Skys Rückzug - ein Erdbeben für den Radsport

Team Sky bei der Tour de France

Sponsor hört 2019 auf

Skys Rückzug - ein Erdbeben für den Radsport

Von Michael Ostermann

Das Medienunternehmen Sky beendet sein Engagement beim britischen Team. Für den Radsport ist das keine gute Nachricht. Denn es zeigt, wie abhängig die Branche von einzelnen Geldgebern ist.

Erdrückende Dominanz ist im Sport ein Problem. Wenn der Wettbewerb vorhersehbar wird, ist er nicht mehr attraktiv. Im Radsport gab es deshalb in den vergangenen Jahren viele Überlegungen dazu, wie sich die Dominanz des Teams Sky brechen ließe. Man hat die Anzahl der Fahrer pro Team bei den großen Rundfahrten und Eintagesrennen reduziert, kurze, schwere Bergetappen fahren lassen, die sich schwerer kontrollieren lassen und über Gehaltsobergrenzen nachgedacht. Alles ohne Erfolg. Doch jetzt ist plötzlich ein Ende der Übermacht des Teams Sky in Sicht. Das namengebende Medienunternehmen zieht sich zum Ende der Saison 2019 zurück. Die britische Equipe braucht einen neuen Geldgeber.

Sechs Toursiege in sieben Jahren

Der Rückzug von Sky kommt überraschend, hatte sich aber schon angedeutet als das US-Kommunikationsunternehmen Comcast Sky im Oktober von 21st Century Fox übernahm. Kurz darauf verließ auch der Vorstandsvorsitzende James Murdoch, der Initiator des Radsport-Engagements von Sky, seinen Posten. Die Rückzugs-Nachricht wurde nun in Form einer nüchternen Mitteilung auf der Homepage des Unternehmens verkündet. "Das Team tritt während der gesamten Straßensaison 2019 zum letzten Mal als Team Sky an", hieß es dort.

Es ist nicht weniger als ein Erdbeben, dass den Radsport da erfasst. Kein anderes Team ist so gut alimentiert wie das Team Sky. Für die Saison 2017 wies die Bilanz des Teams ein Budget von umgerechnet rund 38 Millionen Euro aus. Rund 28 Millionen Euro steuerten Sky und dessen Mutterhaus 21st Century Fox bei. Andere Top-Mannschaften müssen mit einem Etat von 16 bis 20 Millionen Euro auskommen. Geld kann auch im Radsport Erfolg kaufen.

Radsport - Steht das Team Sky vor dem Aus?

Sportschau 12.12.2018 00:52 Min. ARD

Mit den Zuwendungen von Sky hat sich das Team seit 2010 zum führenden Team im Radsport gemacht. 322 Siege hat die Mannschaft seitdem eingefahren. Vor allem die großen Landesrundfahrten dominierte Sky. Mit Bradley Wiggins stellte die Equipe 2012 erstmals den Sieger der Tour de France. Es folgten vier Siege von Christopher Froome (2013, 2015, 2016 und 2017). Nur 2014 gab es einen Toursieger, der nicht für Sky fuhr: Der Italiener Vincenzo Nibali gewann, nachdem Froome mehrfach gestürzt war und das Rennen aufgeben musste. Im vergangenen Juli fuhr dann Geraint Thomas im Gelben Trikot mit dem Sponsoren-Logo von Sky nach Paris. Froome hatte zuvor den Giro d'Italia im Mai gewonnen, nachdem er 2017 neben der Tour auch die Vuelta à Espana als Sieger beendet hatte.

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Schwierige Sponsoren-Suche im Radsport

Die Dominanz bei den großen Landesrundfahrten verdankte Sky auch der Tatsache, dass man dem jeweiligen Kapitän gut bezahlte Helfer an die Seite stellen konnte, die in anderen Mannschaften selbst als Leader hätten fahren können. Dass das in Zukunft noch so sein wird, ist kaum anzunehmen. Teammanager Sir David Brailsford wird einen neuen Geldgeber finden müssen, was im Radsport grundsätzlich kein leichtes Unterfangen ist, selbst für eine Spitzenmannschaft. In 2018 etwa suchte das Team BMC nach dem Tod seines Gönners, des Schweizer Milliardärs Andy Rihs, nach einem neuen Sponsor und fusionierte schließlich mit dem bisher zweitklassigen polnischen Team CCC. Viele Spitzenfahrer mussten gehen.

Brailsford hat aufgrund der sportlichen Erfolge und den Topstars der Branche ein attraktives Produkt zu verkaufen, allerdings haben Kontroversen um fragwürdige medizinische Ausnahmegenehmigungen für Kortikoide für Wiggins und Froome sowie eine mysteriöse Medikamentenlieferung an Wiggins während der Dauphiné-Rundfahrt 2011 das Image zuletzt mächtig angekratzt. Auch Brailsford wird nicht alle Spitzenprofis halten können. Denn ein neuer Geldgeber wird sicher nicht in ähnlicher Höhe in den Radsport investieren können wie Sky. Vor allem dürfte es angesichts der Unsicherheiten bezüglich des Brexits schwer werden, ein britisches Unternehmen zu finden, das bereit ist viel Geld für ein Radsportteam zu bezahlen.

Grundsätzliche Fragen für den Radsport

Zuletzt haben vor allem fragwürdige Sponsoren in den Radsport investiert. So werden die Teams Bahrain-Merida und UAE-Team Emirates von staatlichen Firmen aus arabischen Despotien finanziert. Für die Branche ist der Rückzug von Sky deshalb keine gute Nachricht, auch wenn der sportliche Wettbewerb vor allem bei der Tour de France damit in Zukunft vielleicht wieder interessanter wird. Für den Radsport stellen sich durch den Rückzug von Sky ganz grundsätzliche Fragen. "Sky oder jedes anders Team hat das Problem, dass es sich zwischen 90 und 95 Prozent über Sponsoring finanziert", erklärt Ex-Profi Rolf Aldag, Direktor des Teams Dimension Data, gegenüber sportschau.de. "Keine Einkünfte aus den Image Rights, fast nichts durch Merchandising oder Startgelder. Deshalb scheinen die News über das Ende von Sponsoring im Radsport immer so final. Oft ist sowas das Ende von Teams, während es in der Bundesliga maximal eine Randnotiz wäre."

So könnte, wenn es schlecht läuft, die beste Mannschaft der vergangenen zehn Jahre einfach aus dem Radsport verschwinden. Brailsford gab sich auf der Homepage des Teams dennoch optimistisch. "Während Sky am Ende des Jahres weiterzieht, ist das Team offen für die Zukunft und das Potenzial mit einem neuen Partner zusammenzuarbeiten", ließ er mitteilen. Dafür muss er seine Mannschaft auch in eine neue Struktur überführen. Denn anders als bei anderen Mannschaften ist Sky nicht nur Sponsor, sondern auch Eigner des Teams. Seit Jahren kämpfen die Teams mit dem Weltverband UCI und den Rennveranstaltern wie der ASO, die die Tour de France veranstaltet, um eine Verbesserung und eine gerechtere Verteilung der Einnahmen. Sollte Brailsford keinen neuen Partner finden, dürfte das die Diskussion um die ökonomische Basis des Radsports verschärfen.

Stand: 12.12.2018, 12:26

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