Raymond Poulidor - der "ewige Zweite" der Tour de France ist tot

Radsportprofi Raymond Poulidor beim internationalen Zeitfahren Lugano 1961.

Französische Radsport-Legende

Raymond Poulidor - der "ewige Zweite" der Tour de France ist tot

Der französische Radsport trauert um einen seiner größten Helden: Raymond Poulidor, der ewige Zweite der Tour de France, starb in der Nacht zu Mittwoch (13.11.19).

Das bestätigte seine Frau der Nachrichtenagentur AFP. Poulidor wurde 83 Jahre alt. Anfang Oktober war er wegen "großer Müdigkeit" ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Podiumsplätze bei der Tour: 8, Siege: 0

Der in Frankreich nur "Poupou" genannte Poulidor stand zwischen 1962 und 1976 acht Mal auf dem Podium der Tour de France. Gewonnen hat er das Rennen nie, auch das Gelbe Trikot streifte er nie über, dennoch eroberte er die Herzen seiner Landsleute im Sturm.

Der in Frankreich außerordentlich populäre Poulidor war trotz seines fehlenden Tour-Sieges ein erfolgreicher Rennfahrer. Er gewann Mailand-San Remo, Paris-Nizza oder die Spanien-Rundfahrt, zudem gelangen dem guten Zeitfahrer und hervorragenden Kletterer sieben Siege bei Tour-Etappen zwischen 1962 und 1974.

Raymond Poulidor - Frankreichs besonderer Radsportheld Sportschau 13.11.2019 01:21 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 Das Erste

Tragischer Held trotz vieler Siege

Dennoch wurde Poulidor zum Synonym für den tragischen Helden, für jemanden, gegen den sich immer alles verschwor. Aber auch für jemanden, der das Glück nicht erzwang. Unvergessen ist das Ellenbogenduell mit seinem großen Rivalen, seinem weitaus weniger beliebteren Landsmann Jacques Anquetil, am Puy de Dome im Zentralmassiv bei der Tour 1964.

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Poulidor selbst sah seinen speziellen Ruhm mit Humor: Sein Name sei in Frankreich ein geflügelter Begriff, sagte er zu seinem 80. Geburtstag der Nachrichtenagentur AFP. "Wenn jemand Zweiter wird - beim Boule-Spiel etwa - ist er ein 'Poulidor'", sagte er. Nach dem Sportler ist auch der "Poulidor-Effekt" benannt. Er bezeichnet einen Verlierer, der sympathischer wirkt als der Gewinner. "Vielleicht hat mir der letzte Ehrgeiz gefehlt, auch wenn ich bestimmt immer alles gegeben habe", sagte Poulidor einmal: "Aber es hat mir auch gefallen, dass mich alle mochten. Die Fans und die anderen Fahrer."

Die Radsportwelt nimmt Abschied von Radprofi Raymond Poulidor

Sportschau 13.11.2019 01:57 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 ARD

Sein Tod löste eine Welle der Anteilnahme aus. "Es ist ein großer Verlust, ich verliere einen großen Freund", sagte Eddy Merckx. Der französische Radprofi Romain Bardet würdigte Poulidor als "Ikone", sein französisches Team AG2R kommentierte: "Au revoir, Poupou."

100 Jahre Gelbes Trikot - Jacques Anquetil Sportschau 23.07.2019 01:07 Min. Verfügbar bis 23.07.2020 Das Erste

sid/dpa/afp | Stand: 13.11.2019, 10:33

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