Primoz Roglic gewinnt die Vuelta

Der Slovene Primoz Roglic jubelt

Anbruch einer neuen Ära

Primoz Roglic gewinnt die Vuelta

Von Tom Mustroph

Zwei Slowenen prägten diese Spanienrundfahrt: Primoz Roglic stand ganz oben auf dem Podest, Tadej Pogacar wurde Dritter.

Das war die größte Überraschung dieser drei Wochen. Ganz große Klasse war, wie dieser 20-jährige Grand Tour-Debütant Pogacar in einer Alleinfahrt über die letzten 38 Kilometer der allerletzten Bergetappe der Spanienrundfahrt das Weiße Trikot des besten Jungprofis eroberte und Nairo Quintana vom dritten Platz verdrängte. "Es ist unglaublich. Ein Land mit nur zwei Millionen Einwohnern hat zwei solche Talente", frohlockte Andrej Hauptman. Der sportliche Leiter von Team UAE kümmert sich um Pogacar seit dessen 12. Lebensjahr. Den Ex-Skispringer Roglic weihte Hauptman in die Geheimnisse des Fahrens im Peloton ein. Roglic wird mittlerweile von anderen betreut. Pogacar ist aber weiter unter seinen Fittichen. Erleichterung für den Rest der Radsportwelt hält Hauptman immerhin auch bereit. "Ein drittes Talent von dieser Güte haben wir bisher nicht, auch nicht bei den ganz jungen Jahrgängen", sagte er der Sportschau.

Roglic hält in den Bergen stand

Slowene Primoz Roglic von Team Jumbo Visma bei der 20. Etappe der Vuelta

Slowene Primoz Roglic von Team Jumbo Visma bei der 20. Etappe der Vuelta

Aber gut, zwei Slowenen reichen ja. Pogacar stürmte mit der Unbekümmertheit der Jugend nach vorn. Drei Etappensiege gelangen ihm. Roglic hingegen war der Patron des Rennens. Wie beim Giro d’Italia schon war er im Einzelzeitfahren eine Klasse für sich. Im Unterschied zum letzten Mal hielt er jetzt im September aber auch in den Bergen stand. "Wir lernen aus Fehlern. In den Giro sind wir alle zu heiß gegangen", erzählte George Bennett, Berghelfer von Roglic, der Sportschau. Roglic’ Formkurve erreichte beim Giro zu früh ihren Höhepunkt. Der Slowene war der Matador der ersten Woche, baute dann aber ab.

Die Vuelta begann er eher langsamer und drehte dann auf. Der Anfang war freilich langsamer als vorgenommen. Beim Mannschaftszeitfahren auf der ersten Etappe stürzte er und verlor wertvolle Sekunden. Bei den ersten Bergetappen war er dann auf dem gleichen Niveau wie das Movistar-Duo Nairo Quintana und Alejandro Valverde, Astana-Kapitän Miguel Angel Lopez und Youngster Pogacar. Das Quintett lieferte sich begeisternde Kämpfe.

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Starke zweite Woche

Tadej Pogacar aus Slowenien vom Team UAE Team Emirates feiert seinen Sieg

Tadej Pogacar aus Slowenien vom Team UAE Team Emirates feiert seinen Sieg

Die Basis für seinen Gesamtsieg legte Roglic dann in der zweiten Woche. Er deklassierte die Rivalen im Einzelzeitfahren. In den Bergen spannte er immer wieder mit Pogacar zusammen. Astana-Mann Lopez attackierte. Movistar liess sich ganz wilde Taktiken einfallen. Am Ende aber stieg immer Roglic auf das Podest, um sich ein neues Rotes Trikot überzustreifen.

Ähnlich routiniert wie das Rennen bestritt er die Pressetermine. Auf drei Fragen beschränkte er die Pressekonferenzen. Das traute sich seinerzeit nicht einmal Lance Armstrong. Aber der Radsport-Lerner auf dem zweiten Bildungsweg setzte mit schon brutal anmutender Konsequenz durch, was zur Essenz von dreiwöchigen Rundfahrten gehört: Kraft sparen, wo immer es geht.

Den Giro hatte er mit seinem Hang zum Minimalismus noch verloren. Weil er nicht raus wollte aus dem Windschatten, drehte ihm der Ecuadorianer Richard Carapaz eine Nase. Bei der Vuelta war seine Effizienz der Schlüssel zum Erfolg. Roglic schimpfte nicht mal mit, als sich das Gros des Pelotons über eine Movistar-Attacke beschwerte, die genau dann startete, als auf der 19. Etappe Roglic und Dutzende andere Fahrer gestürzt waren. Nicht einmal Empörungsenergie wollte er aufbringen.

Beginn einer neuen Ära?

Sein Vuelta-Erfolg könnte den Beginn einer neuen Ära einläuten. Sein Team Jumbo Visma verstärkte sich noch mit dem früheren Giro-Sieger Tom Dumoulin. Ein Kampf der Giganten kündigt sich an: Roglic, Dumoulin und der Tour-Dritte Steven Kruijswijk auf der einen Seite, das Toursieger-Trio Egan Bernal, Chris Froome und Geraint Thomas – verstärkt noch mit Giro-Champion Carapaz – auf der anderen. Vuelta-Entdeckung Pogacar wird sich aber auch in dieser Konstellation sicher eigenen Platz verschaffen.

Stand: 15.09.2019, 20:02

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