Bora-hansgrohe will die Nummer eins im Radsport werden

Das Team von Bora-hansgrohe

Teampräsentation für 2020

Bora-hansgrohe will die Nummer eins im Radsport werden

Von Michael Ostermann (Kolbermoor)

Das deutsche Radsport-Team Bora-hansgrohe blickt auf eine erfolgreiche Saison 2019 zurück und will im kommenden Jahr an die Spitze der Weltrangliste. Dazu beitragen sollen auch Emanuel Buchmann und Pascal Ackermann.

Die Wucht der Sätze passt nicht recht zum eher provinziellen Ambiente, in dem sie gesprochen werden. Ein Autohaus in einem Gewerbegebiet in Kolbermoor nahe Rosenheim. Hierhin hat das deutsche World-Tour-Team Bora-hansgrohe geladen, um seine 27 Radprofis für die Saison 2020 zu präsentieren. Das ist ein bisschen so, als würde der FC Bayern seinen Kader in einem örtlichen Brauhaus vorstellen. 

Aufstieg binnen zehn Jahren

Es ist auch ähnlich laut wie in einem Gasthaus. Viele der geladenen Gäste scheinen sich mehr für die Häppchen und Freigetränke zu interessieren, weshalb fast untergeht, was der Teammanager von Bora-hansgrohe, Ralph Denk, als Ziele für die anstehende Radsport-Saison ausgibt: "Wir waren in diesem Jahr Zweiter der Weltrangliste, davor das Jahr Dritter. Was kommt dann? Die Nummer eins müssen wir noch werden." 

Man wundert sich immer noch, wenn Denk solche Sätze formuliert. Es ist ja gerade einmal zehn Jahre her, da hat der Teamchef aus dem bayerischen Raubling erstmals ein Profiteam vorgestellt, damals noch als Continental Team - dritte Liga, unterste Stufe des Profi-Radsports. Denk formulierte damals das Ziel, ganz nach oben in die World Tour zu kommen. Dafür wurde er belächelt, der Radsport lag nach vielen Dopingskandalen vor allem in Deutschland am Boden.

Ackermann: "Die Tour de France passt einfach nicht" Sportschau 04.12.2019 00:52 Min. Verfügbar bis 04.12.2020 Das Erste

31 World-Tour-Siege

Ralph Denk steht bei der Vorstellung des Radsportteams für das Jahr 2020 auf der Bühne.

Inzwischen leitet der 46 Jahre alte Denk eine Mannschaft, die in der abgelaufenen Saison 31 World-Tour-Siege eingefahren und mit dem dreimaligen Weltmeister Peter Sagan einen der größten Stars der Branche im Kader hat. "Damit konnte man nicht rechnen", sagt Andreas Schillinger. Der 36 Jahre alte Radprofi aus Franken gehörte schon vor zehn Jahren zum Team und hat den Aufstieg von Beginn an miterlebt. 

Schillinger kann sich noch erinnern, wie das Team bei den großen Rennen nur dank einer Wildcard teilnehmen durfte und sich in der Hierarchie des Pelotons ganz unten einreihen musste. Als mit Sagan dann 2016 der Aufstieg in die World Tour vollbracht war, sei man nur bei den Rennen, bei denen der Slowake dabei war, voll respektiert worden. "Inzwischen sind wir bei jedem Rennen der Fixpunkt, an dem sich die anderen Teams orientieren", sagt Schillinger.

Buchmann will aufs Podium der Tour

Emanuel Buchmann vom Radrennstall Bora-hansgrohe

Emanuel Buchmann vom Radrennstall Bora-hansgrohe

Sagan ist längst nicht mehr derjenige, der alleine dafür sorgt, dass das Team so viele Siege auf höchstem Niveau einfährt. Der deutsche Sprinter Pascal Ackermann, 25, feierte 2019 13 Siege, darunter zwei Etappensiege beim Giro d’Italia, und beendete die Saison in der Weltrangliste drei Plätze vor Sagan auf Rang sieben. Maximilian Schachmann, 25, war sechs Mal erfolgreich, bevor ihn ein Sturz bei der Tour de France im Juli die zweite Saisonhälfte kostete. Emanuel Buchmann, 27, steuerte zwei Siege zur Bilanz bei, sorgte aber vor allem mit Platz vier in der Gesamtwertung der Tour de France für Furore.

Buchmann ist ein Beispiel dafür, wie der Aufstieg des Teams das Selbstbewusstsein des Einzelnen stärkt. Auch der Ravensburger hat forsche Ambitionen für die kommende Saison. Er will es 2020 aufs Podium der Tour de France in Paris schaffen. "Das muss das Ziel sein", sagt Buchmann.

Fünf neue Fahrer im Team

Das Team, das die individuellen und kollektiven Ziele erreichen soll hat sich personell kaum verändert. Große Namen gestandener Radprofis sind nicht dazugekommen. Lennard Kämna, 23, der bei zwei Bergetappen der Tour de France in den Top Ten landete und der Italiener Matteo Fabbro, 24, verstärken die Fraktion der Kletterer. Dazu kommen mit dem Österreicher Patrick Gamper, 22 und dem Niederländer Ide Schelling, 21, zwei unbekannte Nachwuchsfahrer sowie der Este Martin Laas, 26, der die Sprinterfraktion verstärken soll.

Denk: "Es wäre schön, wenn wir bei einer Grand Tour mal aufs Podium fahren könnten" Sportschau 04.12.2019 00:49 Min. Verfügbar bis 04.12.2020 Das Erste

Andreas Schillinger weiß, dass das Team bei vielen Rennen die Qual der Wahl hat, wen es an die Startlinie stellt, um das Ziel, die Nummer eins zu werden, dann auch zu erreichen. "Da muss man taktisch klug aufstellen", sagt er. Das bringt mitunter Härten mit sich. So wird Sprinter Pascal Ackermann ein weiteres Jahr auf sein Debüt bei der Tour de France verzichten müssen. 

Ackermann muss auf Tourstart verzichten

Dort wird Peter Sagan die Farben von Bora-hansgrohe in den Sprints vertreten. "Klar tut das ein bisschen weh, weil ich fest damit gerechnet habe, meine erste Tour zu fahren", sagt Ackermann, der aber letztlich einsehen musste, dass das Profil des wichtigsten Radrennens der Welt den Sprintern diesmal nur wenig Möglichkeiten bietet. 

Ackermann fügt sich. Etwas was der Ire Sam Bennett, der ebenfalls 13 Siege zur Bilanz 2019 beisteuerte, nicht tun wollte. Deshalb fährt Bennett 2020 nicht mehr für Bora-hansgrohe, sondern für das Team Deceuninck-Quick Step. Die belgische Equipe war mit 33 World-Tour-Siegen in der abgelaufenen Saison das, was Denk mit seiner Mannschaft noch werden will - die Nummer eins.

Große Ambitionen dank "fürchterlich harter Arbeit"

Sportschau 04.12.2019 02:57 Min. Verfügbar bis 04.12.2020 ARD Von BR-Reporter Erich Wartusch

Stand: 04.12.2019, 08:44

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