta

Die Vuelta ist die letzte große Radsport-Rundfahrt des Jahres. Am Dienstag startet sie. Ob sie allerdings ihr Ziel erreicht, bezweifeln viele - auch Deutschlands bester Sprinter Pascal Ackermann.

Vuelta statt Urlaub. "Um diese Zeit ist normalerweise die Saison vorüber, und als Radprofi liegt man da schon am Strand. Aber der November-Urlaub fällt für uns in diesem Jahr komplett aus", sagte Deutschlands bester Sprinter Pascal Ackermann vom Bora-hansgrohe-Team vor dem Start der 75. Vuelta am Dienstag (20.10.2020) im baskischen Irún. Die traditionell letzte große Radsport-Rundfahrt des Jahres, die ganz im Zeichen der Corona-Pandemie steht, endet erst am 8. November. Doch ob die fast dreiwöchige Tour durch die Corona-Hotspots Spaniens wirklich ihr Ziel erreicht, zweifeln viele an - auch Ackermann.

Ackermann: "Werden sehen, ob wir überhaupt nach Madrid kommen"

"Meine Saison ist auf die Vuelta ausgerichtet. Ich bin fit und will schon ein, zwei Etappen gewinnen", sagte der 25 Jahre alte Pfälzer dem "Münchner Merkur". Er sagte aber auch: "Den Rest werden wir in Spanien sehen - auch, ob wir überhaupt nach Madrid kommen." Es war schon grenzwertig, die Tour de France ab Ende August angesichts stark steigender Corona-Fallzahlen in Frankreich bis Paris durchzuziehen. Ein Vuelta-Finale aber in Madrid auszutragen, wo Einwohner bei einer Inzidenzzahl von teilweise über 1.000 manche Stadtteile nicht mehr verlassen dürfen, hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.

Um seine eigene Sicherheit macht sich Ackermann allerdings weniger Sorgen. "Das Sicherheitskonzept ist immens gut. Wenn sich jeder an die Regeln hält, dann sollte alles gutgehen", sagte er beim Pressegespräch am Montag (19.10.2020). Und er ergänzte: "Alle Leute im Feld sollten froh sein, dass wir im Moment Rennen fahren können."

Im Schatten Peter Sagans

Peter Sagan jubelt über seinen Etappensieg beim Giro d'Italia

Peter Sagan

Froh ist Ackermann trotz allem, bei der Vuelta zu sein, nachdem sein großes Ziel Tour de France in diesem Jahr erneut ohne ihn stattfand und er immer noch etwas im Schatten seines prominenten Teamkollegen Peter Sagan steht. Die Vuelta wird in Ackermanns viertem Bora-Jahr erst die zweite große Rundfahrt seiner Karriere nach dem Giro 2019 mit zwei Etappensiegen. Weitere Siege muss Ackerman liefern, um beste Argumente für einen Tourstart 2021 zu haben.

Fast schon Wintersport

Ackermann will sich durch eine Vuelta beißen, die nun fast in die Sparte Wintersport fällt, wenn es beispielsweise auf der sechsten Etappe auf den 2.115 Meter hohen Tourmalet geht. "Wenn man in Form ist und weiß, dass in zwei, drei Tagen wieder eine Etappe ansteht, die man gewinnen kann, quält man sich durch", sagte Ackermann. Er gab aber auch zu: "Spaß macht es sicher nicht, bei fünf, sechs Grad durch den Regen zu fahren, aber da müssen wir durch."

Tagessiege das große Ziel

Viele Chancen hat Ackermann bei der Vuelta nicht. "Wir haben nicht viele Sprintetappen, vier an der Zahl. Es sind auch nicht viele Sprinter hier. Das macht es nicht leichter, dass es dann schließlich auch zu Sprintankünften kommt", sagte Ackermann. Dennoch bleiben Tagessiege das große Ziel: "Für einen Sprinter ist es relativ unmöglich, das Punktetrikot zu gewinnen."

Ackermanns schärfster Konkurrent ist der Ire Sam Bennett, Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour. Gegen seinen ehemaligen Bora-Kollegen will Ackermann bestehen, eine letzte große Anstrengung in diesem verrückten Corona-Jahr: "Ich bin jedenfalls froh, wenn diese Saison vorüber ist", sagte Ackermann ehrlich.

Buchmann nicht auf der Startliste

Emanuel Buchmann bei der Tour de France 2020

Emanuel Buchmann

Nicht starten bei der diesjährigen Vuelta wird Ackermanns Teamkollege Emanuel Buchmann. Der 27-Jährige konnte bei der Tour de France die Erwartungen nicht erfüllen und stand nicht auf der provisorischen Startliste, die die Vuelta am vergangenen Donnerstag (15.10.2020) veröffentlichte. Der Tour-Zweite und Titelverteidiger Primoz Roglic geht als Favorit auf den Gesamtsieg ins Rennen. Dem Slowenen stehen beim Team Jumbo-Visma in Tom Dumoulin oder Sepp Kuss starke Helfer zur Seite. Kapitän beim Team Ineos Grenadiers ist der viermalige Tour-Sieger Chris Froome (Großbritannien).

Geschke und Zimmermann im CCC-Team

Die deutschen Radprofis Simon Geschke (Berlin) und überraschend auch Georg Zimmermann (Augsburg) stehen im Aufgebot des CCC-Teams. Für den 23 Jahre alten Zimmermann wird die Spanien-Schleife die erste große Rundfahrt seiner Karriere: "Die Nominierung kam spät, ich hatte die Vuelta zu Beginn der Saison gar nicht als Ziel im Kopf. Jetzt bin ich heiß darauf, eine gute Leistung zu zeigen."

Georg Zimmermann

Georg Zimmermann

Neuling Zimmermann bedankte sich auch für das Vertrauen: "Mein bislang längstes Etappenrennen war halb so lang wie die Vuelta. Daher betrachte ich das als große Herausforderung." Jeder CCC-Fahrer werde auf den 18 Etappen eine Chance erhalten, sagte Sportdirektor Piotr Wadecki. Einen Fahrer für das Gesamtklassement habe sein Team in diesem Jahr nicht im Aufgebot.

Sunweb mit drei deutschen Fahrern

Jasha Sütterlin

Jasha Sütterlin

Das deutsch-lizenzierte Radsportteam Sunweb schickt drei deutsche Fahrer nach Spanien. Neben dem erfahrenen Jasha Sütterlin (Freiburg) verhilft die Mannschaft Max Kanter (Cottbus) und Martin Salmon (Germersheim) zum Debüt bei einer großen Landesrundfahrt. Der Fokus beim Team Sunweb liegt auf Etappensiegen.

sid/dpa/red | Stand: 19.10.2020, 17:22

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