Max Kanter macht beim Team Sunweb den Sprung

Max Kanter

Aufstieg in die World Tour

Max Kanter macht beim Team Sunweb den Sprung

Von Michael Ostermann, Berlin

Bei der Präsentation des Teams Sunweb steht der Giro- und Tour-Zweite Tom Dumoulin im Mittelpunkt. Aber besonders stolz ist die deutsche Equipe auf junge Fahrer wie Max Kanter, der aus dem eigenen Nachwuchs den Schritt in die World Tour geschafft hat.

Den ersten großen Auftritt hatte Kanter, kurz nachdem der Vorhang gelüftet worden war. Da standen sie nun alle, die 46 Fahrer und Fahrerinnen des Teams Sunweb im Rampenlicht im Umspannwerk Berlin in der Nähe des Alexanderplatzes. Es ist ja so, dass die großen Radsport-Teams inzwischen nicht mehr nur männliche Radprofis beschäftigen. Auch das Portfolio des Teams Sunweb umfasst neben dem World Tour Team eine Frauenmannschaft und ein Development-Team, in dem junge Fahrer an das höchste Niveau herangeführt werden sollen. Und deshalb durfte Max Kanter noch vor dem Leader des World-Tour-Teams Tom Dumoulin, dem Tour- und Giro-Zweiten des vergangenen Jahres aus den Niederlanden ans Mikrofon.

Aus der Radsport-Pyramide

Kanter ist neben dem U23-Weltmeister Marc Hirschi aus der Schweiz und dem Niederländer Joris Nieuwenhuis der erste Fahrer, dem der Sprung aus dem Development- ins World-Tour-Team gelungen ist. Eine Entwicklung, auf die die Verantwortlichen der deutschen Equipe besonders stolz sind, weshalb Hirschi und Kanter in Berlin in den Mittelpunkt der kurzen Teampräsentation geschoben wurden. Von einer "Radsport-Pyramide", spricht der Teamchef Iwan Spekenbrink, der sich seit Jahren auf die Fahnen schreibt, insbesondere den deutschen Radsport von der Basis aus voranzubringen. "Jetzt sehen wir den ersten Effekt", sagt Spekenbrink. "Die nächste Generation deutscher Fahrer rückt nach oben auf das höchste Niveau."

Der Schritt von der U23 in die World Tour ist ein großer. Aber Kanter ist sicher, dass er gut vorbereitet ist, obwohl er erst 21 Jahre jung ist. "Mein Ziel ist es, mich an das World-Tour-Niveau anzupassen. Das Team macht mir keinen Druck und ich mache mir keinen Druck", sagt er. "Ich weiß, wie das Team arbeitet, wir werden langsam herangeführt." Kanter begann 2008 beim RSC Cottbus mit dem Radsport, feierte bei den Junioren Erfolge auf der Bahn und wechselte dann in seinem ersten U23 Jahr zum LKT Team Brandenburg, bevor er 2016 in die Nachwuchsschmiede von Sunweb wechselte und gleich deutscher U23-Meister wurde. Den Titel gewann er auch 2018 wieder, zudem feierte er einen Etappensieg bei der Tour de l'Avenir, der bedeutendsten U23-Rundfahrt.

Schwierige Anpassung

"Für Max ist das jetzt der logische nächste Schritt, in der World Tour zu fahren", sagt Sebastian Deckert, der Kanter schon in Cottbus trainierte, ihn beim Development-Team begleitete und ihn auch jetzt weiter betreuen wird. Auch das ist Teil des Konzeptes beim Team Sunweb. "Es geht um Kontinuität", sagt Deckert. Kanter beschreibt er als sehr zielstrebig. "Er arbeitet hart und ist sich klar darüber, was notwendig ist, ein guter Radfahrer zu sein." Erste Erfahrungen mit dem neuen Niveau hat Kanter in den vergangenen Jahren bei kleineren Rennen schon als Stagiaire, eine Art Praktikantenstelle für Nachwuchsfahrer am Ende einer Saison, machen können. Doch eine volle Saison in der World Tour wird seinem Körper sehr viel mehr abverlangen, als alles, was er bisher im Radsport erlebt hat.

Wie schwierig es ist, sich gerade in jungen Jahren an die längeren, härteren, sehr viel taktischeren Rennen zu gewöhnen, zeigt das Beispiel Lennard Kämna, der bereits seine dritte Saison in der World Tour angeht. Der 22-Jährige, der 2017 WM-Silber im Zeitfahren der U23 gewann, wurde bereits als kommender deutscher Rundfahrer hochgejazzt, legte in der vergangenen Saison aber eine längere Pause ein, weil er seinem Körper zu viel zugemutet hatte. "Im Nachhinein wäre ich besser noch ein Jahr länger in der U23 gefahren", sagt er heute.

Tour Down Under und Roubaix

Dass Kämna sich die Pause im vergangenen Jahr gönnen durfte, spricht dafür, dass das Team Sunweb es ernst meint damit, junge Fahrer behutsam aufzubauen. Kanter hat zudem den Vorteil, dass seine Qualitäten auf dem Rad eher auf Eintagesrennen ausgerichtet sind, bei denen es in Deutschland anders als bei Rundfahrten nicht an Spitzenfahrern mangelt. "In der U23 gehörte er zu den besten Sprintern der Welt", sagt sein Trainer Sebastian Deckert. Weshalb Kanter sich in der kommenden Saison bei kleineren Rennen auch schon mal in der Rolle des Sprintkapitäns versuchen soll, während er sonst vor allem als Helfer fungieren soll.

Sein erstes World-Tour-Rennen wird Kanter Mitte Januar bei der Tour Down Under in Australien absolvieren. Auch Einsätze bei den Frühjahrsklassikern Gent-Wevelgem und Paris-Roubaix sind dort vorgesehen. Bei den schweren Kopfsteinpflaster-Rennen sieht Kanter selbst als seine Zukunft als Radprofi. Im vergangenen Jahr wurde er bei der Flandern-Rundfahrt der U23 bereits Zweiter. Doch gerade bei diesen Rennen ist vor allem Erfahrung und Rennhärte entscheidend. Diese soll er sich nun peu à peu aneignen. Große Auftritte sollen bis dahin erstmal die anderen Fahrer des Teams Sunweb haben.

Stand: 03.01.2019, 13:57

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